Segen zum Schulbeginn

Die nächsten Gottesdienste in unserer Gemeinde

Hoffnungswort zum vierzehnten Sonntag nach Trinitatis

Pfr. Schatull

Hoffnungswort - Konfirmationspredigt

Pfr. Dr. Schmidt-Roscher

Hoffnungswort zum zwölften Sonntag nach Trinitatis

Pfr. Stetzer

Hoffnungswort zum elften Sonntag nach Trinitatis

Pfr. Dr. Schmidt-Roscher

Hoffnungswort zum zehnten Sonntag nach Trinitatis

Pfarrer Schatull

Hoffnungswort zum neunten Sonntag nach Trinitatis

Vikarin Neumann

Hoffnungswort zum 8. Sonntag nach Trinitatis

Pfarrerin Hildrun Groß

Hoffnungswort zum siebten Sonntag nach Trinitatis

Pfr. Schatull

Zwei Hoffnungsworte zum sechsten Sonntag nach Trinitatis

Vikarin Neumann und Pfarrer Stetzer

Zwei Hoffnungsworte zum fünften Sonntag nach Trinitatis

Pfr. Dr. Schmidt-Roscher und Pfr. Stetzer

Zwei Hoffnungsworte zum vierten Sonntag nach Trinitatis

Pfr. Dr. Schmidt-Roscher und Pfr. Stetzer

Hoffnungswort zum dritten Sonntag nach Trinitatis von Pfr. Stetzer

 

Eingangsvotum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes...

AMEN

Eingangswort

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen
und selig zu machen, was verloren ist

Lukas 10, 16a

Gebet

Jesus Christus,
deine Liebe ist größer als unser Herz.
Du sagst Ja zu uns.
Hilf, dass wir uns selbst verstehen lernen
und offen werden für andere.

Du liebst uns.
Schenke uns Vertrauen darauf,
dass sogar unsere dunklen Seiten uns nicht trennen von dir,
dass wir mit allen Menschen deine geliebten Geschöpfe sind.

Du suchst uns.
Vergib, wenn wir uns nicht von dir finden lassen wollen.
Vergib, wenn wir uns dir verschließen,
uns anderen entziehen
und damit uns selbst entfremden.

Lass uns annehmen das Wort von deiner großen Liebe.
Schenke uns Gemeinschaft mit dir und untereinander.
Schenke uns die Freude über dein Erbarmen.
Das bitten wir dich voll Vertrauen.

AMEN

 

Predigt

Text: Micha 7, 18-20

Wer ist wie du ein Gott?
...der Schuld aufhebt,
...die Frevel überschreitet
dem Rest seines Erbteils zugut!

Er versteift sich nicht
auf seinen Zorn
denn er ist einer,
der an Bündnistreue Gefallen hat.

Er besinnt sich zurück:
- erbarmt sich über uns,
zertrampelt unser Schuld.

Und du wirst werfen
in die Tiefen des Meeres...
all unsere Verfehlungen.

Du verleihst Jakob Beständigkeit,
erweist Bündnistreue Abraham,
so wie du es geschworen hast
unseren Vätern,
in den Tagen der Vorzeit.

 

Predigt

Liebe Gemeinde!
Glauben will erlebt,
nicht in abstrakten Begriffen
gedacht werden...

Und ganz besonders die Hebräische Bibel,
unser ”Altes“ Testament,
atmet ganz einen solchen Geist:

Es geht um konkrete Erfahrung,
erlebt in Gemeinschaft:

Gott die Macht,
die einen durchs Leben begleitet,
durch Höhen und Tiefen,
Scheitern und Erfolg...

...und immer mehr zeichnet sich ein Faden ab,
leben die Menschen im Bewusstsein:
Dieser Gott hat etwas mit uns vor...
Anders als wir heute
kommen die Leute nicht ins Philosophieren,
unser abstraktes Denken ist ihnen fremd!

Alles ist viel unmittelbarer!
...und dieses Unmittelbare wiederzuentdecken,
es kann unseren Glauben reicher,
farbiger machen.

Damit dies leichter möglich ist,
habe ich beim Übersetzen versucht,
vertraute, allzu vertraute Worte zu vermeiden,
Worte, bei denen wir meinen:
Wir wissen schon,
worum es geht;
da gibt es nichts Neues zu entdecken...

Insbesondere habe ich das bei dem Wort ”Gnade“ gemacht,
das uns Protestanten so wichtig ist!

Denn genau dieses Wort,
es kommt in diesem Text,
so wie Luther ihn übersetzt,
zweimal vor...

Wir wissen aber heute:
Das hebräische Wort,
das wir normalerweise mit ”Gnade“ wiedergeben,
meint nicht das,
was wir uns darunter vorstellen,
meint was anderes:
Bündnistreue!
- so müsste man sagen!

Der Prophet sagt nicht typisch protestantisch:
Spüre die Gnade, die dich st ändig umgibt,
alles ist Gnade, vertrau dich ihr an
...und du wirst den Weg finden!

Mag stimmen - er ist konkreter!
Es geht - wenn er von Gnade,
wenn er von Bündnistreue redet,
nicht um eine allgemeine religiöse Erfahrung...
eine allgemeine Wahrheit,
jedem zu jeder Zeit zugänglich,
sondern um etwas,
was nicht ohne einen Beziehungsraum zu verstehen ist,
in dem Gott Verbindlichkeiten eingegangen ist,
Verbindlichkeiten, zu denen ER steht...
...unwiderruflich...

Für die andere, grundlose Gnade,
dafür gibt es im Hebräischen ein eigenes Wort...
aber das spielt eine viel geringere Rolle...
...spielt eine eher untergeordnete Rolle!

Denn für die Bibel ist es nun mal sehr entscheidend,
dass Gott bereit ist,
mit uns Menschen in Beziehung zu treten,
uns gegenüber Verbindlichkeiten einzugehen!

Und er tut dies,
indem er immer wieder
mit ganz bestimmten Menschen,
die er sich ausgesucht hat,
einen Bund schließt:

...Mit Noah begann es...
...Konkreter wurde es mit Abraham und Jakob
- auf die Micha ja auch anspielt -
...sehr konkret dann mit Mose...
...mit Israel, seinem Volk!

Und je konkreter der Bund -
desto konkreter auch die Verbindlichkeiten!

Und deshalb redet der Prophet hier so,
wie er redet,
in einer Situation,
in der das Volk massiv unter den Folgen
seiner in der Vergangenheit verkehrten Haltung zum Leben
zu leiden hatte
- mit anderen Worten:
seinen Verfehlungen, seinem Frevel, seiner Schuld...

Wieder neu leben können,
nur möglich,
wenn das, was an Spannungen,
das dadurch hervorgerufen wurde,
an Verwirrung und Chaos,
aus der Welt geschafft ist
- mit anderen Worten:
die Schuld getilgt ist...

Und da kommt dann Gott ins Spiel!

Wenn wir uns erinnern,
wieder intensiver auf IHN einlassen,
dann passiert was:

Er besinnt sich zurück:
- erbarmt sich über uns,
zertrampelt unser Schuld.

Spüren wir - in welch konkreten Bezügen hier gedacht wird?
...und in welch anschaulichen Bildern?
Eine gemeinsame Geschichte wird in Erinnerung gerufen!
Eine Geschichte mit vielen Auf´s und Ab´s -
aber letztlich eine Befreiungsgeschichte!

Weil die Beziehung zu Gott es ihnen möglich gemacht hat,
bei Erfahrungen des Scheiterns den eigenen Schuldanteil auszumachen,
und wieder neue Wege zu gehen...

Das macht die Israeliten damals zu was Besonderem...
was sie unter allen Völkern heraushebt:

Nur, wenn man um einen Gott weiß
der einen das richtige Leben lehrt,
ist Scheitern nicht einfach Scheitern,
sondern kann in einem größeren Zusammenhang
wahrgenommen werden.
...wird zum Teil eines Weges...

Für Heiden, die um eine solchen Gott nicht wissen,
waltet in der Welt das Schicksal oder blinde Willkür,
zuweilen auch der Kampf gegen das Chaos,
geheimnisvolle Mächte, die sich gegen einen verschworen haben,
und all das spiegelt sich dann in ihrer Götterwelt wieder...
...der Begriff der Schuld bleibt diffus...

Wie bahnbrechend das war,
was da bei den Israeliten geschah,
dass es - allen Irren und Wirren zum Trotz,
immer Menschen gab,
die den Zusammenhang herstellten,
die Geschichten des gemeinsamen Weges mit Gott weitererzählten,
die sich auch selbst auf einem Weg mit diesem Gott wussten...
wir können es kaum noch ermessen...

Obwohl die Geschichte ja noch weitergegangen ist,
Gott sich nicht auf die Israeliten, die Juden beschränkte:
Denn in Christus hat er auch uns in seinen Bund hineingenommen,
der dann an Pfingsten
mit der Ausgießung des Heiligen Geistes zum Tragen gekommen ist.

Ein Bund, in dem das Thema ”Schuld und Vergebung “
nochmal eine - wie wir glauben - andere Qualität bekommt,
in einer noch nie gekannten Intensivität erfahrbar wird!

Schließlich haben wir Christus vor Augen.
Er hat uns gezeigt,
was Menschsein wirklich bedeutet,
uns mit unserer eigenen Ohnmacht konfrontiert
und damit, wie wir als Menschen
andere zu Opfern machen geneigt sind!

Diejenigen, die andere dann wirklich zu Opfern machen,
das sind die, die Schmerz nicht mehr spüren.

Deshalb ist sein Kreuz ja so wichtig,
der tiefste Ausdruck von Gottes Bündnistreue,
SEINER ”Gnade “:

Der Blick auf sein Kreuz lässt uns den Schmerz spüren,
dem wir sonst mit dem gleichen Zynismus wie so viele andere begegnen würden.

und lässt uns im Anschluss den Gott erfahren,
dessen Liebe auch die Todesgrenze überschreitet!

Nur deshalb sind wir fähig,
uns auf die Seite der Opfer zu schlagen,
werden davor bewahrt,
selbst zu Tätern zu werden.

Gott - erbarmt sich über uns,
zertrampelt unser Schuld.

Gott mit uns unterwegs,
der Gott der Bündnistreue,
die, Christus vor Augen
noch fester geworden ist.

Seine Gnade,
keine freischwebende Gnade,
wie man sie auch erfahren kann,
wenn man - losgelöst - von einer bestimmten Religion,
eine Verbundenheit mit einer höheren Macht erfahren kann...

Seine Gnade,
eingebunden in ein festes Beziehungsgeschehen,
Teil eines Weges,
SEINES Weges mit uns.

Teil des ”Projektes Mensch “,
das Gott mit uns,
Juden und Christen,wagen möchte.

Gott braucht,
um diese Welt zu verändern,
uns,
braucht Menschen,
die mit ihm SEINEN Weg gehen,
SEINEN Traum mehr und mehr leben.

Menschen, denen er zugesagt hat,
dass er zu ihnen steht,
was auch geschieht!

Wir - Juden wie Christen - sind es,
sind es auf verschiedene Weise...

Sind in einer Welt,
in der so viele durch´s Leben irren,
in der viele andere sich als Suchende verstehen,
keine Suchende,
sondern Gefundene,
die - wie einstmals Abraham,
offen in die Zukunft schauen dürfen,
in der wir,
in allen Auf‘s und Ab´s des Lebens
doch eines sicher haben:
einen Gott,
der zu uns steht,
in grenzenloser Bündnistreue,
und Liebe!

AMEN

Fürbitten und Vater unser

Gelobt und gepriesen seist du, barmherziger Gott.
Bei dir ist niemand verloren.
Auch wenn wir uns von dir abwenden,
bleibst du uns nahe.

Auch wenn wir dich nicht verstehen,
bist du mit uns auf unserem Weg.

Auch wenn wir mit unserem Glauben am Ende sind,
lässt du uns nicht los.

Du gehst uns nach und suchst uns.

Darüber sind wir froh und danken dir.

Wir bitten dich:
für alle Suchenden,
dass sie Halt und Orientierung finden;
für alle Fragenden,
dass sie Antwort und Hilfe finden;
für alle Einsamen und Verlassenen,
dass andere ihnen Vertrauen und Wärme schenken;
für alle, die am Ende ihrer Kraft sind:

Halte du sie gnädig in deiner Hand
und gib uns die Kraft, beizustehen und zu trösten.

Erbarme dich unser aller durch Jesus Christus.

Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme,
dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit

AMEN

Mitteilung

Getauft wurde in unserer Gemeinde: Aron Aschenberger

Segen

Der EWIGE segne dich und behüte dich,
er lasse ein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,
er erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden. AMEN

Hoffnungswort zum zweiten Sonntag nach Trinitatis von Pfr. Dr. Schmidt-Roscher

Textfassung

Gottesdienst am 2. Sonntag n. Trinitatis

Sa. 20.6., 18 Uhr Christuskirche

So 21.6., 11 Uhr Pauluskirche

Predigttext Matthäus 11, 25-30

Orgelvorspiel

Votum

Psalm 36 (722)  177.2

Gebet

Lied 166, 1-3

Lesung Epheser 2 oder Lukas 14

Lied 181.6

Predigt

Lied +151 „Herr deine Gnade“

Fürbitten

Vaterunser

Hinweise

Lied 610, 1+2

Segen

Orgelnachspiel

Danach rief Jesus aus:

»Ich preise dich, Vater, du Herr über den Himmel und die Erde!

Denn du hast das alles vor den Weisen und Klugen verborgen.

Aber den einfachen Leuten hast du es offenbart.

Ja, Vater, so hast du es gewollt!

Alles hat mir mein Vater übergeben. Niemand kennt den Sohn, nur der Vater. Und niemand kennt den Vater, nur der Sohn –und die Menschen, denen der Sohn den Vater zeigen will.«

»Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid!

Bei mir werdet ihr Ruhe finden.

Nehmt das Joch auf euch, das ich euch gebe. Lernt von mir:

Ich meine es gut mit euch und sehe auf niemanden herab.

Dann wird eure Seele Ruhe finden.

Denn mein Joch ist leicht. Und was ich euch zu tragen gebe,

ist keine Last.«

Liebe Schwestern und Brüder,

manchmal lasse ich mich vor einen Karren spannen. Ich ziehe und drücke bis der Karren ins Laufen kommt. Manchmal muss ich arbeiten wie ein Ochs, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Manchmal ziehe ich mit anderen zusammen. Oft treibe ich mich dabei selbst an oder bin ganz zufrieden mit mir, wenn der Karren läuft.

Manchmal lasse ich mich von anderen einspannen.  Und es kommt auch vor, dass ich arbeite wie ein Ochs und es geht und geht nicht voran. Keinen Millimeter.

In diesen Tagen frage ich bei Begegnungen häufiger: Wie geht es Ihnen mit dieser Situation? Wie kommst Du mit den Veränderungen zurecht? Erstaunlich viele Menschen sagen mir, dass es ihnen gut geht und sie durch die Einschränkungen nur wenig belastet sind.

Aber es gibt auch die anderen. Eltern von den Jugendlichen, die wir immer noch nicht konfirmiert haben, klagen, wie anstrengend das „Zuhause-Lernen“ ist. Gellte Arbeitsaufträge sind für Jugendliche und Eltern schwer verständlich.  

Es gibt auch Menschen, die unter der Einsamkeit leiden, denen die Kontakte fehlen.

Ich habe Freunde, die sich sehnsüchtig darauf warten, dass das Homeoffice endet und sie endlich wieder in ihre Firma dürfen. Und dann gibt es auch Menschen, die in Kurzarbeit sind und sich Sorgen machen, um ihre Zukunft. Ihr Geld wird knapp und sie bangen, ob ihre Firma diese Krise überlebt.

Hat nicht jeder sein Päckchen zu tragen? Und bei Manchen, die einen Angehörigen pflegen oder darum kämpfen einen Platz im Leben zu finden oder sich wünschen, so wie sie sind anerkannt zu werden, sind es schwere Koffer.  

Jesus weißt das. Er sieht uns, wenn wir uns abmühen. Er kennt unsere Lasten, die wir zu tragen haben. Manchmal wird uns eine Last aufgebürdet. Aber nicht zu selten laden wir uns auch selbst Lasten auf. Fühlen uns stark. Stemmen uns in die Aufgabe, ziehen wie junge Ochsen. Kein Problem, das schaffen wir!

Jesus kennt unsere Not und er macht ein überraschendes Angebot. Er sieht unsere Lasten und unsere Mühe. Doch er sagt nicht, werft alles ab. Schmeißt das Joch weg, ich führe euch in die Freiheit. Sein Weg mit uns ist ein anderer.

Das Zugtier bekommt ein anderes Joch. Ein sanftes Joch. Aber in dem Bild bleiben wir Zugtiere.

Es ist ein Trost. Jesus sieht uns mit unserer Last. Und er macht die Last leichter.  Aber es ist kein billiger Trost. Ich finde, es ist ein realistischer Trost.

Im Leben stehen wir vor Aufgaben und müssen Dinge schultern. Wer einen Menschen heiratet, wer eine Familie gründet, der weiß, dass dies auch Verantwortung bedeutet. Bindung ist nicht nur Spaß.

Wer in einem Beruf arbeitet, der weiß, dass es manchmal harte Zeiten gibt, viel Arbeit und Mühe oder sogar Stress.

Wer zur Schule geht oder in einer Ausbildung ist, der muss sich mühen und anstrengen. Das Lernen fliegt den wenigsten zu.

Im Leben müssen Menschen Lasten ziehen. Und das geht leichter mit einem Joch. Ein Joch für Pferde, Kühe oder Ochsen ist ja ein „Hilfe“, weil das Zugtier damit besser eine Last ziehen kann. Und stressig wird es oft nicht durch die Aufgabe, die ich schaffen muss, eher durch den Treiber, der auf dem Wagen sitzt und die Peitsche schwingt.

Wer sitzt Ihnen im Nacken? Wer treibt dich an?

„Mach doch nicht solchen Stress“, sagte letzte Woche meine Tochter. Bei Schularbeiten bin ich in ihren Augen ein Treiber.

Es gibt Menschen, die uns antreiben. Manchmal ist es ein Chef, sind es die Eltern, ist es ein Partner oder die Lehrerin. Manchmal ist es aber auch eine innere Stimme, die mich ständig antreibt, weil nichts gut genug ist.

Überlegen Sie einmal, wer ist das bei Ihnen? Wer treibt Sie so an, dass sie keine Ruhe finden?  Wer spannt dich zu oft ein?

Keine Lösung ist es, einfach das Joch abzuwerfen und davon zu laufen. Zumindest keine gute Lösung. Manchmal befreit es, wenn die Last und der Druck einfach zu groß werden, wenn ich das Gefühl habe, zusammenzubrechen.  

Aber besser ist es doch, wenn ich einen anderen Gespannführer nehme, wenn ich also das sanfte Joch Jesu auf mich nehme und ganz ruhig und friedlich mit meinem Karren die Straße des Lebens ziehe.  Auch so komm ich zum Ziel, mit weniger Stress, ruhig und friedlich. Denn Jesus weiß den Weg auch für mich.  

Jesus ist ein freundlicher Gespannführer, sein Joch ist leicht. Er bürdet mir nur so viel auf, wie ich tragen kann. Wenn wir also Jesus zu unserem Gespannführer machen, dann bleiben wir bei ihm im „Geschirr“. Sein Joch ist sanft, es liegt leicht auf meinen Schultern. Er schenkt Frieden und Ruhe für unsere Seelen. Auch Christen bekommen manchmal schwere Lasten zu tragen. Wer das sanfte Joch Jesu auf sich nimmt, der kann spüren, dass Jesus Kraft gibt und uns hilft diese Lasten zu tragen.

Das unterscheidet ihn von anderen Antreibern, die manchmal die Peitsche schwingen und uns bis zu Erschöpfung antreiben. Oder die uns immer mehr aufladen und hetzten.

Ich will einmal solche inneren Antreiber nennen:

Da ist der Antreiber namens „Genug-ist-nicht-genug“. Kennen sie den? Immer weiter, immer besser. Du kannst noch eine Schippe drauflegen. Das war jetzt nicht schlecht, aber es geht noch besser.  

Da ist der Antreibe namens „Was-denken-den- die-anderen?“ Ich vergleiche mich mit anderen, die ihren Karren ziehen. Und sehe natürlich Gespanne die flotter unterwegs sind oder die schönere Karren ziehen. Und dann will ich auch so ein kräftiger Ochs oder eine starke Kuh sein.

Es gibt noch viel mehr solche Antreiber. Doch, wenn ich das Joch Jesu auf mich nehme, dann wird meine Last leichter. Wie geht das?

Manchmal schleppen wir im Leben auch etwas mit uns mit? Eine Geschichte, die lange vorbei ist, aber da sind noch Rechnungen offen. Eine Wunde, die nie richtig verheilt ist, die immer mal wieder weh tut. Schuld, die nie vergeben wurde, Feindschaften, die nicht ausgeräumt sind. Da kann sich im Laufe des Lebens einiges ansammeln.

Jesus hilft. Denn er versöhnt mich. Ich kann ihm abgeben, was ich mir selbst so schwer vergeben kann. Aber auch das, wo andere mir etwas schuldig geblieben sind. Jesus kann ich auch meine inneren Verletzungen sagen und um Heilung bitten. So kann Jesus mir helfen, Ballast abzuwerfen. Dann wird das, was ich ziehen muss, leichter. Ich kann Lasten abwerfen. Und vor allem kann meine Seele Ruhe finden.

Warum, liebe Schwestern und Brüder, kommen dann nicht mehr Menschen zu diesem Jesus mit dem sanften Joch? Warum bürden sich Menschen noch mehr auf, anstatt sich bei Jesus Entlastung zu holen? Warum meinen wir, dass alles an uns hängt?

Manche Menschen sehen nur das Joch bei Jesus. Sie sehen nicht die Entlastung, Sie haben das Gefühl, ich trage doch schon genug herum und jetzt noch Jesus mit seinem Anspruch.

Sie wissen zu wenig, von der Entlastung, die ein Glaube schenken kann. Vielleicht wissen sie zu wenig, weil ich davon nicht freundlicher und freudiger erzähle. Sie wissen davon zu wenig, weil wir als Gemeinde, nicht begeisterter dies vorleben. Ja, auch zwischen uns, zwischen Schwestern und Brüder, bürden wir uns manchmal noch mehr auf, statt einander zu entlasten.

Freilich, liebe Gemeinde, es gibt noch einen anderen Grund, auch den will ich nicht verschweigen, weil Jesus selbst davon spricht. Dieses Geschenk der Entlastung ist in unserer Welt verborgen. Es muss enthüllt werden oder wie die Bibel sagt, offenbart.

Gottes Geist öffnet mir die Augen für dieses Geheimnis. Dann kann ich in Jesus meinen Helfer entdecken, dann sehe ich in ihm meinen Heiland, der mich heil macht. Derjenige, der mich zum wahren Leben führt. Der mich entlastet.

So kann ich ihm vertrauen schenken, weil ich weiß, dass er es gut mit mir meint und mich zu Gott führt. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem helfenden Gott.

Das ist das Vertrauen. Und dieses Vertrauen, sagt Jesus, wird uns geschenkt. Das kann ich nicht in der Schule lernen. Das kann ich mir nicht mit Geld kaufen. Das ist keine Frage von Macht oder von Wissen oder von Intelligenz. Dass ich glauben kann, ist ein Geschenk.

Menschen, die sehr auf sich selbst schauen oder sehr von sich eingenommen sind, die das Gefühl haben, alles im Griff zu haben oder sich in ihren Erfolgen sonnen, denen fällt es schwer, dieses Vertrauen zu finden.

Danken wir Gott und loben ihn, wenn wir Jesus vertrauen dürfen. Wenn ich in Jesus meinen Heiland sehen kann, der mir Last abnimmt. Dann kann ich aufatmen und finde Ruhe für meine Seele. Trotz allem Stress. Trotz aller Müh und Not. Denn ihm kann ich Lasten abladen. Dann muss ich nicht mehr wie ein dummer Ochs alles selbst ziehen und den ganzen Karren aus dem Dreck. Dann kann ich hoffen, dass es leichter wird. Weil Jesus bei mir ist und beim Ziehen hilft. Deshalb ist sein Joch sanft, weil der Gespannführer selbst mitzieht und dafür sorgt, dass mein Karren im Schlammassel nicht stecken bleibt. Jesus leitet mich zum Ziel des Lebens. Gott-sei-Dank. Amen.

Hoffnungswort zweiter Sonntag nach Trinitatis von Pfr. Schatull

Mp3-Podcast

Textfassung

Votum: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm: 36 / EG 722

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

     und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes

und dein Recht wie die große Tiefe.

     Herr, du hilfst Menschen und Tieren.

Wie köstlich ist deine Güte, Gott,

     dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,

     und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

     und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Eingangsgebet: Viele Stimmen hören wir um uns herum, Gott. Herauszuhören, worauf es ankommt, was wichtig ist, was trägt, das gelingt uns oft nicht. Drum bitten wir dich: Hilf uns, aufmerksam zu sein für deine Einla­dung, deine Weisung, dein Wort. So können wir unseren Auftrag erfüllen, Zeugnis zu geben von dir und deiner guten Botschaft. Dazu schenke uns deinen Geist, durch Jesus Christus, deine Wahrheit für uns. Amen.

Lied: EG 225,1-3

Schriftlesung: Mt. 11,25-30

Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Predigt: Liebe Gemeinde,

Werbung ist doch immer wieder verführe­risch. Nicht nur wenn es um die zarteste Versuchung geht, seit es Schokolade gibt. Nein, Werbung verspricht uns in allen möglichen und unmöglichen Bereichen ein besseres Leben: Sei es, dass wir schöner aussehen; sei es dass wir uns gesünder ernähren; sei es, dass wir uns umwelt­be­wusster fortbewegen; sei es, dass wir jetzt Dinge brauchen, von denen wir bisher gar nicht wussten, dass wir sie brauchen! Wenn wir uns also auf die Werbung einlassen, das Produkt kaufen und anwenden, das dort ge­priesen wird, dann wird unser Leben leichter, angenehmer – wie auch immer besser.

Werbung ist aber auch gefährlich. Irgendwie werden hier unsere Wünsche und Sehn­süch­te angesprochen, die wir gerne befriedigt sähen. Und wenn in der Werbung sich je­mand so öffentlich für etwas einsetzt, dann muss doch auch irgendetwas dran sein, auch wenn hier vieles schöngeredet und über­zeich­net wird, alles in einem besseren Licht steht, keine Schattenseiten erkennbar sind. Und das ist uns durchaus etwas wert.

Da kommen wir auch schon zur nächs­ten Gefahr von Werbung: Die Produkte kosten Geld. Geld, das wir erst einmal verdienen müssen, damit wir es ausgeben können. Und wie schnell geben Menschen heute auf einmal mehr Geld aus als sie haben – Dank der Werbung, die ihnen doch sagt, was sie brauchen, damit sie besser leben können. Ja, ein besseres Leben muss uns doch schließ­lich etwas wert sein.

Werbung ist gefährlich. Ja. Aber nicht nur für uns, die wir die Werbung sehen und hören, sondern auch für die Firmen, die Werbung in Auftrag geben. Dabei denke ich jetzt aber nicht an das Geld, das die Firmen für die Werbung bezahlen. Das ist längst einge­preist. Ich denke daran, was passiert, wenn ein Produkt nicht hält, was die Werbung verspricht!

Beispiel: Ein Kunde hat den Getränkeher­steller Red Bull in den USA verklagt, weil ihm nach dem Trinken des Energydrinks nicht – wie versprochen – Flügel gewachsen sind! Das Gerichtsverfahren endete mit einem Ver­gleich: Der Kunde bekam 13 Millionen US-Dollar.

Jetzt kann man natürlich sagen: Wer ist denn so blöd und glaubt, was einem da in der Werbung alles versprochen wird? Flügel wachsen nach der Einnahme eines Getränks – das ist doch absoluter Blödsinn. Und Zeichentrick noch dazu.

Es kommt ja auch niemand auf die Idee uns als Kirche zu verklagen, für das, was wir schon seit Jahrhunderten predigen; wie wir den Menschen ein besse­res Leben verheißen. Und dafür zeitweise sogar den Menschen Geld abgeknüpft haben. Denken sie nur an den Ablasshandel, den Martin Luther ver­teufelt hat.

Wobei: Schade eigentlich - schade, dass uns niemand verklagt? Schließlich ist es doch ein Zeichen dafür, dass kaum ein Mensch noch erwartet bei uns Erleichterung, gar ein besseres Leben zu finden.

Warum nur? Warum wer­den wir als Gemein­de nicht unruhig, wenn diese Er­fahrung der tiefen Erquickung nicht statt­fin­det? Warum geben wir uns zufrieden, wenn es nicht möglich ist, irgendwo in der Kirche zur Ruhe zu kommen? Sollte uns das nicht stören? Sollte uns das nicht zeigen: Der Weg geht irgendwo anders lang!?

Unser „Produkt“ - es scheint nicht gerade angesagt zu sein. Und ich weiß nicht, ob andere Werbe­strategien oder Formate da viel weiter­helfen. Vielleicht ein kurzes Auf­flackern bewirken, bevor es erneut verebbt. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen auf andere Produkte umschwenken; wo anders für ihr Leben Erquickung und / oder Ruhe suchen.

Das heißt nun nicht, dass unser „Produkt“, unser Glaube, unsere Gemeinschaft nichts taugt. Es passt wohl eher nicht in den Zeit­geist; das, was die Menschen heute vom Leben er­warten; wie sie das Leben ver­ste­hen; ihren Deutungshorizont von Leben.

Und dann ist ihnen an diesem Glauben vieles einfach nicht schlüssig. Kirche ist ihnen oft zu starr und mysteriös. Kein Wunder, dass es da auch immer wieder zu Verschwörungs­theorien kommt. Es fehlt ihnen einfach die Transparenz.

Es bleibt die große Frage zu klären: Ist Jesus unser Heil? Ist er der große Heilsbringer für unsere Welt? Der, der alles zum Guten wendet?

Da bemerken viele Menschen kritisch: Das ist der Kirche – also der Organisation, die sich auf ihn beruft und ihn für sich in An­spruch nimmt – das ist ihr in den vergange­nen 2000 Jahren nicht wirklich gelungen. Im Gegenteil. Sie hat in nicht wenigen Situa­tionen selbst zum Unheil in dieser Welt bei­getragen. Wie kann man da noch er­war­ten, dass etwas Gutes dabei herauskommt?

Diese Kritik ist ernst zu nehmen. Darf nicht einfach vom Tisch gewischt werden. Da gilt es auch immer wieder zu bekennen: Ja, wir als Kirche haben Fehler gemacht und ma­chen auch nach wie vor Fehler. Schließlich sind auch wir nur Menschen. Das gehört zu unserem Menschsein dazu. Das gehört zu unserem Glauben dazu.

Doch auf der anderen Seite gehört zu unse­ren kirchlichen Grund­prinzipien, dass wir im­mer wieder auf unseren Ursprung schauen. Dass wir zu unseren Wurzeln zurückkehren um uns zu orientieren, wie es denn besser weitergehen kann.

Deshalb schauen wir ja immer wieder in die Bibel. Denn hier können wir wie heute im 11. Kapitel des Matthäusevangeliums nachlesen: Ja, er ist es wirklich. Er ist derjenige, auf den wir warten. Jesus ist der Messias. Wir könn­ten es hier sogar singen, ihn loben, ihn als Hei­land bekennen, wenn wir die Melodie zu diesen Versen noch hätten und wenn wir singen dürften.

Doch müssten wir uns bei diesem Worten nicht gleich wieder den Vorwurf der Geheim­niskrämerei gefallen lassen? Spricht doch Jesus selbst davon, dass Gott es den Weisen und Klu­gen verborgen und den Un­mündigen offen­bart hat! Und: Niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand den Vater als nur der Sohn und: wem es der Sohn offen­baren will.

Auch wenn in der Werbung etwas geheim­nisvoll Faszinierendes durch­aus gut an­kom­men kann, aber: Solche Formulierungen schreien förm­lich nach Klüngelei. Das ist doch alles andere als transparent. Wen wun­dert es da, dass immer wieder Menschen irgend­welche Ver­schwörungen und geheime Machenschaften bei Kirchens wittern.

Doch um was für ein Wissen geht es hier? Um wissenschaftliche Erkenntnis, die man sich an der Schule oder auf Universitäten erwirbt? Die in einem bestimmten Produkt marktreif gemacht wurde und nun gut an den Mann / an die Frau gebracht werden soll?

Oder geht es nicht vielmehr um so etwas wie Gewissheit? Wissen, das den Menschen ein­fach zufällt, ohne dass sie es gelernt oder studiert hätten? Ohne dass sie davon über­zeugt werden mussten, sondern es einfach annehmen, für wahrnehmen konnten?

Woher wissen zum Beispiel Mütter oft­mals schneller als alle anderen, wenn mit ihrem Kind etwas nicht stimmt? In einem Geburts­vorberei­tungs­kurs wird das jedenfalls nicht gelehrt! Es hat eher den Anschein, als könn­ten sie es riechen und niemand sonst.

Auch wenn es über den christlichen Glauben viel zu lernen gibt, man jahrelang, sogar sein Leben lang diesen studieren kann, so bringt einen dieses Wissen doch nicht auto­matisch der Gewissheit näher: Ja, er ist es. Jesus ist der Messias; der Sohn Gottes; der unser Leben besser, ja, heil macht.

Gerade im Hinblick auf den Glauben dürfen wir uns nicht zu sicher sein in unserem Wissen. Es reicht nicht es zu lesen und zu hören. Es muss gelebt und erlebt werden.

Um Jesus, um Gott näher zu kom­men, da müssen wir immer wieder fragen; immer wieder hinsehen und zuhören. Überall. Im Kinder­garten wie im Altenheim; in einem Jugendheim ebenso wie in der geschlosse­nen Psychiatrie; auf der Straße; im Schnell­imbiss; einfach überall. Überall, wo wir Men­schen nahe sein können, die das dringende Bedürfnis haben nach einem besseren Leben.

Dort können wir ihm näherkommen. Dort lässt sie sich entdecken. Dort können wir durch einen sich zuwendenden, einen sanft­mütigen und demütigen, ja durch einen liebenden Umgang mit anderen Menschen die Gewissheit erlangen: Er ist es wirklich.

Bildung ist wichtig. Keine Frage. Es gehört dazu einige Dinge zu wissen, auch über den christlichen Glauben: Vater unser und Psalm 23; Gebote und Glaubensbekenntnis.

Doch wir dürfen uns nicht einbilden, dass wir durch das Aus­wendig­lernen und Aufsagen von Texten, durch Fakten­wissen unser Leben in den Griff bekommen und es heil machen können.

Es muss vielmehr in unsere Herzen vor­dringen. Wir sind darauf angewiesen, dass Gott uns die Augen und das Herz öffnet. Ja, wir müssen letzten Endes das Herz Jesu in uns finden. Sein Joch auf uns nehmen.

Dazu will uns Jesus leiten. Weg von alten Mustern und Hierarchien. Die Preisgabe jeg­licher Form von Dominanz und Herr­schafts­aus­übung. Uns befreien von der Jagd nach immer neuen Levels.

Er will unser Leben verändern, vereinfachen, erfrischen. Unserem Leben Ruhe verschaf­fen. Den Blick fürs Ganze wagen anstatt in Einzelheiten zu verstricken. Das ist es, wofür er bei uns wirbt.

Das ist etwas, das alle Menschen können. Dazu brauchen sie nicht alle Vorinforma­tio­nen. Dieses bessere Leben steht uns allen offen. Und es kostet uns nicht viel, auch wenn es mit Geld nicht zu kaufen ist.

Amen.

Lied nach der Predigt: +56, 1.4.5

Fürbittengebet:

Wir danken dir, Gott, dass du uns einlädst und Gemeinschaft schenkst mit dir. Du lässt uns dein Wort hören. Zu dir dürfen wir kommen mit allem, was uns Freude macht, genauso wie mit dem, was uns bedrückt. Wir rufen zu dir: Herr, sei in unserer Mitte.

Wir bitten dich für alle Menschen, die auf dich hoffen und an dich glauben, bei uns und überall. Lass sie die Einladung zu deinem Fest hören und glaubwürdig weitergeben, dass sie zur Nachfolge bereit werden und so deine Kirche bauen. Befreie uns von Ängst­lichkeit und falscher Rücksichtnahme. Lass uns deine Wahrheit und Liebe bezeugen und schenke uns dazu Mut und Geduld. Wir rufen zu dir: Herr, sei in unserer Mitte.

Wir bitten dich für alle in Staat und Wirt­schaft, Wissenschaft und Medien Verantwor­tung zu tragen, dass sie ihre Macht nicht miss­brauchen, sondern vor falschen Hoff­nungen und Wahn in dieser Zeit des Über­gangs bewahrt bleiben. Mache alle Menschen mutig, dass sie ihre Verantwortung wahr­neh­men, dem Unrecht widerstehen, und überall in der Welt Leben schützen. Wir rufen zu dir: Herr, sei in unserer Mitte.

Wir bitten dich für Kranke, Verzweifelte und Sterbende, für Hungern­de, Gefangene und Gefolterte, für alle, die in Angst, Unter­drüc­kung und Not leben, für alle, die unter Krieg und Terror leiden. Schenke Gerechtigkeit, wo Unrecht und Ausbeutung herrschen. Gib Frie­den, wo Kampf und Gewalt Leben zer­stören. Wir rufen zu dir: Herr, sei in unserer Mitte.

Wir bitten dich für alle Menschen aus unserer Gemeinde, die wir in der vergangenen Wo­che zu Grabe getragen haben. Wir denken an: Theo Füßer und Helene Schramm, geb. Dietz. Sei du ihnen nahe, wie wir es nicht mehr sein können. Sei den Angehörigen nahe, die sich in ihrer Trauer verlieren können. Sei ihnen Licht, das ihnen Leben zeigt. Leben, das über das Grab hinaus­reicht. Wir rufen zu dir: Herr, sei in unserer Mitte.

Gott, barmherzig und ewig, du allein hast Himmel und Erde in der Hand. Du allein bereitest uns das Fest des Lebens. Du wirst dein Reich vollenden in Frieden und Gerech­tigkeit. Darum beten wir voll Vertrauen zu dir, wie Jesus Christus uns beten gelehrt hat:

Vater unser:

Segen: Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns seinen Frieden.

 

Lieder Hoffnungswort Pfarrer Schatull

Hoffnungswort zum ersten Sonntag nach Trinitatis von Pfrin Groß

Mp3-Podcast der Predigt

Textfassung

Hoffnungswort zum 1. Sonntag nach Trinitatis

14. Juni 2020.

Von Pfarrerin Hildrun Groß.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Der Predigttext für den 1. Sonntag nach Trinitatis steht in der Apostelgeschichte im 4. Kapitel. Es geht um die Gütergemeinschaft der ersten Christen:

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.
(Apg 4,32-37)

 

Liebe Schwestern und Brüder,

es ist kurz nach Pfingsten. Der Geist Gottes kam über die frühen Christen und alle sind noch ganz beseelt. Sie schwelgen im Hochgefühl der Nächstenliebe. Die Menge der Gläubigen ist „ein Herz und eine Seele“.

Ein Herz und eine Seele sein, dass wünschen sich viele Paare, Familien und das wünscht man sich auch für seine Gemeinde.

Alle teilen alles miteinander. Eine gute Idee. Mein Haus ist dein Haus, mein Vorratsschrank ist deiner und mein Geld ist dein Geld. Und da sind wir mitten beim Thema: Geld. Und da wir nun schon dabei sind: Kommen Sie doch bitte nächste Woche alle wieder in die Kirchen. Bringen Sie ihre Gehalts- und Kontoauszüge mit. Vergessen Sie bitte auch nicht eine Vollmacht, damit das nächste Geld dann auf das Konto der Kirchengemeinde geht. Wir übernehmen dann das verteilen des Geldes für sie alle.
Hmmm…. Ich merke schon. So ganz begeistert scheint niemand von meinem Vorschlag zu sein.

Hört es bei Geld also auf, dass wir ein Herz und eine Seele sind?
Nein, alles in Ordnung. In bester Ordnung sogar.
Wir sind ja nicht benebelt oder berauscht, nicht von Sinnen.

Hält der Text uns nicht einen Spiegel vor? Sollen wir nicht unser ganzes Hab und Gut teilen, um ein Herz und eine Seele zu sein?

Sollen wir beim Lesen und Hören nicht merken was uns fehlt? Das große „Wir-Gefühl“, die Großzügigkeit, die Nächstenliebe?
Nein, eindeutig nein.
Auch die Jerusalemer Urgemeinde war nicht immer ein Herz und eine Seele. Liest man ein wenig weiter in der Apostelgeschichte wird das ganz klar. Es gab Streit. Streit über die Versorgung der Witwen in der Gemeinde. Die Gemeinde, um die es in der Apostelgeschichte geht, war bunt zusammengewürfelt. Wahrscheinlich noch bunter als unsere Gemeinde hier in Haßloch. Die Gemeindeglieder stammten aus allen Ecken des römischen Reiches und aus allen sozialen Schichten. Da kann es nicht immer nur fröhlich und freudig zugehen. Doch, wenn es Streit gab, weshalb hat dann Lukas geschrieben, dass sie „ein Herz und eine Seele“ sind?
Die Übersetzung „ein Herz und eine Seele“ geht auf Martin Luther zurück. Das Problem liegt darin, dass wir diese Wendung heute anders verstehen, als sie ursprünglich gemeint gewesen ist. Heutzutage verbinden wir damit eine Seelenverwandtschaft, eine Idealvorstellung, die in der Realität so eigentlich nicht vorkommt. Fragen wir also nach der ursprünglichen Bedeutung. Und dazu gehört eben nicht nur, dass die Menge der Gläubigen alles Hab und Gut teilt, sondern die Apostel auch mit großer Kraft die Auferstehung des Herrn bezeugen.
Wahrscheinlich hören oder lesen wir aber meist den ersten Teil, also das Teilen von Hab und Gut, stärker, als den zweiten Teil, in dem es um das Zeugnis der Auferstehung geht. Wenn wir nur den ersten Teil betrachten, dann landen wir schnell beim Urkommunismus. Vielleicht liegt das daran, dass uns der zweite Teil ja irgendwie in jeder Predigt begegnet und daher nichts Neues mehr für uns darstellt. Aber im Prinzip ist das Evangelium vom Sieg Christi über den Tod viel, viel wichtiger als unser vergäng­licher Besitz.

Diese Überzeugung ist es, die die Christenheit eint. Und genau diesen Glauben meint hier der Begriff „ein Herz und eine Seele“ – trotz aller menschlichen Unterschiede und Reibereien, die in einer Gemeinde auftreten. Wir als Christen sind nicht unbedingt immer Seelen­verwandte, müssen wir auch nicht sein, aber Christen sollten darin eins sein, dass Gott und sein Evangelium am aller­wichtigsten ist; Geld und Gut dagegen sind weniger wichtig. Dies also ist das allerwichtigste. Und es waren ja nicht nur irgendwelche Worte und irgendwelche Informationen der Apostel über die sie gesprochen haben, sondern es war das wirkkräftige Gotteswort. Es führte andere dazu sich ihnen anzuschließen, die frohe Botschaft in die Welt zu tragen und zu verbreiten. Führt heute noch dazu, dass wir Taufen, das Abendmahl miteinander teilen, Hoffnung haben und uns unter Gottes Segen stellen.
Diese Kraft hat ihren Ursprung im Tod und in der Auferstehung des Herrn Jesus Christus: Kraft seines Todes wird uns das, was uns von Gott trennt, die Sünde, vergeben, und Kraft seiner Auferstehung werden wir ewig leben. Damals wie heute sind der Tod und die Auferstehung Jesu der Dreh‑ und Angelpunkt aller christlichen Verkündi­gung und in dieser Hinsicht sind alle „ein Herz und eine Seele“. Diese frohe Botschaft ist das Herzstück des einen Glaubens, den wir teilen und im Glaubensbekenntnis miteinander überall auf der Welt bekennen.

Wie gesagt: Das ist also das wichtigste: Das Evangelium.
Das weniger wichtige ist das Geld. Es soll nicht unter den Teppich gekehrt werden. Und Geld ist ja gerade in der heutigen Zeit gar nicht mal so unwichtig.
Geld regiert die Welt heißt es so schön. Doch stimmt das? Regiert Gott nicht die Welt? Zumindest nach unserem Verständnis?
Wer Geld hat, trifft die Entscheidungen, regiert, kann Einfluss auf andere Menschen nehmen, kann sich „Sicherheit“ kaufen.

Aber, nicht das Geld an sich trifft Entscheidungen, stellt Weichen, bewirkt etwas, sondern immer noch der Mensch (!), der das Geld hat. Ja, Geld ist „Macht“ und macht etwas mit uns Menschen: Es hilft uns, unseren Charakter zu offenbaren, nach außen zu kehren: Es macht offensichtlich, wie wir Glück suchen, wie wir Sicherheit suchen, wie wir an uns selbst denken –und auch wie wir an die anderen denken und Verantwortung wahrnehmen: ein bisschen zur Beruhigung unseres Gewissens, oder mit vollem Elan und vollen Händen –den anderen genauso im Blick wie uns selbst.

Liebe Schwestern und Brüder,
ich werde Ihnen keine Tipps oder Vorschläge mit auf den Weg und in die Woche geben, was und wie Sie und ich konkret mit unserem Geld umgehen sollen. Ich bin keine Sozialrevolutionärin und arbeite auch für keine Hilfsorganisation.

Ich finde: Es ist gut, wenn wir Geld haben. Es ist gut, wenn wir dies auch mit anderen teilen wollen. Aber wir müssen nicht unser Privateigentum vollständig aufgeben.
Denn auch in der Jerusalemer Urgemeinde gab es noch Privateigentum. Niemand wollte ihnen das wegnehmen oder erwartete von ihnen, dass sie es wegschenken.
Gönnen wir es also denen, die vielleicht auch mehr Geld haben als wir.
Freuen wir uns, wenn wir etwas teilen können oder mit uns etwas geteilt wird.

Und seien wir im ursprünglich biblischen Sinn „ein Herz und eine Seele“.  Dass das Evangelium vom Tod und von der Auferstehung unseres Herrn verkündigt wird, das ist doch das Wichtigste; tun wir dies also fröhlich; alles andere ist nicht so wichtig. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbittengebet

Herr, ewiger Gott, allmächtiger Vater,
wir danken dir für die Hoffnung auf dein Reich.
Lass uns deine Verheißung nicht nur hören,
sondern deinen Willen auch tun.
 

Wir bitten dich für alle,
die dein Wort verkündigen und hören:
dass sie aus der Kraft des Evangeliums leben,
deine gute Botschaft mit Freude weitergeben,
aber auch das Leiden nicht scheuen
und ohne Menschenfurcht dir nachfolgen.

Wir bitten dich für alle,
die dich nicht kennen, von dir nichts erwarten,
die am Sinn ihres Lebens zweifeln,
die vor sich selbst flüchten in Arbeit und Zerstreuung,
die sich mit Alkohol und Drogen zerstören.
 

Wir bitten dich für die Elenden dieser Erde:
für die Hungernden, dass sie satt werden,
für die Unterdrückten, dass sie frei werden,
für die Kranken, dass sie gesund werden,
für die Einsamen und Verzweifelten, dass sie getröstet werden.

Wir bitten für uns selbst:
Reiß uns heraus aus aller Verblendung,
dass wir allein dir vertrauen.
Löse uns aus aller Verstrickung,
dass wir zu deiner Ehre leben.
Gib uns deinen Heiligen Geist,
dass wir im Glauben bestehen.

Wir hoffen –lass uns nicht verzagen!
Wir glauben –hilf unserem Unglauben!
Wir loben dich, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist,
jetzt und allezeit.

Amen

In unser Gebet schließen wir auch diejenigen mit ein, von denen wir Abschied nehmen mussten und die uns in die Ewigkeit vorausgegangen sind:

Frau Anneliese Lorenz geb. Weber 

Herrn Manfred Klamm

 

Ewiger Gott, in deine Hände haben wir die Verstorbenen gelegt. Wir bitten dich, gib ihnen Wohnung und Heimat bei dir. Und allen, die um sie trauern, gib die Kraft einander zu trösten mit den guten Erinnerungen an sie und dem Vertrauen, dass wir einmal alle vereint sind bei dir. Durch Christus unseren Herrn.  Amen

Und gemeinsam beten wir, wie Jesus Christus uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

 

Bis wir uns wiedersehen behüte euch Gott der Allmächtige und Barmherzige. Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Hoffnungswort zum ersten Sonntag nach Trinitatis von Pfr. Stetzer

Textfassung

Apostelgeschichte 4 (eigene Übersetzung)
Die Menge der Glaubenden aber
war ein Herz und eine Seele,
und nicht einer sagte,
dass irgendetwas,
worüber er verfügen durfte,
ihm allein gehöre,
sondern es war ihnen alles gemeinsam.

Und mit großer Kraft gaben sie Zeugnis,
die Apostel, von der Auferstehugn des Herrn Jesus,
und große Gnade war über ihnen allen.
Es war nunmehr keiner bedürftig unter ihnen
denn die, die als Besitzer über Land und Haus verfügten,
verkauften es und brachten den Erlös des Verkauften ein,
legten ihn zu Füßen der Apostel nieder,
jedem aber wurde so viel gegeben,wie er nötig hatte.

Predigt
Nicht schlecht, liebe Gemeinde,
was uns Lukas da schildert!
Die Wirkung des Heiligen Geistes!
Keiner hat mehr Angst, kurz zu kommen!
Jeder ist offen für den anderen,
erkennt seine Lage...
erkennt die Bedürftigkeit des anderen...
oder den eigenen Überfluss,
mit dem man der Bedürftigkeit des anderen abhelfen könnte!
Wäre es nicht besser,
alles einzubringen,
alles zu teilen?

Lukas ist davon überzeugt:
Wo der Geist weht,
da geschieht so was...,
...und am Anfang, da hat er ganz kräftig geweht...
Anfängergeist halt!

Aber auch er weiß recht schnell zu berichten,
dass es nicht ganz so geblieben ist!
...Leute vorgaben, alles zu teilen - sich da wohl selbst unter Druck setzten - 
es vorgaben
und  es doch nicht taten...,...einen Teil zurückbehielten...

Eine Unaufrichtigkeit mit verheerenden Folgen!
Die tragische Geschichte von Hananias uns Saphira,sie wird unmittelbar im Anschluss erzählt:
Aus Schreck darüber, dass sie ertappt wurden,
fallen erst er, dann sie tot um...
...und klar ist:
Die Unaufrichtigkeit war das Problem,
nicht, dass sie noch nicht so weit waren...,
...denn keiner wurde zum Teilen gezwungen!
...ein Schatten, der recht schnell auf die Szene fällt...
auch bei Lukas...,
...und gerade aus den Briefen, vor allem auch des Paulus, wissen wir:
Es gab bereits in der Frühzeit in der Gemeinde eine Menge Dinge,
die ganz weit von dem weg waren,
was hier als Ideal geschildert wird...
..Reiche, die sich bei gemeinsamen Mahlzeiten satt aßen,
bevor die Tagelöhner und einfachen Arbeiter da waren,
und für die nicht mehr viel übrig blieb,
...auch das kam wohl vor!
Der Geist, er wehte halt nicht immer kräftig!

Und am Anfang?
Gab es sie wirklich, die Begeisterung?
Wie lange?
Oder hält uns Lukas hier für einen Moment eine Utopie vor Augen?
Etwas, was es so noch nicht gegeben hat...
...geben könnte, wenn wir uns nur dem Geist öffnen würde!

Wie auch immer:
Gerade Utopien üben eine Faszination auf uns aus!
...haben etwas Visionäres...
...möchten in unseren Alltag hineinwirken...
...ihn umgestalten...
...Verkrustungen, die unser Leben erstarren lassen,
aufbrechen...
...bedienen unsere Sehnsucht nach einem ganz anderen Leben...

Immer wieder wurde auch versucht,
diese Utopie in die Wirklichkeit umzusetzen...
...in einem eingegrenzten Bereich:
...Mönchsorden haben das probiert...,
...verlangten aber gleichzeitig Askese...,
...und in neuerer Zeit,
da waren es eher weniger religiöse Menschen,
die solche Ideale leben wollten...\\
...so gibt es in Kopenhagen den Stadtteil "Christiania",
in dem es dann durchaus so war,
dass der gut verdienende Zahnarzt
sein Einkommen genauso einbrachte
wie der einfach Arbeiter...
...Leider ist heute vieles nicht ganz mehr so ideal:
Es scheinen auch knallharte Drogenhändler den Ort für sich zu entdecken...
...solche, die nichts mit der Szene dort und derem liberalen Umgang mit sanfteren Drogen zu tun haben...
...weil dort die Polizei nicht so hinschaut...
...und auch ansonsten ist der Kommerz wohl immer mehr dort angekommen!
Wieviel Utopie möglich ist,
es ist auch eine Frage des Umfeldes.

Der gelungenste Versuch,
den Traum einer Gesellschaft, die alles teilt,
zu leben, dürfte man am Ehesten noch im Kibbuz finden...
...aber auch dort ist ein Abwärtstrend zu verzeichnen!

Trotz allem Ernüchternden bleibt bei allen diesen Versuchen doch eins positiv:
Sie habe alle verstanden,
dass so etwas nicht verordnet werden kann,
sondern freiwillig geschehen muss...
Wie schnell der Traum von der Gleichheit aller
sich unter Zwang in einen Alptraum verwandeln kann,
wir haben es im letzten Jahrhundert in der Sowjetunion und im China Maos erlebt...
...und vor Allem in Nordkorea ist dieser Alptraum noch lange nicht ausgeträumt...

Die Menge der Glaubenden aber
war ein Herz und eine Seele,
und nicht einer sagte,
dass irgendetwas,
worüber er verfügen durfte,
ihm allein gehöre,
sondern es war ihnen alles gemeinsam.

Trotz allem:
Der Traum, er bleibt...
...und die Sehnsucht nach eine Gesellschaft,
in der jeder auf die Bedürfnisse des anderen achtet...
...eine Gesellschaft,
in der geteilt wird...
lässt uns nicht los

Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen,
und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde,
dass Frieden werde unter uns,
da berühren sich Himmel und Erde,
dass Frieden werde unter uns.
    

Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken,
und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde,
dass Frieden werde unter uns,
da berühren sich Himmel und Erde,
dass Frieden werde unter uns.

 Wo Mensch sich verbünden, den Hass überwinden,
und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde,
dass Frieden werde unter uns,
da berühren sich Himmel und Erde,
dass Frieden werde unter uns.

Zeit, sich auf den Anfängergeist zurückzubesinnen,
SEINEN Geist,
ihm Raum zu geben in unserem Leben...
denn wenn wir uns IHM wirklich öffnen, können wir nicht anders!

Und gleichzeitig nicht vergessen:
Es ist SEIN Werk, nicht unseres!
Sich dabei nicht zu übernehmen - sondern wissen,
dass auch die kleinen Schritte wichtig sind...
...realistische Ziele...

...Ziele, die auf Dauer haltbar sind,
...auf die aufgebaut werden kann,
...denn nur, wenn wir das Fundament absichern,
hat alles Bestand.
Der Geist verlangt nach Struktur,
keiner starren, sondern lebendiger Struktur!

...und dabei trotz allem das Träumen nicht vergessen...
...denn das Träumen schafft neue Horizonte, neue Perspektiven...,
und die brauchen wir in einer Gesellschaft - die immer noch auf Profit ausgerichtet ist...
...während doch die Bedürfnisse, die wirklichen Bedürfnisse der Menschen das Einzige sind, was wirklich zählt...
...die Folgen der Profitorientierung, wir sehen sie in der Armut vieler Länder, in der Klimapolitik und anderswo!

Gemeinschaften, kleine Einheiten, in denen geteilt wird,
so wie Lukas sich vorstellt,
und sich miteinander vernetzen,
sie könnten die Vorboten für Neues sein!
Das muss ja nicht heißen, dass es überhaupt nichts mehr gibt, was einem privat gehört:
Wichtig ist, dass es nicht um Haben geht,
sondern miteinander leben!

Warum wir Christen das eigentlich können sollten?
Weil wir, wenn wir uns auf Jesus Christus einlassen,
eigentlich keine Angst haben brauchen,
zu kurz zu kommen in diesem kurzen Leben,
und nicht an Dingen und Erlebnissen festhalten brauchen
weil wir uns gehalten wissen dürfen...,
über dieses Leben hinaus,
...deshalb können wir auch in weiteren Horizonten denken.
Ich möchte schließen mit einem Wort
des lateinamerikanischen Theologen Don Helder Camara:

   " Wenn einer allein träumt,
    ist es nur ein Traum.
    Wenn viele gemeinsam träumen, so ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit!"

Träumen wir gemeinsam diesen Traum,
denn es ist Gottes Traum
uns durch Jesus vor Augen,
im Geist in unserer Mitte.

AMEN

Hoffnungswort zum Sonntag Trinitatis von Pfr. Dr. Schmidt-Roscher

Hoffnungswort für den Sonntag Trinitatis 7. Juni 2020

Pfr. Dr. Friedrich Schmidt-Roscher

Liebe Schwestern und Brüder,

an diesem Sonntag geht es um den dreieinigen Gott und sein Wirken in unserer Welt. In dem Hoffnungswort und der Predigt am Sonntag beschäftige ich mich mit dem aaronitischen Segen 4. Buch Mose 6,22-27; ein wunderbarer Text aus der hebräischen Bibel.

Mich selbst beschäftigen in diesen Tagen auch die Geschehnisse in den USA und die Folgen eines langanhaltenden Rassismus. Einige christliche Kirchen haben leider viel zu lange an einer „Überlegenheit“ der „Weißen“ festgehalten. Auf der anderen Seite gab Christinnen und Christen, aber auch Kirchen, die sich für die Gleichwertigkeit aller Menschen einsetzten, weil wir Ebenbilder Gottes sind.  Ich erinnere nur an den Pfarrer und Friedensnobelpreisträger Dr.Martin Luther King oder an Harriet Tubmann, die im 19. Jahrhundert Sklaven aus den Südstaaten befreite und heimlich über die Grenze brachte.

Psalm 145 (EG 780)

Ich will dich erheben, mein Gott, du König,

            und deinen Namen loben immer und ewiglich.

Der HERR ist groß und sehr zu loben,

            und seine Größe ist unausforschlich. 

Kindeskinder werden deine Werke preisen

            und deine gewaltigen Taten verkündigen.

Gnädig und barmherzig ist der HERR,

            geduldig und von großer Güte.

Der HERR ist getreu in all seinen Worten

            und gnädig in allen seinen Werken. 

Der HERR hält alle, die da fallen,

            und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind. 

Aller Augen warten auf dich,

            und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. 

Du tust deine Hand auf

            und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen. 

Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen,

            allen, die ihn mit Ernst anrufen. 

Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren,

            und hört ihr Schreien und hilft ihnen.

Brunn alles Heils, dich ehren wir (EG 140)

2) Der Herr, der Schöpfer, bei uns bleib, 
er segne uns nach Seel und Leib, 
und uns behüte seine Macht 
vor allem Übel Tag und Nacht.

3) Der Herr, der Heiland, unser Licht, 
uns leuchten lass sein Angesicht, 
dass wir ihn schaun und glauben frei, 
dass er uns ewig gnädig sei.

4) Der Herr, der Tröster, ob uns schweb, 
sein Antlitz über uns erheb, 
dass uns sein Bild wird eingedrückt, 
und geb uns Frieden unverrückt.

Predigttext 4. Mose 6,22-27

22 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: 24 Der HERR segne dich und behüte dich; 25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; 26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. 27 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wenn mich jemand anlächelt, dann geht bei mir die Sonne auf. Dann wirkt diese Freundlichkeit, richtet mich auf, gibt mir Kraft.

Diesen Montag radelte ich mit meinem Sohn von Großsteinhausen nach Hauenstein; ein bisschen kaputt, wir waren flott unterwegs. Da kamen uns hinter Hinterweidental zwei Radler entgegen. Der Mann wirkte angestrengt, aber die Frau lächelte unter ihrem Helm. Sie schenkte mir ein Lächeln. Mann tat das gut!

So wirkt der Segen Gottes.

Deshalb ist bei dem aaronitischen Segen vom Angesicht Gottes die Rede ist. Im Segen sieht Gott uns an. Er schenkt uns seine Aufmerksamkeit. Gott wendet sich zu. Schaut dich und mich freundlich an.

Es ist kein Zufall, dass bei diesem Segen von einem Du die Rede ist. Es geht wirklich um dich. Um den je einzelnen Menschen, dem sich Gott zuwendet. Um diesen Mann oder diese Frau oder dieses Kind. Du bist gemeint. Dir wendet sich Gott mit seiner Aufmerksamkeit zärtlich zu.

Bei diesem Segen geht bei vielen Menschen die Sonne auf. Denn er spricht von dem leuchtenden Angesicht Gottes. So wie die Sonne ihre Strahlen auf die Erde richtet und Tiere, Menschen, Pflanzen Licht und Wärme schenkt, so schafft Gott mit seinem Segen Leben.

Die Segenskraft Gottes bewirkt Leben. Wie die Sonne, die immer da ist, so segnet Gott der Schöpfer. Dass trotz allem die Erde blüht und wächst und gedeiht, trotz Corona und der Bosheit der Menschen, darin erkenne ich Gottes Segenskraft.

Wenn wir von Gott dem Schöpfer reden, so meinen viele Menschen, es gehe um die Frage, ob Gott am Anfang der Zeit, das Universum oder diese Erde geschaffen habe. Doch ehrlich gesagt: viel wichtiger finde ich, dass Gott weiterhin wirkt in seiner Schöpfung.

Dass ich morgens die Vogelstimmen hören kann, dass ein Regenschauer die Luft wieder klar macht, dass in meinem Garten die Zucchini blühen und das Unkraut wächst, all das zeigt diese Schöpferkraft. Für mich steht darin auch Gottes Segen, der Leben will.  

Im aaronitischen Segen wird uns auch das Behütet-Sein zugesprochen. Hinter dem hebräischen Wort behüten steckt beschützen und bewahren. Dahinter steht das Bild eines Hirten, der sich um die anvertrauten Ziegen oder Schafe kümmert und Feinde abwehrt.

Wir erschrecken, wenn durch eine schlimme Krankheit, Menschen beeinträchtig werden oder auch zu früh sterben. Aber gibt es im Leben nicht viel häufiger auch Bewahrung und Schutz? Gibt es nicht auch die Erfahrung, dass Menschen uns in schlimmen Situationen vor noch größerem Unglück bewahren und uns einfach beistehen? Können wir darin nicht auch ein Segen sehen?

Diesen Segen hat Gott über Mose Aaron und seinen Söhnen anvertraut. Bis heute sollen sie die Söhne und Töchter Israels segnen. Dazu gehören auch die segnenden Hände, die Sie vielleicht schon auf jüdischen Grabsteinen gesehen haben.

Dürfen wir als Christen diesen Segen, der doch eindeutig für das Volk Israel gelten soll, einfach verwenden?

Für mich war das lange selbstverständlich. Deshalb spreche ich am Ende eines Gottesdienstes diesen Segen der Gemeinde zu, auch mit erhobenen Händen.

Aber bei der Beschäftigung mit dem Text bin ich wieder darauf gestoßen, dass Gott diese Worte eben Aaron und seinen Söhnen gibt und in Israel bis heute nur seine Nachfahren diesen Segen sprechen dürfen. Es ist der Segen für das Volk Gottes.

Dass wir auch dazugehören zum Volk Gottes, das ist nicht selbstverständlich. Das hat mit Jesus Christus zu tun, der uns aufgenommen hat in den Bund Gottes mit seinem Volk. Wir dürfen uns freuen dabei zu sein. Es ist ein Zeichen seiner Liebe, dass er uns mit dazu aufgenommen hat.

Am Segen können wir erfahren, dass unser Glaube mit dem jüdischen Glauben sehr verbunden ist. Wir sind „Mitgesegnet mit Israel“ – so hat dies die Theologin Magdalena Frettlöh treffend genannt. Und deshalb kann es uns nicht gleichgültig sein, wenn unsere jüdischen Glaubensgeschwister angefeindet werden.

Ich finde es beispielsweise beschämend, wenn Leute mit einem gelben „Judenstern“ rumlaufen auf dem „ungeimpft“ steht.

Der Segen Gottes wirkt. Ich werde angesehen und gewinne an Ansehen. Denn wer von Gott angesehen ist, der ist wichtig. Wenn Licht auf einen anderen Menschen fällt, dann bleibt er nicht im dunkel, sondern steht selbst im Licht.

Es ist ein Bild, das deutlich macht, dass dieser Segen Menschen ansehnlich und schön macht, weil wir von Gott gesehen werden.

Ich muss in diesen Tagen ganz besonders an die Vorfälle in den USA denken. Dahinter steckt die Frage, was macht den Menschen zu einem Menschen?

Ist es die Hautfarbe?

Ist es die Höhe des Einkommens?

Ist es das Geschlecht?

Oder die Religion?

Im Segen wird deutlich gemacht, dass wir Ansehen bekommen, weil Gott uns ansieht. Dahinter steht: alle Menschen sind Ebenbilder Gottes – Frau und Mann.

Deshalb kann ich als Christ nicht schweigen, wenn andere Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe beleidigt oder bevorzugt werden.

Wenn Gott uns segnet, dann schenkt er mir Frieden. Dieser Frieden wirkt in einer Welt, die alles andere als friedlich ist. Und so ist der Segen auch Sendung: dass du und ich als Gesegnete den Frieden in die Welt tragen.

Frieden heißt auf Hebräisch Schalom. Dieser Frieden ist immer mit Gerechtigkeit und Wohlergehen verbunden. Frieden kann es also nur geben, wenn es anderen Menschen gut geht. Wir merken gerade, in den USA wie die Gegensätze von Arm und Reich, wie Rassismus zu Gewalt führt.  Deshalb braucht es dort und auch bei uns Menschen, die für den Frieden wirken und ihn stiften. Es ist immer leichter Öl ins Feuer zu schütten, als die Flammen des Hasses oder Krieges auszutreten.

Liebe Schwestern und Brüder, die meisten von uns sind Macher. Menschen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen und tatkräftig wirken.

Beim Segen ist das jedoch anders. Ich kann mich nicht selbst segnen. Ich kann nur andere segnen.

Segen für mich selbst kann ich nur empfangen. So erinnert uns der Segen auch daran, dass ich auf Liebe und Zuwendung und Zärtlichkeit angewiesen bin. Wer sich segnen lässt, der weiß oder hat eine Ahnung davon, dass Leben nicht nur erarbeitet oder erkämpft wird, sondern auch ein Geschenk ist. So kann der Segen mich auch zu einer Dankbarkeit leiten.

Der Wunsch Segen festzuhalten führt zu dem magischen Missverständnis. So hängen sich Menschen einen Christophorus ins Auto hänge, oder ein Amulett an die Brust, um überall beschützt zu sein.

Doch ich verfüge nicht über den Segen Gottes. Gott schenkt ihn mir immer wieder. Und ich kann mich hineinstellen in den Segensstrom Gottes, dass ich als Gesegnete lebe und diesen Segen auch an andere Menschen weitergebe.

Nicht nur an andere Menschen, sondern auch an Gott. Denn auch Gott kann sich nicht selbst segnen, sondern ist auf unseren Segen angewiesen. 

Wenn wir sonntags zusammenkommen und Gott loben, dann segnen wir ihn. Dann fließt sein Segen weiter, auch zur Quelle des Segens zurück.

Im Segen zeigt Gott Gesicht. Er lächelt uns an, wie die Frau auf dem Rad. Seine Freundlichkeit ermutigt uns als Gesegnete zu leben. Sein Frieden erfüllt uns, dass wir diesen Frieden in die Welt tragen – zu allen Menschen. Amen.

Fürbittengebet:

Ewiger Gott,
du hast diese Welt geschaffen und uns das Leben geschenkt.
Bewahre unsere Erde vor der Bosheit der Menschen.
Zeige uns Wege, den Hungernden zu helfen,
den Kranken beizustehen.
Deine Schöpfung zu bestaunen und zu bewahren.
Deinen Segen in die Welt zu tragen.

Jesus Christus,
du hast uns versöhnt und Frieden gestiftet.
Lass uns deinen Frieden in die Welt tragen.
Wir bitten um Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen in den Vereinigten Staaten und Weisheit für die Verantwortlichen.
Segne uns, dass wir zum Segen für andere Menschen werden.

Gottes Geist, 
du schenkst Menschen Mut, lässt Glauben und Hoffnung wachsen.
Erneuere unseren Glauben, dass wir aus der Hoffnung leben und dich loben.
Siehe die Menschen an, die keine Beachtung finden, damit sie an Ansehen gewinnen.
Sei bei allen, die Mut machen und für deine Wahrheit eintreten.
Wir gedenken der Menschen, die wir zu Grabe tragen mussten:

Gisela Müller geb. Mayer, 81 Jahre
Renate Hildenbrand geb. Kern, 78 Jahre
Andrea Hornbach geb. Buchhorn 57 Jahre
Norbert Schwarzwälder 61 Jahre
Heinz Feller, 85 Jahre

Vollende den Weg dieser Schwestern und Brüder in deinem Reich des Friedens.
Tröste die Menschen, die traurig sind mit der Hoffnung auf unsere Auferstehung.
Amen.

Vaterunser

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich;
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Amen. 

Hoffnungswort zum Sonntag "Trinitatis", Pfr. Schatull

Mp3-Podcast der Predigt

Textfassung

Votum: Wir feiern mit einander Gottesdienst im Namen unseres dreieinigen Gottes. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm: 145 / EG 780

Ich will dich erheben, mein Gott, du König,

     und deinen Namen loben immer und ewiglich.

Der Herr ist groß und sehr zu loben,

     und seine Größe ist unausforschlich.

Kindeskinder werden deine Werke preisen

     und deine gewaltigen Taten verkündigen.

Gnädig und barmherzig ist der Herr,

     geduldig und von großer Güte.

Der Herr ist getreu in all seinen Worten

     und gnädig in allen seinen Werken.

Der Herr hält alle, die da fallen,

     und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.

Aller Augen warten auf dich,

     und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

Du tust deine Hand auf

     und sättigst alles, was lebt,

     nach deinem Wohlgefallen.

Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen,

     allen, die ihn ernstlich anrufen.

Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren,

     und hört ihr Schreien und hilft ihnen.

Musik: Ehr sei dem Vater (177.2)

Eingangsgebet: Gott, unbegreiflich fern und doch ganz nah, wie sollen wir dich an­sprechen? Wie dich loben? Wie dich denken? Unbegreiflich nennen wir dich, weil wir dich nicht fassen können. Und doch brauchen wir Wörter und Bilder, um uns Vorstellungen zu machen von dir. Wir können nicht anders, und ahnen doch dabei: Du bist anders. Du bist größer. Gott, lass dich finden in Jesus Christus, wenn wir nach dir fragen, auf der Suche sind nach dir. Lass uns staunen, über dich und das Werk deiner Hände, uner­forsch­licher, dreieiniger Gott. Amen.

Musik: Gelobet sei der Herr (139)

Schriftlesung: 4.Mose 6,22-27

Und der HERR redete mit Mose und sprach: 23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Predigt:

Liebe Gemeinde,

am vergangenen Dienstag sah ich in den Nach­richten eine Schwarz­weißfotografie von einem Mann und sofort sind mir zwei Schlag­worte in den Sinn gekommen: Ermordet – Flüchtlinge.

Walter Lübcke, er wurde vor einem Jahr getötet, weil er sich für die Aufnahme von Flüchtlingen eingesetzt hat. Er wollte, dass ein Erst­auf­nahmelager in Nordhessen einge­rich­tet wird. Wo immer es deshalb zu Bür­ger­­versammlungen ge­kom­men ist, ist er hin­ge­gangen und hat sich den kritischen Fragen der Menschen gestellt. Er hat ihnen sein Ge­sicht gezeigt. Sie sollten sehen, dass er da­für einsteht. Auf diese Weise hat er Haltung bewiesen.

Für diese Haltung wurde er von der rechten Szene scharf ange­gangen: Er bekam Droh­briefe. Im Internet wurde über ihn herge­zogen, ihm der Tod gewünscht. Und an­scheinend hat sich das dann ein junger Mann zu eigen gemacht und ihn – ja man kann schon fast sagen: hingerichtet. Das im Inter­net geschriebene Urteil vollstreckt. Grausam, aber so sind die Fakten.

Walter Lübcke – ich habe sein Gesicht sofort erkannt. Und auch sein Name war sofort präsent. Aber wichtig war und ist mir nicht sein Aussehen oder sein Name. Was mir von ihm hängen geblieben ist, das war sein Tod, weil er sich für Menschen auf der Flucht ein­gesetzt hat. Auch wenn ich sonst nichts von ihm weiß, aber dieser Abschnitt aus seinem Leben ist es, was Walter Lübcke für mich aus­macht. Das ist es, was für mich seiner Persönlichkeit Gesicht verleiht: Sein Ein­satz für Flüchtlinge und, dass er dafür ermordet worden ist.

Das geht mir aber nicht nur mit Walter Lüb­cke so, sondern auch mit anderen Menschen. Wenn ich jemand auf der Straße sehe, dann weiß ich nicht unbedingt seinen Namen, aber erinnere mich an Zusammen­hänge, in denen ich ihm begegnet bin. Die machen für mich aus, wer sie oder er ist; ob er mir wohlge­son­nen ist oder nicht; was er mit mir macht. Es ist also weniger sein Aus­sehen als die – nennen wir es einmal die gemeinsame Geschichte, die mein Erkennen ausmachen.

Und das gilt auch für Walter Lübcke, den ich nie persönlich kennen­gelernt habe. Doch durch seinen öffentlich bekannt gewordenen Einsatz für Flüchtlinge und seine hinterhälti­ge Ermordung, so wie er hier „Gesicht“ ge­zeigt hat, haben wir eine gemeinsame Geschichte.

Sein Gesicht zeigen – das wünschen sich nicht wenige Menschen auch von Gott: Dass er sich endlich zeigt; wir ihn sehen können von Ange­sicht zu Angesicht. So wie ich sie und sie mich sehen und / oder hören kön­nen. Für viele Menschen wäre das eine un­heimliche Hilfe, um an ihn glauben zu können.

Doch: Ist es wirklich so entscheidend zu wissen, wie Gott aussieht? Ist seine Gestalt für mich nicht nachrangig, gerade wenn es mir gut geht? Und wenn es mir schlecht geht, frage ich da danach, wie Gott aussieht? Welche Augenfarbe er zum Beispiel hat? Oder geht es mir dann nicht vielmehr um seine Gerechtigkeit? Um seine Beziehung zu mir in meinem Elend? Will ich dann nicht vielmehr wissen, ob er ist, wofür ich ihn halte? Wie er zu mir steht? Und was er mir tun wird?

Heute, an Trinitatis, da geht es in gewisser Weise um Gottes Gesicht. Nur: Anders als an Weihnachten, Ostern oder Pfingsten gibt es zu Trinitatis keine schöne Geschichte, die mir schildert, wer mein Gegen­über ist, wie er zu mir steht und was er mir tut.

Doch gerade an diesem Feiertag wäre es schön, eine solche Geschich­te zu haben, die uns die Vorstellung von der Trinität etwas näher­bringt. Wir hätten da schon gerne etwas mehr Gewiss­heit, was es damit auf sich hat.

Diese Sicherheit – die soll uns heute nun aus­gerechnet ein alttesta­mentlicher Text geben. Also eine Bibelstelle, die nicht spezifisch christlich ist, sondern auch vom Judentum gesprochen wird. Und auch für den Islam gibt es eigentlich keinen Grund, diese Segensworte nicht zu verwenden.

Und doch sagen gerade diese Worte etwas darüber aus, was wir von Gott wissen müssen. Zeigen sie uns in gewisser Weise Gottes Ge­sicht. Machen also das offen­sichtlich, worum es an Trinitatis geht.

Als unsere Kinder noch klein waren, da haben wir ihnen beim zu Bett gehen immer einen Segen zugesprochen. Und zum Sprechen des Segens gehörte nicht nur das Auflegen der Hand, sondern auch ein ganz intensiver Blickkontakt.

Einen Segen zu empfangen, gesegnet zu sein, das heißt für mich nämlich: gesehen zu werden. Denn bei diesem Gesehen werden erfahren wir Zuwendung, Anerken­nung der Person.

Durch Segen erfahren wir: Gott wen­det sich uns zu. Unser Leben, unser Wohl­ergehen – sie berühren ihn; sie bedeu­ten ihm etwas. Indem er uns ansieht, schätzt er unser Leben wert, gibt ihm einen Wert.

Und dieser Blick Gottes – dass er uns an­sieht, das ist für uns in der Regel dann von Bedeutung, wenn uns sonst niemand an­sieht. Wenn wir uns einsam und verloren, wie tot vorkommen. Gerade dann ist dieser Blick Gottes ein wahrer Segen. Dann gibt er unserem Leben Halt. Und wir können darauf vertrauen: Unser Leben geht weiter.

Dieser Blick Gottes – er ist uns in der Regel auch dann wichtig, wenn wir in unserem Leben an einem Punkt sind, wo für uns ein neuer Abschnitt beginnt. Deswegen sprechen wir hier ja in der Regel auch bewusst Gottes Segen zu: Sei es bei der Taufe oder Konfir­mation; sei es bei Trauungen oder auch der Aussegnung von Verstorbenen. Hier haben wir als Kirchen einen eigenen Fall, einen Kasus daraus gemacht.

Aber es gibt auch andere Situationen: Ich denke da an Schulan­fänger­gottesdienste, oder Aussendungsgottesdienste, oder auch Gottes­dienste anlässlich der Trennung eines Paares.

Oder es kann so ein ganz einfacher Moment sein wie ein Abschied, wo wir in der Regel so etwas Banales sagen wie: Auf Wiedersehen. Oder: Tschüss. Bis bald. Auch hier kann es für den anderen schön und wohltuend sein, wenn man zum Beispiel zu ihm sagt: Gottes Segen sei mit dir. Der Blick Gottes – er kann in solchen Mo­men­ten spürbar, erfahrbar werden.

Nur eines passiert dabei nicht. Gott wird für uns auf diese Weise nicht kontrollierbar. Er lässt sich auf diese Weise nicht festhalten oder gar kontrollieren, von uns steuern und lenken. Ich kann ihn nicht dazu zwingen, dass in meinem Leben alles gut wird. Ich kann nur darauf vertrauen, dass er mich nicht allein lässt; dass er mir seine Gemein­schaft, dass er mir Leben schenkt. Das wird nicht immer dem ent­spre­chen, was ich mir erwarte, aber am Ende dann doch mehr als ich mir wünschen kann.

Gottes Gesicht – sein Anblick. Ja, ich denke, dass wir im Segen sehr viel darüber erfah­ren. Er ist der, der die Menschen von Anbe­ginn der Zeit in vielerlei Form begleitet hat. Man könnte auch sagen: Das ist das Väter­liche an Gott. Er ist der, der es gut mit jedem einzelnen Menschen meint. Das können wir erkennen in der Begegnung mit seinem Sohn. Und das lässt mich darauf vertrauen, dass Gott für mich alles zum Guten wendet und in mir Gutes wirkt. Er bewegt mich durch seinen Geist. Ja, der eine Gott wirkt seinen vielfältigen Segen. Wir können seinen freundlichen Blick auf uns spüren, ohne ihm ins Gesicht sehen zu müssen.

Und dieses Gesicht ist es, dass Walter Lüb­cke immer noch ansieht. Der Segen Gottes gilt ihm nach wie vor. Nur im Unterschied zu uns kann er ihm nun ins Gesicht sehen. Das hoffe und glaube ich.

Amen.

Musik: Geh unter der Gnade (+139,1-3)

Fürbittengebet: Lasst uns miteinander Fürbitte halten. Und ich bitte sie auf die Aufforderung „Zu dir rufen wir“ zu antworten mit den Worten: „Herr, erhöre uns“.

Herr, ewiger Gott, wir danken dir für das Wort deiner Wahrheit; dafür, dass du gegen­wärtig bist in dieser Welt, nicht zu greifen, nicht zu fassen, aber auf vielfältige Weise erfahrbar. Dein Geheimnis loben wir. Gegen Angst und Verzweiflung schenkst du Hoff­nung und Mut. Gegen Mächte des Todes verteidigst du das Leben. Zu dir rufen wir: Herr, erhöre uns.

Weil du unsere Zuflucht bist, bitten wir dich voller Vertrauen für alle, die deine Wahrheit bezeugen, dass sie im Alltag nicht müde, in Bedrohung nicht feige werden, und bei Er­folgen demütig bleiben. Gib Mut zum Reden und Tatkraft zum Handeln, Vollmacht zum Beten und Geduld im Leiden. Zu dir rufen wir: Herr, erhöre uns.

Weil du unsere Zuflucht bist, bitten wir dich voller Vertrauen für alle, die Macht haben in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, in der Justiz und bei der Polizei, in Kultur und Medien, in Schulen und Hochschulen. Gib Maß in allen Konflikten, schenke Kraft zur Erneuerung, begrenze die Macht des Geldes, sorge für Recht und Gerechtigkeit. Zu dir rufen wir: Herr, erhöre uns.

Weil du unsere Zuflucht bist, bitten wir dich voller Vertrauen für alle Menschen, die leiden müssen: für Arbeitslose, Arme und Unter­drückte, für Einsame und Verzweifelte, für Hungernde und Gefolterte, für Kranke und Sterbende. Heute denken wir dabei beson­ders an die Menschen, die wir in der ver­gangenen Woche zu Grabe getragen haben: Gisela Müller, geb. Mayer; Renate Hildenbrand, geb. Kern; Andrea Hornbach, geb. Buchhorn; Norbert Schwarzwälder; Heinz Feller. Und wir sind in Gedanken auch bei den Menschen, die um sie trauern. Lass sie alle nicht vergessen sein. Ermutige alle, die ihnen beistehen und helfen. Rette, was verloren scheint. Zu dir rufen wir: Herr, erhöre uns.

Du, Herr, ewiger Gott, bist Hoffnung. Uner­gründlich ist deine Macht. Unausschöpflich ist deine Liebe. Unvorstellbar ist unsere Zu­kunft in deinem Reich. Groß ist das Geheim­nis deiner Wirklichkeit. Unruhig ist unsere Seele, bis sie Ruhe findet in dir, dem drei­einigen Gott. Dir, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, sei Lob, Preis und Anbetung jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Vater unser:

Segen: Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns seinen Frieden. Amen.

Lieder zum Hoffnungswort Pfr. Schatull

Hoffnungswort Pfingsten von Pfr. Dr. Schmidt-Roscher

Liebe Schwestern und Brüder,

ich bin froh, dass wir an Pfingsten wieder in unseren Kirchen Gottesdienst feiern dürfen! Gerne senden wir Ihnen das Hoffnungswort auch weiterhin in Briefform zu, wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören oder vorsichtig sind.

Der Predigttext in diesem Jahr ist die Pfingstgeschichte nach der Apostelgeschichte 2, 1-18. An Pfingsten feiern wir ja nicht nur den Geburtstag der Kirche, sondern Gottes Geist, der Menschen lebendig macht und uns Christen befähigt, zu Zeuginnen und Zeugen der Liebe Jesu Christi zu werden. Bei Geist denken manche an Gespenster. Dabei ist der Heilige Geist die Kraft Gottes, die uns als Hoffende leben lässt. Dieser Geist schafft Gemeinschaft auch über Distanzen und gibt es uns die Kraft, den Mut nicht zu verlieren. Deshalb sollten wir gerade in diesem Jahr bitten: Komm, Schöpfer Geist!

In den letzten Jahren ist mir das Lied 135 im Evangelischen Gesangbuch zu meinem Lieblingspfingstlied geworden.

1) Schmückt das Fest mit Maien, / lasset Blumen streuen,/ zündet Opfer an;
denn der Geist der Gnaden / hat sich eingeladen, / machet ihm die Bahn.
Nehmt ihn ein, / so wird sein Schein
euch mit Licht und Heil erfüllen / und den Kummer stillen.

2) Tröster der Betrübten, / Siegel der Geliebten, / Geist voll Rat und Tat,
starker Gottesfinger, / Friedensüberbringer, / Licht auf unserm Pfad:
gib uns Kraft und Lebenssaft, /
lass uns deine teuren Gaben/ zur Genüge laben.

3) Lass die Zungen brennen, / wenn wir Jesus nennen,/ führ den Geist empor;
gib uns Kraft zu beten / und vor Gott zu treten, / sprich du selbst uns vor.
Gib uns Mut, / du höchstes Gut,
tröst uns kräftiglich von oben/ bei der Feinde Toben.

4) Gib zu allen Dingen Wollen/ und Vollbringen, / führ uns ein und aus;
wohn in unsrer Seele, / unser Herz erwähle/ dir zum eignen Haus.
Wertes Pfand, / mach uns bekannt,
wie wir Jesus recht erkennen / und Gott Vater nennen.

 

Apostelgeschichte 2, 1-18 (Lutherbibel 2017)

1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. 5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? 8 Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? 9 Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, 10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, 11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. 12 Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.

14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte! 15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages; 16 sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): 17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; 18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Unsicherheit und Ratlosigkeit, nicht so genau wissen, wie es weitergeht: diese Gefühlswelten teilen einige Menschen in dieser Krisenzeit.

Ähnliche Gefühle kannten auch die Jünger und Jüngerinnen in Jerusalem 50 Tage nach Ostern. Sie wussten nicht so richtig, wie es weitergehen sollt. Sie waren rat- und mutlos. Lebten sozial distanziert, eingeschlossen in dem Haus in Jerusalem.

Doch dann 50 Tage nach Ostern, da haben sie etwas gespürt von Gottes Kraft. Da hat Gottes Wind des Lebens sie in Bewegung gesetzt, ihnen neues Leben eingehaucht. Und deshalb feiern wir an Pfingsten das Fest des Geistes, aber auch den Geburtstag der Kirche. 

Müssen wir die Kirche fast 2000 Jahre später zu Grabe tragen? Ist die alte Dame schon so betagt, dass sie sich gerne an die schönen alten Zeiten erinnert, aber ungern von Gegenwart und Zukunft spricht?

Wie begeisternd ist evangelischen Kirche? Seien wir ehrlich: Schon vor der Krise war es schwierig. Aber nun kommen noch weniger Menschen zum Gottesdienst, weil viele unserer treuen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einer Risikogruppe gehören. Und manche haben entdeckt, dass auch ein Fernsehgottesdienst ganz erbaulich ist.

Der Geist aber lenkt unseren Blick von der eigenen Unsicherheit und Bangigkeit hin zum lebendigen Gott und seinen Machttaten. Vom Himmel her, von Gottes Geist kommt Bewegung in die Menschen.

Gott selbst kommt mit Brausen und Wind, mit Feuer und Begeisterung. Damals in Jerusalem oder noch früher am Berg Sinai.

Und auch heute mitten unter uns, wirkt Gottes Geist und macht seine Gemeinde lebendig. Wenn wir Pfingsten feiern, dann erinnern wir uns nicht nur daran, dass Gott vor langer Zeit seine Kirche auf die Welt gebracht hat. Wir freuen uns auch darüber, dass er heute Menschen zum Glauben führt. Oder Frauen und Männer bewegt, im Geist der Liebe Jesu Christi zu handeln.   

Selbst in unseren Tagen, selbst in unserem Land, selbst in unserem Durchschnittsdorf Haßloch. Und ich bin gewiss, dass Gott auch in diesen Zeiten einer weltweiten Pandemie, mit all den Unsicherheiten und Folgen für Familien und Firmen, Einzelne und Einsame, Arme und Reiche, Kinder und Erwachsene durch seinen Geist zu uns spricht und an uns handelt.

Gottes Geist führt die verunsicherten Frauen und Männer ins Freie. Er schenkt Freiheit und macht die Christinnen und Christen sprachfähig. Sie reden nicht irgendwas, sie sind selbst vom Geist erfüllt und begeistern damit andere.

In Jerusalem waren viele Festpilger aus Phrygien und Pamphylien, aus Nordafrika und der Provinz Asien, die dort am Tempel feiern wollten. Und die hörten nun Worte in ihrer Sprache. Gott wird gelobt in ganz verschiedenen Sprachen.

Gibt es inzwischen nicht jeden Tag ein Pfingsten, weil Gottes Wort in viele Sprachen übersetzt ist und auch heute an diesem Festtag in ganz vielen Ländern Christinnen und Christen Gottesdienst feiern? Das, was damals in Jerusalem ganz klein angefangen hat, ist zu einer weltweiten Bewegung geworden - vielgestaltig, vielsprachig und bunt wie das Leben. In unseren Partnerkirchen bei der Presybterian Church in Korea, bei der Presbyterian Church in Papua oder auch bei der Presbyterian Church in Ghana, feiern Menschen heute Pfingsten. Auch bei den Waldensern in Italien, in Pinerolo, feiert mein Freund Gianni Genre jetzt mit seiner Gemeinde Pfingsten. Überall anders, Menschen die ganz unterschiedlich aussehen, in verschiedenen Sprachen, in vollen oder halbleeren Kirchen. 2,4 Milliarden Menschen sind Christen. Und sie loben Gott, sind bewegt von seinem Geist. Auch in den vielfältigen Initiativen Gottes Hoffnungswort online unter die Leute zu bringen, als wir die Kirchen nicht öffnen durften, sehe ich das Wirken von Gottes Geist.    

In einem Punkt geht es uns heute so wie den ersten Christinnen und Christen in Jerusalem: Wenn wir Gott loben, wenn wir Jesus hochleben lassen, dann denken einige: Sind die närrisch geworden? Haben die zu viel Schorle im Kopf? Sind die noch ganz dicht?

Die Erfahrung, dass Gott mir im Leben ein Halt ist. Das Vertrauen, dass der Gekreuzigte und Auferstandene, der Messias der Welt ist. Die Hoffnung, dass Gottes Geist in mir und in vielen Menschen dieser Welt wirkt und Dinge zum Guten bewegt. All das löst bei anderen Menschen manchmal Spott oder Befremden aus. Damals in Jerusalem und auch heute in Haßloch.

Aber Gott begabt auch heute noch Menschen. Gottes Geist macht einfachen Menschen Mut, den eigenen Glauben nicht zu verstecken, sondern freimütig davon zu erzählen. So wie bei Simon, dem Fischer vom See Genezareth. Zugegeben, ein wankelmütiger Mann. Einer, der bei der Kreuzigung sich aus dem Staub gemacht hat. An ihm zeigt sich freilich auch, wie Gottes Geist wirkt. Simon wird mutig. Simon wird Petrus, ein Fels, der sich zu diesem Jesus, dem Christus, bekennt. Er spricht von seinem Glauben. Wer von Gottes Geist erfüllt wird, der kann wachsen. Auch im Glauben, in der Liebe oder in der Hoffnung. Der teilt sich mit. Und teilt mit anderen sein Leben. 

Christen haben ja manchmal die Sehnsucht nach diesen Supermännern oder Superfrauen, die mit ihrer Ausstrahlung auf andere einwirken und zum Glauben führen. Eine Pfarrerin, die mir ihrem Wort Herzen berührt. Der Vorsitzende eines Presbyteriums, der ausstrahlt und andere mitreißt.

Meist aber handelt Gottes Geist anders. Er beruft Menschen so wie dich und mich. Frauen und Männer, die auch Fehler haben oder dunkle Seiten. Gottes Geist ermutigt und befähigt uns. Der Geist lässt uns wachsen, weil er uns innerlich stärken kann, die Freiheit schenkt, etwas auszuprobieren. Keine Angst mehr vor dem Scheitern zu haben oder vor einer Blamage.

So werde ich erinnert an die Geschichten, in denen Gott seinem Volk geholfen hat. So werden wir erinnert an die Weissagungen des Propheten Joel: Gott gießt seinen Geist über alles Fleisch. Fleisch, das ist ja ein anderes Wort für vergängliche und verletzliche Menschen. Doch wir fleischliche Menschen werden mit Gottes Geist begabt und können als Begabte auftreten. Gottes Geist, so heißt es weiter bei Joel, kommt über die Söhne und Töchter des Volkes, über Alte und Junge, ja selbst über Knechte und Mägde. Gottes Geist führt zu Aufbrüchen bei den Menschen, die in der damaligen Welt nicht dazugehörten. Darauf hat Michael Welker in seinem Buch Gottes Geist hingewiesen. Gottes Geist ist ein demokratischer Wind, der viele Menschen in Bewegung setzt. Und ganz ungewöhnlich, auch für die Bibel, dass hier mehrfach von Männern und Frauen die Rede ist, von Freien und Knechten.  

In ganz unterschiedlichen Begegnungen mit Anderen können wir so wieder in die Spur des Lebens kommen. Und so wirkt täglich Gottes Geist. So ging es mir vor ein paar Tagen, als ich in der Christuskirche war und ein Frau mir von ihrem Leben erzählte. Sie trägt eine Krankheit, ist eingeschränkt und doch hat Gott sie mit viel Dankbarkeit begabt. Das Gespräch mit dieser Frau hat mir Mut gemacht und mich dankbar werden lassen.

Gottes Geist bewirkt so etwas, er führt zu Gemeinschaft, er macht Mut. Deshalb habe ich noch Hoffnung für unsere Kirche. Trotz allem. Gottes Geist bewegt und hält sie am Leben.  Amen.

 

Lasst uns beten:

Geist des Lebens,

wir sind dankbar für die Schönheit deiner Schöpfung und die Menschen, die uns Mut machen.

Hilf, dass wir selbst mutig werden und für das Leben eintreten.

Wir rufen: Komm, Schöpfer Geist!

 

Geist der Liebe,

wir sind dankbar für die Menschen, die anderen zur Seite stehen, vor allem für Eltern, die Kinder großziehen oder Menschen, die Gebrechliche unterstützen.

Stärke uns, dass wir selbst Liebe schenken.

Wir rufen: Komm, Schöpfer Geist!

 

Geist der Hoffnung,

wir danken dir für die Worte, die uns aufrichten und Hoffnung geben.

Erfülle uns mit deiner Hoffnung, dass wir von deinem Reich erzählen und den Zeichen der kommenden Welt.

Wir rufen: Komm, Schöpfer Geist.

 

Geist des Friedens,

wir klagen mit den Menschen, die unter Krieg und Gewalt leiden, Familien, die ihre Heimat verlassen müssen.

Bewege uns und andere, dass wir uns für den Frieden einsetzen.

Wir rufen: Komm, Schöpfer Geist!

 

Geist der Kraft,

wir sind dankbar für die Menschen, die in deiner Kirche wirken.

Erfülle uns mit deinem Geist, dass wir Klarheit in die Welt tragen.

Wir rufen: Komm Schöpfer Geist! 

 

Geist des Trostes,

wir sind dankbar für den Trost und die Ermutigung durch andere Menschen.

Wir gedenken der Menschen aus unserer Gemeinde, die gestorben sind:

Inge Sakowski, geb.  Koppenhöfer, 60 Jahre

Karl Heinz Stutz, 70 Jahre

 

Tröste die Angehörigen durch die Hoffnung auf die Auferstehung.

Wir rufen: Komm, Schöpfer Geist!

 

Vaterunser im Himmel

 

Segen zu Pfingsten:

Gott segne dich und richte dich auf.

Jesus sei an deiner Seite stärke deinen Glauben, deine Hoffnung und deine Liebe.

Gottes Geisteskraft erfülle dich, damit du den Weg des Lebens findest. Amen.

Hoffnungswort zu Pfingsten Pfr. Schatull

Mp3-Podcast der Predigt

Textfassung

Wir sind im Gottesdienst miteinander verbunden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Sprechen wir Worte aus Psalm 118:

Dies ist der Tag, den der Herr macht;

     lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O Herr, hilf!

     O Herr, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

     Wir segnen euch,

     die ihr vom Hause des Herrn seid.

Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.

     Schmückt das Fest mit Maien

     bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott, und ich danke dir;

     mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

     und seine Güte währet ewiglich.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lasst uns beten: Gott, du Schöpfer allen Lebens, wir sind heute in dein Haus gekommen mit unserer Sehnsucht nach Lebendigkeit und nach innerer Erfüllung. Wir sind hier mit unserem Drang, geliebt zu werden wie wir sind. Komm mit deinem Geist und wohne mitten unter uns, damit wir innerlich erneuert werden. Dies bitten wir im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schenkt in Ewigkeit. Amen.

 

Lied EG 131: O Heiliger Geist, o heiliger Gott

 

Hören wir Worte aus der Apostelgeschichte des Lukas, Kapitel 2:

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte!  Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages;  sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): "Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.

Predigt:

Liebe Schwestern und Brüder,

ich finde es faszinierend, wie Zahlen unser Leben bestimmen. Dabei denke ich jetzt nicht nur an die Zahlen, die wir in den letzten Wochen und immer noch jeden Tag aufs Neue im Zusammenhang mit Corona präsentiert bekommen. Zahlen, die uns deutlich machen wollen, wie schlimm dieser Virus ist und warum wir ihn als Pandemie, als weltweite Seuche, ja wörtlich übersetzt als das ganz Volk bzw. die ganze Menschheit betreffende Krankheit bezeichnen.

Doch Zahlen bringen noch viel mehr zum Ausdruck: wer arm und wer reich ist. Menschen mit einem IQ zwischen 85 und 115 gelten als durchschnittlich schlau. Die beiden Zahlen 0 und 1 haben inzwischen die Weltherrschaft angetreten und steuern in allen möglichen elektronischen Geräten unseren Alltag. Ja, mit Hilfe von Algorithmen können sie sogar mit hoher Zuverlässigkeit vorhersagen, was uns gefällt und was nicht.

Wer nun meint: Diese Bedeutung von Zahlen sie ein Phänomen der Neuzeit, den muss ich leider enttäuschen. Zahlen spielen schon seit Jahrhunderten eine bedeutsame Rolle im Leben der Menschheit. In allen Kulturen und Religionen sind sie zu finden. Auch in der Bibel sind sie präsent: Die sieben Tage der Schöpfungserzählung; sieben mal 70 Mal sollen wir Menschen vergeben. Die sieben Gemeinden, sieben Siegel, sieben Posaunen in der Apokalypse des Johannes. Ja mit solchen Zahlen hat man schon versucht den Weltuntergang zu berechnen.

Zahlen – sie scheinen der Kit zu sein, der die Welt zusammenhält. Wir kennen vier Mond-stände, die jeweils sieben Tage dauern. Der Regenbogen – auch wenn in ihm alle Farben enthalten sind, so zählen wir in der Regel sieben Farben. Die Tonleiter besteht aus sieben Tönen bevor sie wieder beim gleichen Ton ist, eben nur eine Oktav höher. Ja, durch die Zahlen erhalten wir eine Vorstellung von dem Kit, der die Welt durchdringt.

Die Zahl sieben stand und steht für viele Menschen für die kosmische Vollkommenheit. Und mit sieben plus eins wird diese überstiegen. Die acht gehört dem Himmel. Bei sieben plus eins kommt Gott ins Spiel.

Mir stellt sich die Frage: Können wir durch Zahlen wirklich eine Ahnung von Gott, von seinem Geist erhalten?

Gottes Geist – damit verbinden wir den heutigen Feiertag Pfingsten. Die Geschichte, die wir vorhin gehört haben, wie Gottes Geist Jesu Jünger überkommen hat: mit einem plötzlichen Brausen und einem gewaltigen Sturm; den Feuerzungen, die sich auf sie setzten. Auch Pfingsten hat etwas mit einer Zahl zu tun: Wir feiern es am 50sten Tag nach Ostern; sieben mal sieben plus eins: Das ergibt 50. Also ein göttlicher Feiertag?

Doch auch wenn für uns mit Pfingsten etwas Neues beginnt, wir hier den Geburtstag der Kirche feiern, weil Gottes Geist über die Jünger gekommen ist und sie in allen Sprachen vom Osterereignis erzählen konnten, so ist dieser Tag doch kein neuer Feiertag.

Wir hören ja Lukas schon von diesem Feiertag reden, bevor überhaupt das geschehen ist, was diesen Feiertag ausmacht. Und auch wenn Jerusalem schon lange eine von vielen Menschen besuchte Stadt ist, so war sie an diesem Tag noch von mehr Menschen bevölkert. Auch davon erzählt Lukas.

Das hatte seinen Grund auch wieder in dieser Zahl: der sieben mal siebte plus einen Tag war und ist ein Feiertag, der schon lange von den Juden gefeiert wurde und wird: Schawuot – das Wochenfest. Nicht nur ein Erntefest, bei dem die Menschen Früchte des Feldes im Tempel opferten und an dem deshalb viele Menschen nach Jerusalem pilgerten, sondern auch ein Fest, bei dem sie sich an die Erscheinung Gottes am Sinai und an die Gabe der zehn Gebote erinnern.

Auch am Sinai haben Donner und Blitze die Erschei¬nung Gottes begleitet. Auch am Sinai begann für das Volk Israel etwas Neues. Ein neuer Bund, den Gott mit ihnen geschlossen und mit den Geboten besiegelt hat.

Pfingsten – Schawuot – der sieben mal siebte plus einen Tag – ein wahrhaft göttli¬cher Tag. Und der war damals auch nötig: Sei es am Sinai, als das Volk gerade erst der ägyptischen Knechtschaft entkommen war und nun am Beginn des Weges in ihr eigenes Land war; eines Weges, der länger dauerte als alle erwartet hatten.

Sei es in Jerusalem zu der Zeit, da die Pfingstgeschichte spielt. Denn es war eine Zeit der Bedrohung für die ersten Christen. Eine Zeit, in der ihre Anhänger und Vertreter schikaniert wurden. Es war eine Zeit, in der eine große Kluft zwischen reich und arm die Menschen vor eine Zerreißprobe stellte.

Und wenn wir dann noch berücksichtigen, unter welchen historischen Umständen Lukas diese Erzählung aufgeschrieben hat, potenziert sich das Ganze noch: Die Verwüstung Jerusalems und die Zerstörung des Tempels; die römischen Besatzer, die mit immer größerer Brutalität gegen die Menschen vorgingen, so dass unter ihnen große Angst und Unsicherheit herrschten. Das hatte für sie schon fast etwas Endzeitliches.

Und schauen wir doch auf Pfingsten 2020. Ist unser Lebensgefühl da so viel besser? Sind bei uns nicht viele Menschen verunsichert angesichts der Corona-Pandemie? Der vielen Kranken und Toten? Des Shutdowns allen wirtschaftlichen und kulturellen Lebens? Der langsamen und schwierigen Rückkehr zu einem ansatzweise „normalen“ Leben?

Dabei ist Corona ja gar nicht alleine. Die vielen Krisenherde, die Menschen aus ihrer Heimat vertreibt; die Globalisierung, die viele alte Sicherheiten hinwegspült. Der Klimawandel, der sich für uns zu einer kosmischen Katastrophe entwickelt.

Der sieben mal siebte plus einen Tag – Schawuot – Pfingsten – so einen göttlichen Tag, den haben wir wahrlich auch heute nötig. Ein Tag, an dem sich Gott uns offenbart; an dem er seinen Geist über uns kommen lässt. Der uns aus Resignation und Kleinmut weckt; der uns auf die Straße treibt; der uns mit prophetischer Klarsicht die gesellschaftlichen Missstände anvisieren lässt und uns Visionen träumen lässt von einem anderen Leben; einem Leben, in dem Mensch und Natur aufatmen können; einem Leben in Schalom.

Doch langsam. Springen sie nicht gleich auf und laufen sie los. Packen sie nicht ihren Nachbarn an den Schultern und bedrängen ihn mit den Worten: „Lass Gottes Geist in dein Leben, glaube und ändere dich!“ Prangern sie nicht einfach Missstände an ohne sich Gedanken gemacht zu haben, wie es besser werden kann. Das weiß nämlich in der Regel kein Mensch alleine. Zu einer Lösung kommen wir eher, wenn wir miteinander reden und aufeinander hören.

Die Jünger Jesu – sie saßen auch in einem Haus, als der Geist Gottes in Feuerzungen über sie kam. Es steht aber nichts davon, dass sie aufgesprungen und hinausgerannt sind.

Die Menschen sind zu ihnen gekommen, angelockt von dem Brausen. Sie haben ihnen zugehört und sie verstanden, obwohl sie doch aus ganz anderen Ländern kamen; ganz andere Sprachen sprachen. Und dabei wurden sie nicht von den Jüngern bedrängt; haben keine Vorschriften gemacht bekommen, wie sie ihr Leben besser führen sollten.

Nein, die Jünger haben ihnen gepredigt, heißt es. Die frohe Botschaft verkündet von Gottes großen und guten Werken, die er durch Jesus Christus an ihnen und allen Menschen vollbracht hat. In ihren Predigten, da ging es um Gottes Werk. Sie haben den Menschen verkündet: Gott ist am Werk – auch heute noch.

Gott ist am Werk. Er war es am Sinai, als er dem Volk die zehn Gebote gab. Er war es am Kreuz von Golgatha und am leeren Grab.

Gott ist am Werk. Das ist die Botschaft des ersten Pfingstfestes. Und das ist auch die Botschaft von Pfingsten 2020. Davon können erzählen. Darauf können wir hören. Dafür können wir ihn loben.

Seine Geistkraft wirkt aber nicht nur in mitreißenden Events, sondern auch im sanften, stillen Sausen. Es geht ihm nicht darum nur die besten auszuwählen, sondern er wendet sich allen Menschen. Jederzeit und an jedem Ort. Und er bleibt uns Menschen treu. Gibt uns nicht auf, auch wenn wir immer wieder mal versagen.

Ich frage mich: Wie können wir das in Zahlen ausdrücken? Oder geht das gar nicht? Reichen doch unsere Worte kaum aus, um seinen Schalom für uns zu umschreiben.

Also, wenn ich mich auf eine Zahl festlegen müsste, dann wäre das wohl die Zahl acht. Dafür spricht nicht nur, dass sieben plus eins acht macht. Dafür spricht auch, dass wir die Zahl acht in einem Zug schreiben können, am Anfang wieder herauskommen und sie gleich noch einmal nachfahren können. Und noch einmal und noch einmal. Ja, nicht umsonst ist die auf die Seite gelegte acht in der Mathematik das Zeichen für „unendlich“. Und das ist für mich eine Zahl, die Gott noch am nächsten kommt, wenn auch nicht ganz.

Amen.

 

Lied EG 135 Schmückt das Fest mit Maien

 

So wollen wir miteinander Fürbitte halten:

Gott, du Quelle des Lebens, du hast uns zugesagt, dass du uns erlöst. Im Vertrauen darauf bitten wir dich: Breite deinen Geist aus unter denen, die politische Verantwortung tagen. Lass sie Wege erkennen und verwirklichen, die zu menschlichen Lösungen führen. Wege ohne Neid, Hass und Gewalt. Gerade auch in dieser Zeit, wo das Leben miteinander doch dermaßen durchgewirbelt wird. Lass sie erfahren, dass deine Weisheit immer neue Wege weist. Darum rufen wir zu dir: Hilf uns, im Frieden zu leben.

Breite deinen Geist aus unter denen, die verstummt sind in ihrer Not, weil sie nichts zu essen haben, kein Dach über dem Kopf finden, nicht frei sind zu tun, was ihnen guttut, keine Anerkennung finden, keine Menschen wissen, die bereit sind, ihre stummen Signale zu hören. Lass sie erfahren, dass du sie verstehst, auch wenn sie nichts sagen, und lass sie Menschen finden, die bereit sind, für sie zu sprechen. Darum rufen wir zu dir: Hilf uns, im Frieden zu leben.

Breite deinen Geist aus unter uns, deiner Gemeinde, dass wir spüren, was uns bedroht und von deinem Heil abhält; dass wir spüren, was uns von anderen trennt, aber auch was uns miteinander verbindet. Lass uns erfahren, was es heißt, wahrhaftig zu leben und zu lieben, miteinander zu lachen und zu weinen, füreinander da zu sein. Darum rufen wir zu dir: Hilf uns, im Frieden zu leben.

Breite deinen Geist aus unter denen, die wir in der vergangenen Woche zu Grabe getragen haben: Inge Sakowski, geb. Koppenhöfer und Karl Heinz Stutz. Lass sie so den Odem deiner lebendigen Gemeinschaft atmen, den der Tod uns nicht nehmen kann. Breite deinen Geist aus unter denen, die um sie trauern; denen ihr Tod ein Stück Leben nimmt und den Atem stocken lässt. Breite deinen Geist unter ihnen aus, auf dass sie in dir lebendig verbunden bleiben. Darum rufen wir zu dir: Hilf uns, im Frieden zu leben.

Breite deinen Geist aus in unserer Welt damit wir miteinander leben und zu dir beten können, wie Jesus Christus uns beten gelehrt hat: Vater unser im Himmel …

 

So lasst uns in diese Pfingsttage gehen begleitet und behütet vom Segen unseres Herrn: Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns seinen Frieden. Amen.

Lieder zum Hoffnungswort von Pfr. Schatull

Drei "Hoffnungsworte" zum Himmelfahrtswochenende

Sie finden hier ab Samstag Abend folgendes:

Sonntag "Exaudi"

  • Predigt des Gottesdienstes von Pfr. Schatull als mp3
  • Gottesdienst von Pfr. Schatull in Schriftform (dazu entsprechendendes Textfeld anklicken)
  • Predigt und Fürbitte von Pfr. Stetzer

Christi Himmelfahrt

  • "Tankstopp für die Seele" Dialogpredigt des Autokinogottesdienstes von Pfrn Julia Heller und Pfr. Dr. Schmidt-Roscher

Gottesdienst von Pfr. Schatull zum Sonntag "Exaudi"

mp3-Podcast der Predigt

Textfassung

Wir sind im Gottesdienst miteinander verbunden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Sprechen wir Worte aus Psalm 118:

Dies ist der Tag, den der Herr macht;

     lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O Herr, hilf!

     O Herr, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

     Wir segnen euch,

     die ihr vom Hause des Herrn seid.

Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.

     Schmückt das Fest mit Maien

     bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott, und ich danke dir;

     mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

     und seine Güte währet ewiglich.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lasst uns beten: Gott, du Schöpfer allen Lebens, wir sind heute in dein Haus gekommen mit unserer Sehnsucht nach Lebendigkeit und nach innerer Erfüllung. Wir sind hier mit unserem Drang, geliebt zu werden wie wir sind. Komm mit deinem Geist und wohne mitten unter uns, damit wir innerlich erneuert werden. Dies bitten wir im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schenkt in Ewigkeit. Amen.

 

Lied EG 131: O Heiliger Geist, o heiliger Gott

 

Hören wir Worte aus der Apostelgeschichte des Lukas, Kapitel 2:

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte!  Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages;  sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): "Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.

Predigt:

Liebe Schwestern und Brüder,

ich finde es faszinierend, wie Zahlen unser Leben bestimmen. Dabei denke ich jetzt nicht nur an die Zahlen, die wir in den letzten Wochen und immer noch jeden Tag aufs Neue im Zusammenhang mit Corona präsentiert bekommen. Zahlen, die uns deutlich machen wollen, wie schlimm dieser Virus ist und warum wir ihn als Pandemie, als weltweite Seuche, ja wörtlich übersetzt als das ganz Volk bzw. die ganze Menschheit betreffende Krankheit bezeichnen.

Doch Zahlen bringen noch viel mehr zum Ausdruck: wer arm und wer reich ist. Menschen mit einem IQ zwischen 85 und 115 gelten als durchschnittlich schlau. Die beiden Zahlen 0 und 1 haben inzwischen die Weltherrschaft angetreten und steuern in allen möglichen elektronischen Geräten unseren Alltag. Ja, mit Hilfe von Algorithmen können sie sogar mit hoher Zuverlässigkeit vorhersagen, was uns gefällt und was nicht.

Wer nun meint: Diese Bedeutung von Zahlen sie ein Phänomen der Neuzeit, den muss ich leider enttäuschen. Zahlen spielen schon seit Jahrhunderten eine bedeutsame Rolle im Leben der Menschheit. In allen Kulturen und Religionen sind sie zu finden. Auch in der Bibel sind sie präsent: Die sieben Tage der Schöpfungserzählung; sieben mal 70 Mal sollen wir Menschen vergeben. Die sieben Gemeinden, sieben Siegel, sieben Posaunen in der Apokalypse des Johannes. Ja mit solchen Zahlen hat man schon versucht den Weltuntergang zu berechnen.

Zahlen – sie scheinen der Kit zu sein, der die Welt zusammenhält. Wir kennen vier Mond-stände, die jeweils sieben Tage dauern. Der Regenbogen – auch wenn in ihm alle Farben enthalten sind, so zählen wir in der Regel sieben Farben. Die Tonleiter besteht aus sieben Tönen bevor sie wieder beim gleichen Ton ist, eben nur eine Oktav höher. Ja, durch die Zahlen erhalten wir eine Vorstellung von dem Kit, der die Welt durchdringt.

Die Zahl sieben stand und steht für viele Menschen für die kosmische Vollkommenheit. Und mit sieben plus eins wird diese überstiegen. Die acht gehört dem Himmel. Bei sieben plus eins kommt Gott ins Spiel.

Mir stellt sich die Frage: Können wir durch Zahlen wirklich eine Ahnung von Gott, von seinem Geist erhalten?

Gottes Geist – damit verbinden wir den heutigen Feiertag Pfingsten. Die Geschichte, die wir vorhin gehört haben, wie Gottes Geist Jesu Jünger überkommen hat: mit einem plötzlichen Brausen und einem gewaltigen Sturm; den Feuerzungen, die sich auf sie setzten. Auch Pfingsten hat etwas mit einer Zahl zu tun: Wir feiern es am 50sten Tag nach Ostern; sieben mal sieben plus eins: Das ergibt 50. Also ein göttlicher Feiertag?

Doch auch wenn für uns mit Pfingsten etwas Neues beginnt, wir hier den Geburtstag der Kirche feiern, weil Gottes Geist über die Jünger gekommen ist und sie in allen Sprachen vom Osterereignis erzählen konnten, so ist dieser Tag doch kein neuer Feiertag.

Wir hören ja Lukas schon von diesem Feiertag reden, bevor überhaupt das geschehen ist, was diesen Feiertag ausmacht. Und auch wenn Jerusalem schon lange eine von vielen Menschen besuchte Stadt ist, so war sie an diesem Tag noch von mehr Menschen bevölkert. Auch davon erzählt Lukas.

Das hatte seinen Grund auch wieder in dieser Zahl: der sieben mal siebte plus einen Tag war und ist ein Feiertag, der schon lange von den Juden gefeiert wurde und wird: Schawuot – das Wochenfest. Nicht nur ein Erntefest, bei dem die Menschen Früchte des Feldes im Tempel opferten und an dem deshalb viele Menschen nach Jerusalem pilgerten, sondern auch ein Fest, bei dem sie sich an die Erscheinung Gottes am Sinai und an die Gabe der zehn Gebote erinnern.

Auch am Sinai haben Donner und Blitze die Erschei¬nung Gottes begleitet. Auch am Sinai begann für das Volk Israel etwas Neues. Ein neuer Bund, den Gott mit ihnen geschlossen und mit den Geboten besiegelt hat.

Pfingsten – Schawuot – der sieben mal siebte plus einen Tag – ein wahrhaft göttli¬cher Tag. Und der war damals auch nötig: Sei es am Sinai, als das Volk gerade erst der ägyptischen Knechtschaft entkommen war und nun am Beginn des Weges in ihr eigenes Land war; eines Weges, der länger dauerte als alle erwartet hatten.

Sei es in Jerusalem zu der Zeit, da die Pfingstgeschichte spielt. Denn es war eine Zeit der Bedrohung für die ersten Christen. Eine Zeit, in der ihre Anhänger und Vertreter schikaniert wurden. Es war eine Zeit, in der eine große Kluft zwischen reich und arm die Menschen vor eine Zerreißprobe stellte.

Und wenn wir dann noch berücksichtigen, unter welchen historischen Umständen Lukas diese Erzählung aufgeschrieben hat, potenziert sich das Ganze noch: Die Verwüstung Jerusalems und die Zerstörung des Tempels; die römischen Besatzer, die mit immer größerer Brutalität gegen die Menschen vorgingen, so dass unter ihnen große Angst und Unsicherheit herrschten. Das hatte für sie schon fast etwas Endzeitliches.

Und schauen wir doch auf Pfingsten 2020. Ist unser Lebensgefühl da so viel besser? Sind bei uns nicht viele Menschen verunsichert angesichts der Corona-Pandemie? Der vielen Kranken und Toten? Des Shutdowns allen wirtschaftlichen und kulturellen Lebens? Der langsamen und schwierigen Rückkehr zu einem ansatzweise „normalen“ Leben?

Dabei ist Corona ja gar nicht alleine. Die vielen Krisenherde, die Menschen aus ihrer Heimat vertreibt; die Globalisierung, die viele alte Sicherheiten hinwegspült. Der Klimawandel, der sich für uns zu einer kosmischen Katastrophe entwickelt.

Der sieben mal siebte plus einen Tag – Schawuot – Pfingsten – so einen göttlichen Tag, den haben wir wahrlich auch heute nötig. Ein Tag, an dem sich Gott uns offenbart; an dem er seinen Geist über uns kommen lässt. Der uns aus Resignation und Kleinmut weckt; der uns auf die Straße treibt; der uns mit prophetischer Klarsicht die gesellschaftlichen Missstände anvisieren lässt und uns Visionen träumen lässt von einem anderen Leben; einem Leben, in dem Mensch und Natur aufatmen können; einem Leben in Schalom.

Doch langsam. Springen sie nicht gleich auf und laufen sie los. Packen sie nicht ihren Nachbarn an den Schultern und bedrängen ihn mit den Worten: „Lass Gottes Geist in dein Leben, glaube und ändere dich!“ Prangern sie nicht einfach Missstände an ohne sich Gedanken gemacht zu haben, wie es besser werden kann. Das weiß nämlich in der Regel kein Mensch alleine. Zu einer Lösung kommen wir eher, wenn wir miteinander reden und aufeinander hören.

Die Jünger Jesu – sie saßen auch in einem Haus, als der Geist Gottes in Feuerzungen über sie kam. Es steht aber nichts davon, dass sie aufgesprungen und hinausgerannt sind.

Die Menschen sind zu ihnen gekommen, angelockt von dem Brausen. Sie haben ihnen zugehört und sie verstanden, obwohl sie doch aus ganz anderen Ländern kamen; ganz andere Sprachen sprachen. Und dabei wurden sie nicht von den Jüngern bedrängt; haben keine Vorschriften gemacht bekommen, wie sie ihr Leben besser führen sollten.

Nein, die Jünger haben ihnen gepredigt, heißt es. Die frohe Botschaft verkündet von Gottes großen und guten Werken, die er durch Jesus Christus an ihnen und allen Menschen vollbracht hat. In ihren Predigten, da ging es um Gottes Werk. Sie haben den Menschen verkündet: Gott ist am Werk – auch heute noch.

Gott ist am Werk. Er war es am Sinai, als er dem Volk die zehn Gebote gab. Er war es am Kreuz von Golgatha und am leeren Grab.

Gott ist am Werk. Das ist die Botschaft des ersten Pfingstfestes. Und das ist auch die Botschaft von Pfingsten 2020. Davon können erzählen. Darauf können wir hören. Dafür können wir ihn loben.

Seine Geistkraft wirkt aber nicht nur in mitreißenden Events, sondern auch im sanften, stillen Sausen. Es geht ihm nicht darum nur die besten auszuwählen, sondern er wendet sich allen Menschen. Jederzeit und an jedem Ort. Und er bleibt uns Menschen treu. Gibt uns nicht auf, auch wenn wir immer wieder mal versagen.

Ich frage mich: Wie können wir das in Zahlen ausdrücken? Oder geht das gar nicht? Reichen doch unsere Worte kaum aus, um seinen Schalom für uns zu umschreiben.

Also, wenn ich mich auf eine Zahl festlegen müsste, dann wäre das wohl die Zahl acht. Dafür spricht nicht nur, dass sieben plus eins acht macht. Dafür spricht auch, dass wir die Zahl acht in einem Zug schreiben können, am Anfang wieder herauskommen und sie gleich noch einmal nachfahren können. Und noch einmal und noch einmal. Ja, nicht umsonst ist die auf die Seite gelegte acht in der Mathematik das Zeichen für „unendlich“. Und das ist für mich eine Zahl, die Gott noch am nächsten kommt, wenn auch nicht ganz.

Amen.

 

Lied EG 135 Schmückt das Fest mit Maien

 

So wollen wir miteinander Fürbitte halten:

Gott, du Quelle des Lebens, du hast uns zugesagt, dass du uns erlöst. Im Vertrauen darauf bitten wir dich: Breite deinen Geist aus unter denen, die politische Verantwortung tagen. Lass sie Wege erkennen und verwirklichen, die zu menschlichen Lösungen führen. Wege ohne Neid, Hass und Gewalt. Gerade auch in dieser Zeit, wo das Leben miteinander doch dermaßen durchgewirbelt wird. Lass sie erfahren, dass deine Weisheit immer neue Wege weist. Darum rufen wir zu dir: Hilf uns, im Frieden zu leben.

Breite deinen Geist aus unter denen, die verstummt sind in ihrer Not, weil sie nichts zu essen haben, kein Dach über dem Kopf finden, nicht frei sind zu tun, was ihnen guttut, keine Anerkennung finden, keine Menschen wissen, die bereit sind, ihre stummen Signale zu hören. Lass sie erfahren, dass du sie verstehst, auch wenn sie nichts sagen, und lass sie Menschen finden, die bereit sind, für sie zu sprechen. Darum rufen wir zu dir: Hilf uns, im Frieden zu leben.

Breite deinen Geist aus unter uns, deiner Gemeinde, dass wir spüren, was uns bedroht und von deinem Heil abhält; dass wir spüren, was uns von anderen trennt, aber auch was uns miteinander verbindet. Lass uns erfahren, was es heißt, wahrhaftig zu leben und zu lieben, miteinander zu lachen und zu weinen, füreinander da zu sein. Darum rufen wir zu dir: Hilf uns, im Frieden zu leben.

Breite deinen Geist aus unter denen, die wir in der vergangenen Woche zu Grabe getragen haben: Inge Sakowski, geb. Koppenhöfer und Karl Heinz Stutz. Lass sie so den Odem deiner lebendigen Gemeinschaft atmen, den der Tod uns nicht nehmen kann. Breite deinen Geist aus unter denen, die um sie trauer

Textfassung

Wir sind im Gottesdienst miteinander verbunden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Sprechen wir Worte aus Psalm 27:

Der Herr ist mein Licht und mein Heil;

     vor wem sollte ich mich fürchten?

Der Herr ist meines Lebens Kraft;

     vor wem sollte mir grauen?

Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:

     dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang,

zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn

     und seinen Tempel zu betrachten.

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;

     sei mir gnädig und erhöre mich!

Mein Herz hält dir vor dein Wort:

»Ihr sollt mein Antlitz suchen.«

     Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,

     verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!

Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht

     und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,

     aber der Herr nimmt mich auf.

Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde

     die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.

Harre des Herrn!

     Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lasst uns beten: Herr Jesus Christus, in deinen Worten zeigst du uns die Liebe Gottes, die allen Menschen gilt. Wir bitten dich um deinen Heiligen Geist, den du uns verheißen hast. Stärke und tröste uns durch ihn in den Anfechtungen, in die wir geraten. Lass uns durch deinen Geist innerlich erneuert werden, dass wir zur rechten Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Gib uns achtsame Sinne und lass uns die Welt um uns herum mit den Augen der Liebe betrachten. Amen.

 

EG 136, 1-4 (Noten: Siehe unten)

 

Hören wir Worte aus dem Alten Testament, wie sie in Jer. 31,31-34 stehen:

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.  Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: "Erkenne den HERRN", denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Predigt:

Liebe Schwestern und Brüder,

in den vergangenen Wochen haben wir immer wieder aufmerksam hingehört; Tag für Tag: Was gibt es heute für neue Zahlen zu Corona? Wie viele Menschen sind erkrankt – gestorben – genesen? Wie viele Intensivbetten sind belegt? Welche weiteren Einschränkungen gibt es? Wer bekommt welche staatlichen Hilfen?

Und noch genauer hören wir derzeit hin, wenn es um die Frage geht: Was dürfen wir wieder? Welche Einschränkungen werden zurückgenommen? Ab wann? Und unter welchen Bedingungen?

Und bei diesen Fragen, da werden wir angetrieben von dem Wunsch, endlich wieder unser altes Leben führen zu können. Die Kinder in die Kitas und die Schüler in die Schule. Die Erwachsenen zur Arbeit und die Senioren wieder einfach nur rausgehen: sei es zum Einkaufen oder Arztbesuch; sei es zum Kaffeetrinken oder Enkelkinder sehen. Jeder möchte wieder das tun können, wozu er Lust hat. Einfach seine Freiheit genießen und so in Würde leben können. Das ist es, was wir wollen; wonach wir uns sehnen; worauf wir wieder hoffen.

Doch werden wir wirklich wieder ein Leben führen wie vor Corona? Reicht es, wenn unsere Gesellschaft irgendwann durchseucht ist oder wir einen wirksamen Impfstoff haben? Ist dann wieder alles wie früher? Alles normal?

Wohl kaum. Corona hat es in unsere Geschichtsbücher geschafft. Genauso wie die Pest oder die spanische Grippe. Wie der zweite Weltkrieg und der Abwurf einer Atombombe. Corona hat unser aller Leben geprägt und wird es auch noch weiter tun. Beim einem mehr, bei anderen weniger.

Aber das macht keinen Unterschied. Es ist Teil unseres Lebens. Und damit wird unser aller Zukunft eine deutlich andere sein als ohne Corona. Da gibt es kein Zurück mehr. Das können wir nur annehmen. Und dann können wir es auch gestalten.

Der Prophet Jeremia – er musste auch mit ansehen, wie sein Volk einer existentiellen Bedrohung ausgesetzt war. Bei ihm war es zwar keine virologische, sondern eine militärische. Doch die war für sein Volk nicht weniger nachhaltig, da sie in großen Teilen aus ihrer Heimat in Gefangenschaft nach Babel deportiert worden sind.

Auch sie wünschten sich ihre Freiheit zurück; wieder in ihre Heimat zurückkehren und leben zu können so wie früher. Nach Jerusalem zu pilgern und im Tempel Gott Opfer darbringen zu können, gehörte mit Sicherheit dazu.

Doch diese Rückkehr zum Gewohnten, vielleicht auch alt Bewährten, - ist sie auch das, was Gott will? Oder man könnte hier vielleicht sogar noch schärfer, noch provokativer fragen: Ist sie das, was Gott je wollte?

Der Prophet Jeremia – er spricht hier von einem neuen Bund, den Gott mit seinem Volk schließen will. Und diese Aussage von einem neuen Bund – sie ist einzigartig im Alten Testament. Sie findet sich in dieser Form in keinem anderen Buch im ersten Teil der Bibel; bei keinem anderen Propheten.

Es hört sich so an, als hätte Gott den Bund vom Sinai abgehakt, aufgekündigt. Er kommt aber auch nicht als ein neuer Gott daher, der jetzt einen neuen Start mit ihnen wagt auf einer neuen Grundlage.

Doch eine neue Grundlage gibt es hier nicht. Jeremia wird nicht zum neuen Mose. Hier ist nicht vom Auszug aus der Gefangenschaft die Rede. Und es gibt auch keine neuen Gesetzestafeln in einer Bundeslade. Noch nicht einmal als Ersatz für die, die bei der Zerstörung des Tempels von den Babyloniern geraubt worden sind.

Und Gott spricht sie nach wie vor als „Haus Israel“ an. Er bezieht sich mit diesem Namen also auf Jakob, der nach seinem Kampf am Jabbok ja diesen neuen Namen bekommen hat: Israel. Und damit nimmt er dann auch Bezug auf Isaak und Abraham; auf die Väter, denen Gott sich schon offenbart hatte; die ihn als ihren Gott anerkannt hatten.

Die verschiedenen „Parteien“ sind also nach wie vor die gleichen: Gott und das Volk Israel. Es gibt auch keine neuen Gesetzestafeln, kein neues Regelwerk.

Und auch die Tatsache, dass er ihnen das Gesetz „ins Herz gibt“ und „in den Sinn“ schreibt, auch das ist nicht wirklich neu. Denn im Schema, im jüdischen Glaubensbekenntnis heißt es ja schon: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ Es war also von Anfang an klar, dass die Tafeln mit den Geboten nicht etwas rein Äußerliches sind, die zu befolgen sind, sondern sie sollen jeden einzelnen Menschen leiten aus sich heraus entsprechend zu handeln.

Doch was ist dann hier das Neue, das Jeremia verkündet? Warum spricht er hier wie kein anderer Prophet vor oder nach ihm von einem neuen Bund?

Ich denke, es sind zwei Dinge, die hier für das Volk Israel neu sind. Zunächst: Nachdem sie ihr Land und ihren heiligen Tempel verloren haben, nachdem sie in der Gefangenschaft erkannt haben, dass sie selbst zu diesem Verlust beigetragen haben und nicht Gott sie verlassen oder im Stich gelassen hat oder gar zu schwach war – nachdem ihnen dies alles klargeworden war, merkten sie: Gott ist immer noch für uns da. Er liebt uns nach wie vor. Er hat uns verziehen. Und er will, dass wir leben.

In dieser Liebe haben sie Gott erkannt. Und das führte dazu, dass diese Liebe nun auch sie ausfüllte und verwandelte. Sie konnten selbst wieder lieben: Gott wie auch den Nächsten.

Das – das war mehr als alles Befolgen von Geboten und Regeln. Denn es wurde nicht mehr durch die Gesetzestafeln von außen an sie herangetragen. Es kam jetzt gewissermaßen aus ihnen selbst, aus ihren Herzen heraus. Das konnte man ihnen abspüren.

Ja, sie wurden auf diese Weise regelrecht frei, und das obwohl sie nach wie vor in Gefangenschaft waren. Sie brauchten dafür nicht ihr eigenes Land; keinen eigenen Tempel, in dem sie Gott opferten und anbeteten. Sie haben in dieser Liebe, in Gott ihre Freiheit wiedergewonnen.

In den vergangenen beiden Wochen sind bei uns vermehrt Menschen auf die Straße gegangen, die ihre Freiheit wiederhaben wollen. Die Freiheit, die sie vorher hatten. Die Freiheit, die ihnen im Grundgesetz zugesichert ist. Sie haben genug vom Shut down, der sie so sehr einengt, zum Teil auch ihre Existenz bedroht. Nach wie vor, auch wenn es inzwischen einige Lockerungen gibt.

Doch ein Zurück – das kann es nicht geben. Da hilft es auch nicht das Corona-Virus zu verleugnen oder zu verharmlosen. Oder irgendwelchen Menschen, Organisationen oder auch Regierungen die Schuld für dieses Virus und seine Ausbreitung zu geben. Dafür sind einfach zu viele Menschen an diesem Virus erkrankt, gestorben; wurden und werden zu viele Menschen in ihrer sozialen und oder wirtschaftlichen Existenz bedroht. Dafür haben sich Mund-Nasen-Schutz, Ab-standhalten, Händedesinfektion und vieles mehr zu sehr in unserem Alltag etabliert.

Die vom Grundgesetz garantierte Freiheit – so wie wir sie bisher gewohnt waren – sie ist uns abhandengekommen. Der Virus hat sie uns genommen.

Und wir – wir müssen sie jetzt erst neu wiederfinden. Freiheit mit Corona, oder vielleicht auch Corona zum Trotz. Oder vielleicht sogar noch besser: Freiheit übe Corona hinaus.

Das hört sich jetzt für sie womöglich hochtrabend an. Und sie können sich nichts darunter vorstellen. Aber ich denke: Wir sind schon längst dabei diese Freiheit wiederzugewinnen, indem wir unsere alten Pfade und Denkweisen verlassen und uns umschauen, einander wieder zuwenden und neu orientieren. Und wir tun das überwiegend mit Menschenfreundlichkeit und Liebe.

Wenn sie sich umschauen, dann können sie es auch selbst wahrnehmen. Wir schauen, wo wir anderen helfen können; gründen dafür neue Netzwerke und schließen uns zusammen. Zum Beispiel wenn wir für ältere Menschen den Einkauf übernehmen, damit sie sich der Gefahr der Ansteckung nicht aussetzen müssen. Wenn wir für Menschen, die in Not geraten sind, Lebensmittelspenden sammeln und sie an sie verteilen.

Jetzt fallen ihnen sicher noch viel mehr Beispiele ein als ich ihnen hier aufzählen könnte. Und wenn wir sie alle zusammentragen würden, dann würden wir sehen, wie Menschenfreundlichkeit und Liebe sich ausbreiten und eine neue Freiheit begründen.

Ja, ich glaube, mit dieser Menschenfreundlichkeit und Liebe, die für mich von Gott kommt, die er in unsere Herzen gießt, mit ihr erlangen wir wieder Freiheit. Freiheit, die uns das Leben ganz neu spüren lässt. Freiheit, die Ausdruck eines neuen Bundes ist. Gott sei Dank!

Amen.

Neue Lieder plus 160, 1-4 (Freunde, dass der Mandelzweig – Noten: Sieh unten)

 

 

 

So wollen wir miteinander Fürbitte halten.

Jesus Christus, unser Trost und Leben sende uns deinen Heiligen Geist! Du bist die Barmherzigkeit, überwinde du den Hass. Du bist das Leben, besiege du den Tod. Du bist das Licht, tröste du die Trauernden. Wir denken an die Opfer des Terrors in aller Welt, an die Überlebenden und Traumatisierten aus den Krisengebieten. Wir bitten dich: Sende uns deinen Heiligen Geist und durchdringe die Welt mit deiner Liebe.

Du bist die Wahrheit, überwinde du die Lüge. Du bist die Gerechtigkeit, rühre du das Gewissen der Mächtigen an. Du bist der Frieden, bewahre deine Schöpfung vor Gier und Ausbeutung. Wir denken an alle, denen das zum Leben Nötige fehlt, an die Flüchtlinge in unserer Nachbarschaft. Wir bitten dich: Sende uns deinen Heiligen Geist und durchdringe die Welt mit deiner Liebe.

Du bist die Freude, teile du dich in Brot und Wein aus. Du bist das lebendige Wort, begeistere du deine Kirche. Du bist das Glück, segne uns. Wir denken an die Menschen aus unserer Gemeinde, die wir in der vergangenen Woche zu Grabe getragen haben:

Hedwig Mayer, geb. Köhler und
Karin Kurz geb. Herter.

Sei du ihnen nahe, wie wir es nicht mehr sein können. Und sei du den Menschen nahe, die um sie trauern und in deren Leben sie fehlen. Lass ihnen das lebendige Licht deiner Liebe leuchten. Wir bitten dich: Sende uns deinen Heiligen Geist und durchdringe die Welt mit deiner Liebe.

Jesus Christus, unser Trost und Leben, dir vertrauen wir uns und alle, die zu uns gehören an – heute und alle Tage! Und darum beten wir voll Vertrauen zu dir mit den Worten, die du uns beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Der Wochenspruch für die neue Woche steht in Joh. 12,32: Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

So lasst uns in diesen Tag und in die neue Woche gehen geleitet und behütet mit dem Segen unseres Herrn: Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns seinen Frieden.

 

Lieder zu Gottesdienst Pfr. Schatull

Gottesdienst von Pfr. Stetzer zum Sonntag "Exaudi"

mp3-Podcast der Predigt

Textfassung Predigt und Fürbitte

Predigttext (Jeremia 31, 31-34)

Siehe:
Tage kommen,
- Spruch des EWIGEN -
da schließe ich
mit dem Haus Israel
und dem Haus Juda
einen neuen Bund!

Nicht wie den Bund,
den ich schloss mit ihren Vätern,
am Tag, als ich sie bei ihrer Hand nahm,
um sie herauszuführen aus dem Land Ägypten,
welchen SIE gebrochen haben,
ICH hingegen stand für sie ein
 - wie ein Ehemann...
Spruch des EWIGEN!

Fürwahr:
Dies ist der Bund,
den ich schließen werde
mit dem Haus Israel
nach diesen Tagen:
 - Spruch des EWIGEN -
Ich werde geben
meine Weisung in ihr Inneres,
auf ihre Herzen
werde ich sie schreiben.

Und dann werde ich ihnen zum Gott
und sie werden mir zum Volk.
Und werden einander
nicht mehr belehren,
jemand seinen Mitbürger,
jemand seinen Bruder,
sagen:
Erkennt den EWIGEN!

Denn alle erkennen sie mich,
von ihren Kleinen
bis zu ihren Großen...
- Spruch des EWIGEN -
Denn ich werde ihnen ihre Schuld verzeihen
und ihrer Verfehlungen nicht mehr gedenken.

Predigt:

Liebe Gemeinde!
Poetische Worte -  die Worte aus dem Buch Jeremia...
Worte, die Hoffnung machen wollen angesichts der Katastrophe,
die das Thema im Jeremiabuch ist:

Die Zerstörung des Tempels in Jerusalem,
und die Verschleppung von allem,
was Rang und Namen hatte,
nach Babylon...

Eine selbstverschuldete Katastrophe,
so sieht es der Prophet...,
weil das Volk sich nicht an Gottes Weisungen hielt,
Religion in eine Show verwandelt hat,
...und auch nach außen eine völlig verkehrte Politik gemacht wurde...
...Menschen, denen der Maßstab abhanden gekommen war...
...die schlechterdings vergessen hatten,
...was ihnen gesagt,
was niedergeschrieben war...

Und so schön die Worte des Propheten auch klingen,
so sind sie doch gleichzeitig eine scharfsinnige Analyse dessen,
was schiefläuft, wenn in einer Gesellschaft etwas schiefläuft:

Die Maßstäbe rechten Handelns, sie sind nicht verinnerlicht!
Es wird sich mehr oder weniger an etwas gehalten,
weil einem gesagt wurde, dass man das so tut,
…im Laufe der Zeit eher weniger...
...denn es geschieht nicht aus Überzeugung!
...und so kommt man sich bevormundet vor -
...und es regt sich Widerstand...

Nun ist das am Anfang der Menschheitsgeschichte
erst auch mal nichts anderes möglich gewesen...

Als die Israeliten unter der Sklaverei in Ägypten litten,
brauchten sie erst einmal einen Anführer,
der sie ermutigte, ihnen sagte, wo es lang geht...
den Willen Gottes vermittelte...
sonst wären sie nicht aufgebrochen...
wären nirgenwo angekommen...

aber die Bibel lässt auch,
wenn wir uns die Geschichten aus jener Zeit ansehen,
keinen Zweifel daran, mit wieviel Widerstand und mit wieviel Konflikten das verbunden war...
- man denke an das golden Kalb, um nur eine der Geschichten zu nennen -

Da war nichts verinnerlicht...
...und Mose war Garant für den Bund mit Gott...
...ein Bund - der alles andere als auf Augenhöhe geschlossen war...
...etwas hatte von einer Hochzeit von zwei sehr ungleichen Partnern...
...das ist nämlich das Bild, das der Prophet hier gebraucht:

Er, Gott, der sich um alle Angelegenheiten kümmert...
...alles tut...
...Sie, die Braut Israel, diejenige,
die irgendwann daran zweifelt, dass er „der Richtige“ ist...

untreu wird -  wieder mit alten Göttern anbandelt -
 die so gar nichts von Seiner Erhabenheit haben...
...denen es nicht unbedingt um Gerechtigkeit geht,
und, dass der Schwache geschützt wird,

...ungleiche Paare -  sie haben nun mal,
wenn die Augenhöhe fehlt, ein riesengroßes Problem!

Ein Konstrukt, das so nicht zukunftsweisend ist...
...da muss etwas anderes her...
...so sieht es Gott selbst...
...und so gibt es Jeremia wieder!

Daher das ständige „Spruch des Ewigen“...

Was sagen will:
Das ist nicht meine, des Propheten, Privatmeinung!
Sondern das ist Gottes Verheißung!

Das sage ich nicht in meinem,
sondern in SEINEM Namen...

Es ist Gottes Vision von einer vollendeten Welt...
Menschen - die das, was gut und richtig ist,
so weit verinnerlicht haben...
dass sie darüber nicht mehr diskutieren brauchen...
sich nicht mehr belehren brauchen...

Augenhöhe untereinander
- vollkommene Augenhöhe...

Ja, Augenhöhe in gewisser Weise
auch gegenüber Gott...
in gewisser Weise...

weil Gott uns das ermöglicht -  
obwohl Gott natürlich Gott bleibt
 - und der Mensch Mensch...

Kein Zufall, dass uns diese Vision
heute ins Gedächtnis gerufen werden soll,
am Sonntag, an dem wir Himmelfahrt hinter uns haben
und uns Richtung Pfingsten orientieren...

Denn das, was da prophezeit wird
- dafür ist jetzt die Zeit reif...

Denn, das, was Gottes Weisung meint -
 es steht uns in Jesus Christus,
seinem Leben,  in seiner Hingabe,
uns in vollendetet Form vor Augen.

Christus ist die Vollendung der Weisung Gottes...
und sie möchte Teil von unserem Leben werden...
Gottes Weisung - die nach jüdischer Überzeugung in uns das Ebenbild Gottes wiederherstellt...

Die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten -  
sie möchte uns einen Übergang vor Augen führen...
...gemeinsam mit den frühen Christen sind wir eingeladen,
den Weg zur Reife unseres Glaubens zu gehen......
...zu einem mündigen Glauben......einem Glauben auf Augenhöhe...

Denn vierzig Tage wurde zunächst einmal intensiv
die Gegenwart Christi des Auferstandenen erlebt,
Erlebnis pur, das sich in phantastischen Geschichten Bahn gebrochen hat...

Aber das war keine Augenhöhe
 - der Meister war bei aller Freundschaft der Meister...
...so wie zu Lebzeiten - und doch anders...

Dann wurde langsam den Menschen, die dabei waren,
die kosmische Dimension bewusst...
...und dass es so nicht bleiben konnte...
...und auf einmal war er entrückt -

Jesus weniger der vertraute Freund und Meister,
sondern der,
der neue Maßstäbe setzt,
der Weltenherr...

...als solcher stand er vor Augen
und war doch fern...

Zehn Tage - so Lukas - sollte es dauern...
...bis sich die Szene nochmals änderte...
...sie voller Begeisterung fähig wurden,
das, was ihnen da vor Augen stand,
Teil von ihrem Leben werden zu lassen...
sich in ihr Herz schrieb…
Glaube auf Augenhöhe
- zumindest an jenem Pfingsttag...

Und?
Wie ist das bei uns heute?
Leben wir ganz ungebrochen das, wovon hier bei Jeremia die Rede ist?
Ist die Weisung Gottes so sehr in uns verankert,
dass wir noch nicht einmal mehr über das Gute zu diskutieren brauchen,
weil wir einfach auf unser Herz hören können?

Kommen wir wirklich ganz ohne Belehrung aus???

Wir kennen alle die Antwort!
Und weil dem so ist, ist es gut,
 jedes Jahr nochmal ein Stück weit den Weg zu gehen,
den auch die ersten Christen gegangen sind:
über die erste Osterfreude - die Entrückung Richtung Pfingsten...

auf dass das, das da geschehen will,
von Jahr zu Jahr einen größeren Raum in unserem Leben bekommt.

„Ich werde geben
meine Weisung in ihr Inneres,
auf ihre Herzen
werde ich sie schreiben.

Und dann werde ich ihnen zum Gott
und sie werden mir zum Volk.

Und werden einander nicht mehr belehren,
jemand seinen Mitbürger,
jemand seinen Bruder,
sagen:
Erkennt den EWIGEN!

Denn all erkennen sie mich,
von ihren Kleinen
bis zu ihren Großen...“

Versuchen wir vielleicht,
uns noch etwas vorzustellen,
wie eine solche Welt aussieht!

Was würde der Prophet sagen in der heutigen Situation...
...wozu würde ein Leben in der Präsenz Gottes,
die ja nun dank Jesus ein sehr konkretes Gesicht bekommen hat,
führen?

Einander nicht mehr belehren...
...heißt das, wir würden auch wissen,
was die richtigen Maßnahmen gegen Corona sind?

…weil wir dann alle Spezialisten sind
 - sowohl für Epidemiologie, wie Politik und Wirtschaft?
Wohl kaum!

Was aber nicht mehr zur Diskussion stehen würde,
worüber wir uns auch nicht zu belehren bräuchten,
wären die moralischen Maßstäbe,
Nächstenliebe,  Rücksichtsnahme gegenüber den Schwachen...
das Recht eines jeden Menschen auf Unversehrtsein...

Ist das klar,  kann sicher auch über vieles diskutiert werden
- ohne einander in bevormundendem Ton zu belehren:

Diskussionen auf Augenhöhe, auch kontroverse Diskussionen,
sie sind nämlich in komplexen Situationen hilfreich...

sofern man in Grundsätzlichem einig ist....
denn keiner kann alles überblicken…
und so bedürfen wir der gegenseitigen Korrektur.

...das gilt nicht nur für Corona - sondern auch all die anderen Diskussionen,
die uns einholen, wenn der Impfstoff das ist und Behandlung möglich...

...wir uns wieder dem Klima zuwenden...
...und vielem anderen...

Gott schenke uns allen - uns allen, nicht nur den Christen,
dazu den Geist, in dem sich die Liebe Christi verwirklicht.
AMEN

Fürbitten und Vater unser

Allgegenwärtiger Gott,
du bist uns verborgen,
denn wir verbergen uns vor dir.
Du bist uns fern,
denn wir fliehen dich.
Wer darf dich erkennen?

Komm zu uns und öffne unsere Sinne,
dass wir dich spüren,
wie du wirkst und Leben schaffst
in uns
und unter uns
und in allem,
was wir sehen und hören und erfahren.

Wir bitten dich um dein Erscheinen,
wo du fern zu sein scheinst,
bei denen, die vereinsamen und verdämmern
in Krankenhäusern und Pflegeheimen,
die sich vergessen fühlendie Zuneigung vermissen
und nicht mehr an deine und unsere Nähe glauben können.

Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich um dein Erscheinen,
wo du zu fehlen scheinst,
bei denen, derer Lebensperspektiven bedroht sind,
bei denen, die kalt und leer geworden sind
und verschlossen in ihren engen Kreisen,
bei denen, die nur noch weg wollen und nicht wissen wohin.

Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich um dein Erscheinen,
wo du dich zu entziehen scheinst,
bei denen, die Angst haben vor der Zukunft,
bei denen, die nicht glauben können

an deinen Weg mit uns,
bei denen, die Reichtum oder Rasse,
technisches Vermögen
oder den vermeintlich unentwegten Fortschritt
an deine Stelle setzen.

Wir rufen:
Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich um dein Erscheinen,
wo du fern zu sein scheinst,
in unserer Verworrenheit,
die wir das Nächste, deine Nähe nicht sehen,
die wir nicht spüren können,
wie du dich unentwegt nach uns sehnst und uns suchst.

Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Allgegenwärtiger Gott,
du bist uns verborgen,
denn wir verbergen uns vor dir.

Wo der Himmel verschlossen scheint und die Hoffnung verweht,
sei du uns der Weg ins Offene.

Wir möchten in deiner Gegenwart nun noch die Namen der Menschen nennen,

die wir in der vergangenen Woche zu ihrer letzten Ruhestätte geleitet haben:

Hedwig Mayer geb. Köhler, 81 Jahre
Karin Kurz geb. Herter , 77 Jahre

Herr,  auf dich vertrauen wir in Zeit und Ewigkeit,
Sei du bei den Angehörigen, den Menschen, die sie betrauern,
und stärke sie in der Gewissheit, dass unser Weg mit dir nicht an den Gräbern endet...
sondern sich in deiner Gegenwart vollendet.

Amen.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit

AMEN

Es segne und behüte euch Gott, der Allmächtige und Barmherzige,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. AMEN

"Tankstopp für die Seele"

Dialogpredigt von Pfrin Julia Heller und Pfr. Dr. Schmidt-Roscher

„Tankstopp für die Seele“

Dialogpredigt von Pfarrerin Julia Heller (JH) und Pfarrer Dr. Friedrich Schmidt-Roscher(FSR) beim Auto-Kino-Gottesdienst an Christi Himmelfahrt.

Lesung Johannes 17, 20-26

20 Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden,

21 dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.

22 Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind,

23 ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.

24 Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war.

25 Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast.

26 Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.

JH: Schau mal, Friedrich: so viele tolle Autos. Hast du dir eigentlich schon mal die Frage gestellt: Welches Auto würde Jesus fahren?

FSR: Jesus war gerne unter Leuten, ein Mann des Volkes. Er wäre bestimmt mit einem Volkswagen gefahren.

JH: Na, hör mal. Jesus war doch etwas ganz Besonderes. Ich hab‘ da noch Winfried Kretschmann im Ohr: „I konn do koi Fiat fahre!“ – Jesus im VW ..??? Messias, Gottes Sohn. Er wäre bestimmt Mercedes oder Porsche gefahren.

FSR: Luxuskarre - auf keinen Fall! Klar... Jesus hatte ja immer Menschen um sich. Er hat andere mitgenommen. Wenn schon Auto, dann ein Bus oder ein Transporter.

JH: Oder: Jesus ist ein Elektroauto gefahren. Ganz leise und emissionsfrei. Im Einklang mit der Schöpfung…

FSR: Alles Spekulation. In Wirklichkeit war Jesus viel unterwegs. Aber immer zu Fuß.

JH: Er ist Boot gefahren. Und dann hat er eine große Fahrt gemacht: Seine Himmelfahrt. 

FSR: Tja Himmelfahrt! Wir haben vorhin die Geschichte von seiner Himmelfahrt gehört. Jetzt ist er erst einmal weg. Das war für die Jünger nicht ganz einfach und auch für uns. Wir haben ihn nicht mehr vor Augen. Er ist nicht mehr da.

JH: So kannst du das aber auch nicht sagen. Das ist doch der Punkt bei Himmelfahrt. Jesus ist nicht weg, er ist jetzt anders, unsichtbar da. Er öffnet sozusagen den Himmel, er bringt den Himmel zu den Menschen. Er ist immer da, wo wir sind. Das hat er doch gesagt: Da, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, da ist er auch dabei! Er ist in der Gemeinschaft da. Deshalb ist uns als Christen die Gemeinschaft doch so wichtig!

FSR: Ja… von Gemeinschaft wird in dem Abschnitt bei Johannes ganz viel gesprochen. Und Gemeinschaft ist ja das, was viele Menschen in dieser Zeit am schmerzlichsten vermissen. Alles auf Abstand. Nicht mehr mit Freunden essen gehen. Großeltern nicht mehr umarmen können. Sich nicht mehr beim Sport treffen. Einige vermissen die Treffen ihres Frauenbundes. Ich vermisse montags die Proben von unserem Kirchenchor. Und ich hätte das kaum für möglich gehalten. Ich vermisse sogar meine Konfis. Irgendwo habe ich den Spruch gefunden:  Gemeinschaft ist mit Abstand das Schönste!

JH: Ja, vielleicht entdecken wir gerade wieder, wie wertvoll Gemeinschaft ist: andere zu sehen, sie in den Arm zu nehmen, sie zu spüren. Aber eigentlich glaube ich, dass christliche Gemeinschaft noch viel mehr ist. Wir reden ja im Glaubensbekenntnis von der „Gemeinschaft der Heiligen“. Das heißt doch im Grunde, dass wir als Christen alle zusammengehören. Über alle Grenzen hinweg. Also auch wenn wir verschiedene Sprachen sprechen und in verschiedenen Ländern wohnen, gehören wir durch unsere Taufe zusammen: Christen in Italien oder in Ghana oder in Schweden, hier in Hassloch oder in Böhl oder in Wachenheim: Christen auf der ganzen Welt sind eine große Gemeinschaft!

FSR: Eine Gemeinschaft um die ganze Welt herum – und nicht nur das! Diese Gemeinschaft geht ja bis zum Himmel. Jesus spricht in diesem Gebet von seiner Gemeinschaft mit Gott. Ich und der Vater sind eins. Es ist so eine Art himmlischen Wohn-Gemeinschaft von Jesus und Gott. Und wir haben daran Anteil, könnte man sagen. Wir werden mitaufgenommen.  

JH: Jetzt reden wir hier immer von „Gemeinschaft“ – aber hier sitzen alle in ihrem eigenen Auto. Voneinander getrennt durch Blech und Kunststoffscheiben…. Wobei… Hast du schon mal über all die Autos geschaut?
Von hier aus gesehen sind die vielen Autos auch eine Gemeinschaft.

FSR: Stimmt! – Also, ich bin ja nicht so der Autofahrer. Ich bin mehr der Radfahrer. Aber wenn man in ein Auto reinschaut, dann merkt man schnell, dass ihr Auto für sie etwas sehr Persönliches ist. Ich glaube, jeder hier könnte etwas über sein eigenes Auto erzählen. Jedes Auto ist so individuell wie jeder einzelne Mensch!

JH: … aber gleichzeitig haben ja alle Autos auch etwas gemeinsam. Sie sind alle Verkehrsteilnehmer. Oder, wenn du es lieber etwas poetischer möchtest: Wir alle, Menschen wie Autos, sind unterwegs auf der Straße des Lebens….

FSR: … und zwar zusammen. Als christliche Gemeinschaft. Das verbindet uns. Und noch etwas Anderes fällt mir gerade auf.

JH: Was meinst du?

FSR: Schau mal: alle Autos sind gerade nach hier vorne ausgerichtet, hierher, zur Leinwand. Das ist bei uns Christen als Gemeinschaft auch so! Wir sind auch alle in die gleiche Richtung ausgerichtet, wir haben auch alle das gleiche Ziel!

JH: …. Wir wollen uns nach Gott ausrichten und sind unterwegs zu ihm…. Stimmt. Das kann man vergleichen. Mir fällt noch etwas auf – was gerade hier im AutoKinoGottesdienst genauso ist wie bei der Gemeinschaft der Christen!

FSR: … Du meinst den Stillstand?

JH: Nein! Ich meine die Art und Weise, wie gerade unsere Stimmen zu den Menschen kommen.

FSR: Christen sollen Radio hören?

JH: Nein…. Oder doch. Zumindest sich innerlich auf Empfang einstellen. Innerlich ruhig werden, damit überhaupt was durchdringen kann. Dann spricht Gott mitten ins Innere hinein. Unser Auto-Innenraum…. Das ist unser Herz!

FSR: Ach Julia, jetzt wirst du aber wieder poetisch. Wobei wir ja auch zu einer Gemeinschaft werden, weil Gott zu uns allen spricht. Weil wir alle auf Empfang eingestellt sind. Dietrich Bonhoeffer, an dessen 75. Todestag wir uns erinnern, hat da etwas Kluges gesagt. Einheit bei Christen bedeutet nicht, dass wir alle gleich denken müssen oder gleich fühlen. Wir sind verbunden und haben Gemeinschaft trotz unserer Unterschiede, weil uns Christus verbindet.

JH: …Und dann gibt es ja noch die Hinweisschilder.

FSR: Du meinst Verkehrsschilder?

JH: Ja, Schilder, die regeln, wie und wo wir fahren sollen – wo es lang geht zu unserem Ziel. Die uns die Richtung zeigen.

FSR: Die Gebote. Das sind Weisungen, die nicht nur zeigen, wohin wir fahren sollen, sondern wie wir gut leben können. Zum Beispiel die 10 Gebote, die uns zum Leben führen. Jesus spricht in dem Gebet ja auch von dem Liebesgebot. Darin zeigen wir, dass wir zu ihm dazu gehören.

JH: Dieses Gebot und die anderen gelten wieder für die ganze Gemeinschaft und nicht nur für einen! Sie sollen ja eine gute Gemeinschaft, ein gutes Miteinander ermöglichen.

FSR: Und wer viel unterwegs ist, muss ja auch immer wieder auftanken.

JH: Klar! Die Autos… aber die Seele auch. Also: wo für mein Auto die nächste Tankstelle ist, weiß ich. Aber wo tankt die Seele auf?

FSR: Das ist wahrscheinlich ganz unterschiedlich. Ich glaube, Gott gibt uns ganz verschiedene Gelegenheiten, aufzutanken und neue Kraft zu kriegen. Für mich ist das zum Beispiel, am Morgen ganz früh laufen zu gehen – oder, wenn ich mit anderen zusammen Gottesdienst feiere.

JH: Ich merke, dass es mir gut tut, wenn ich mit anderen ein gutes Gespräch führe. Ich hatte an Ostersonntag ein Gespräch in der Kirche ein zufälliges Gespräch mit einer Bekannten – das hat mir richtig gut getan. Oder Singen! Singen tut meiner Seele gut. Deshalb ist es ja so schwierig, dass es gerade eingeschränkt ist.

FSR: Gott hat ganz verschiedene Wege, uns mit Kraft zu füllen. Wenn ich bete, spüre die ich die Verbindung zu Gott – das tut mir gut.

JH: Es ist immer ein Auftanken, wenn wir etwas von Gottes Gegenwart erfahren. Das ist sogar mehr als Auftanken. Das ist wie bei einem Tankstopp, bei dem auch noch einer kommt, der mit einem Wischer (ZEIGEN!) die Windschutzscheiben sauber macht. Kennst du das? Dann ist nicht nur der Tank voll, sondern auch die Scheiben sind wieder sauber. Das ist richtig gut!  Plötzlich ist der ganze Dreck, die ganzen Schlieren, weg. Ich hab wieder Durchblick. Alles beginnt zu glänzen.

FSR: Das ist jetzt lustig, wie du das beschreibst. Genau das kommt nämlich in dem Bibeltext vor. Da ist die Rede davon, dass wir Anteil haben an der Herrlichkeit, die Gott schenkt. Das Wort für „Herrlichkeit“ bedeutet eigentlich auch „Glanz“.

JH: Das heißt, Gott, bringt unser Leben zum Glänzen….es bekommt Glanz und Glamour durch ihn. Das ist eine großartige Zusage. Sogar wo unser Leben ganz stumpf ist, wo wir dunkle Gedanken haben und die Stimmung ganz trüb ist, kann Gott unser Leben erhellen! Wir müssen ihn nur machen lassen.

FSR: Das Wort „doxa“, das da verwendet wird, bedeutet ja auch Ansehen. Weil Gott uns ansieht, weil wir in seinem Glanz stehen, können wir uns sehen lassen. - Wir leben ja in einer Welt, wo die Größe und der Preis eines Autos auch mit Menschen etwas macht. Da besteht die Gefahr, dass man Menschen sich deshalb wichtig vorkommen. Aber hier ist es anders. Gott sieht uns an und deshalb sind wir alle ansehnlich und können glänzen.

JH: Weißt du was? Ich habe gerade etwas verstanden. Wir haben doch vorhin überlegt, was für ein Auto Jesus fahren würde. Ich glaube, das ist völlig egal. Ich glaube, entscheidend ist, dass Jesus nicht allein wegfährt. Er würde – um im Bild zu bleiben – wollen, dass jeder von uns seinen Führerschein macht und seine Autotüren aufmacht und ganz viele Menschen einlädt, mitzufahren. Und dann würde er vorweg fahren. Unser Vorfahrer! Und würde wollen, dass wir ihm nachfahren. Nachfolgen!

FSR: Und jeder würde sein eigenes Auto fahren in seinem eigenen Fahrstil. Und manche folgen auch mit dem Rad oder mit dem Tandem. Aber die Richtung wäre von ihm vorgegeben. Und wir folgen ihm einfach und kommen dann alle ans Ziel….

JH: Stell dir mal vor, Friedrich, wenn wir alle, die wir hier beim AutoKinoGottesdienst sind, das jetzt nicht vergessen würden – dass wir mit Gott unterwegs sind…. Bei ihm immer auftanken dürfen…. von ihm Durchblick kriegen… und ihm folgen….

FSR: … und alle zur großen Gemeinschaft der Heiligen gehören!
„Heiligs Blechle!“ Das wäre mal eine Himmelfahrt!

Beide:  Amen.

Zwei Hoffnungsworte zum Sonntag "Rogate"

- Pfr. Dr. Schmidt-Roscher und Pfr. Stetzer -

Sonntag "Rogate" - "Betet":
Beide Worte liegen jeweils nur in Textform vor:

  • Pfr. Dr. Schmidt-Roscher: Predigt zum Sonntagstext und Fürbitten
  • Pfr. Stetzer: Gedanken zum Thema "Gebet" anhand des Sonntagstextes

Bitte auf die Textfelder klicken!

Hoffnungswort für den Sonntag Rogate „Betet“ 17.5. 2020 aus der Prot. Kirchengemeinde Haßloch

Von Pfarrer Dr. Friedrich Schmidt-Roscher

 

Liebe Schwestern und Brüder,

den Predigttext für diesen Sonntag finden wir im Matthäusevangelium 5,5-15:

5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. 7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.] 14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

„Not lehrt beten“, sagt man.

Aber stimmt dieser Satz?

Führt Not nicht zu Angst und Sorge?

Gehen Menschen mit Angst um ihre wirtschaftliche Zukunft nicht eher zum Protest auf die Straße?

Oder halten manche Menschen in Not nicht sogar absurde Verschwörungstheorien für möglich?

Not lehrt selten beten. 

Aber Jesus lehrt beten. Jesus bringt den Frauen und Männern, die ihn begleitet haben, das Beten bei.

Das verwundert zunächst. Seine Begleiter waren doch Juden und Jüdinnen, zu deren religiösen Praxis das tägliche Gebet gehörte. Es scheint Jesus nicht um irgendein Beten, sondern um das richtige Beten zu gehen.

Denn im Beten richten wir uns an Gott. Es ist ein Dialog, eine Begegnung von Mensch und Gott. Das Beten ist kinderleicht und erwachsenenschwer. Es geht leicht und doch geht es auch leicht verkehrt.

Das Gebet Jesu, das „Unser Vater“ verrückt meinen Ansprechpartner. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass ich Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde so familiär ansprechen kann. Denn das aramäische Wort „Abba“, das Jesus verwendet, heißt eigentlich „Papa“. Es ist die vertraute Anrede des Kindes an seinen Vater.

Vater ist also der Ausdruck meiner Nähe zu Gott. So selbstverständlich-kindlich kann ich mit Gott reden. Wenn ich bete, dann mit der Zuversicht, das Gott hört und für mich da ist.

Ich erinnere mich an eine Frau, die mir mal erzählt, dass die Vateranrede ihr das Beten schwermache. Bei diesem Wort komme die Erinnerung an ihren gewalttätigen leiblichen Vater hoch.

In der Vateranrede geht es nicht um eine Vermännlichung Gottes, sondern um liebevolle Nähe. Um ein Du, das für mich sorgt. Warum sollte die Frau, die bei dem Wort „Vater“ böse Erinnerungen hochkommen, nicht von Gott als liebender Mutter sprechen?

Gleich zu Beginn hat das Gebet Jesu einen Spannungsbogen. Vater unser im Himmel. Es geht um den nahen und mir zugewandten Gott. Aber es ist eben nicht mein Gott. „Ich habe ihn nicht im Sack“. Er bleibt doch „der Andere“, wie Karl Barth ihn genannt hat, der Ewige. Eine Gefahr unseres Glaubens, gerade dann, wenn ich mich Gott nahe fühle, ist, dass ich meine, über ihn verfügen zu können. Das Wort „Himmel“ macht deutlich: Gott bleibt mein Gegenüber. Und auch alle meine Bitten, die ich an Gott richte, bleiben dann umschlossen von dem Satz „Dein Wille geschehe.“

Diese Nähe und Weite Gottes in der ersten Zeile, hilft mir zu beten. Ich kann mich ganz kindlich an Gott richten, mit allem, was mich beschäftigt oder quält. Ich hoffe, dass er mich hört, aber ich weiß auch, dass viele Menschen sich an ihn wenden und alle Bitten dann doch etwas mit seinem Willen und Weg zu tun haben.

So wie Eltern nicht alle Bitten ihrer Kinder erfüllen, weil sie weiter sehen als diese, so wird der himmlische Vater auch nicht alle meine Bitten erfüllen.

Jesus korrigiert mit seinen Worten zwei Fehlentwicklungen des Betens. Es sind Gefahren, die es damals gab und heute auch noch. Das eine ist, dass mein Beten eine Selbstdarstellung wird.

Ich bin oft beeindruckt, wenn ich sehe, wie amerikanische Sportler vor einem Wettkampf demonstrativ sich zu einem stillen Gebet vereinen. Aber es gibt auch ein Beten dort und bei uns, wo nicht mehr Gott der Adressat ist, sondern die Öffentlichkeit. Ich stelle mein Beten zur Schau.

Ganz unangenehm finde ich – und das haben Sie sicherlich auch schon erlebt – wenn das Beten sich nicht mehr an Gott richtet, sondern an die Menschen, die anwesend sind. Denen will ich mit meinem Gebet etwas mitgeben. Das klingt manchmal ungeheuer fromm, ist aber ein falsches Beten. Oder wenn ein Gebet zu einer 2. Predigt wird.

Um das zu vermeiden, schlägt Jesus vor in der Vorratskammer zu beten. Also sich aus der Öffentlichkeit komplett zurückzuziehen. Mit diesem drastischen Bild will Jesus deutlich machen, dass das persönliche Gebet etwas sehr Intimes ist. Vielleicht beten deshalb viele Christen auch für sich und allein, oft am Morgen noch im Bett oder auch abends.

Die zweite Gefahr, die Jesus sehr direkt anspricht, ist das Plappern. Dass ich beim Beten viel zu viel Worte mache. Auch das ist ja eine fromme Versuchung, gerade für Menschen, denen gut und leicht Worte über die Lippen kommen.

Jesus kritisiert diese zu vielen Worte, mit einer ganz wichtigen Aussage über Gott. Der himmlische Vater weiß längst, bevor ein Wort über meine Lippen kommt, was mir fehlt. Dieses Vertrauen auf Gott, erspart mir lange oder langatmige Gebete.

Dieses Vertrauen sollte aber nicht so missverstanden werden, dass ich auf jedes Gebet verzichten kann. Denn, wenn wir beten, dann wird die Verbindung zu Gott lebendig gehalten, dann bleiben wir im Austausch mit ihm. Für mich bedeutet es eher eine Ermutigung zum Beten. Auch wenn mein Gebet nur aus wenigen Worten besteht, darf ich mich an Gott wenden. Er versteht auch all das andere, was hinter meinen Worten an Not liegt. Auch wenn mein Beten ein Suchen nach Worten ist, ein Stottern oder ein Stöhnen, so versteht mich Gott dennoch.

In der Predigt heute fehlt die Zeit, um alle Bitten des Vaterunsers wirklich zu vertiefen. Ich kann auch getrost darauf verzichten, weil wir in der letzten Sommerkirche schon ausführlich darüber gehört haben – und sie waren sicherlich da und haben das noch ganz im Ohr und im Herzen.

Aber eine Bitte ist mir ganz besonders wichtig. Auf sie will ich am Ende noch eingehen: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“.

Wer betet, faltet die Hände und ist ganz bei der Sache. In einer Zeit, in der alle aktiv sein wollen, gerät das Beten so leicht in Verdacht, Untätigkeit zu bedeuten. Manchmal wird auch von der Alternativen gesprochen: Beten oder Handeln. Die Verbindung der Bitte, dass Gott uns vergibt und der Handlung, dass wir anderen vergeben, zeigt aber etwas Anderes. Es geht immer um Beten und Handeln. Oder wie es Dietrich Bonhoeffer so prägnant ausgedrückt hat: Beten und Tun des Gerechten.

Beten ersetzt nicht unsere christliche Nächstenliebe oder unser beherztes Eingreifen. Aber Beten kann mir die Kraft geben oder den Mut, einzugreifen oder zu helfen. 

Wer betet, der bittet, dass Gott selbst etwas bewirkt, indem sein Geist andere Menschen beflügelt, tätig zu werden. Gottes Geist kann ganz unterschiedliche Menschen in Bewegung setzen. Christen und Nichtchristen.

Zurück zur Vergebungsbitte, liebe Schwestern und Brüder, und dem Zusammenhang von der Vergebung Gottes und meiner Bereitschaft, anderen zu vergeben. Manche Menschen haben die Vorstellung, Gott vergebe nur, wenn ich auch allen Menschen vergebe.

So verstehe ich Jesus nicht. Und ich weiß auch als Seelsorger, dass es Frauen und Männer gibt, die schwere innere Verletzungen mit sich tragen. Es fällt ihnen schwer, dem Täter zu vergeben.

Die Vergebungsbereitschaft Gottes geht in meinen Augen immer vor. Gott vergibt uns durch Jesus Christus unsere Schuld. Er beginnt mit der Versöhnung bei mir.

Und diese zugesagte Vergebung kann in mir befreiend wirken. Menschen, die selbst Vergebung an sich erfahren haben, können leichter anderen vergeben.

Diese Lebenserfahrung habe ich auch häufiger gemacht:  Menschen, die von eigener Schuld oder eigenem Versagen nichts wissen, Menschen, die bei sich keine Fehler sehen, fällt natürlich auch schwer, anderen etwas zu vergeben. Wer aber weiß, wie sehr er oder sie auf Gottes Vergebung angewiesen ist, der kann leichter einem anderen vergeben.

Jesus lehrt beten. Er will, dass ich, dass wir mit Gott in Verbindung bleiben. Den Mut behalten. Und fröhliche Christenmenschen sind. Amen.

 

Fürbitten

Gott, unser Vater im Himmel,

du hörst, wenn wir nach dir rufen.

Höre, mein Seufzen und unser Klagen.

Höre, auch unsere stummen Gebete.

Ermutige uns, dass wir mit dir im Gespräch bleiben.

Vor dich bringen wir in der Stille, was uns belastet:

 

Gemeinsam rufen wir: Gott, erbarme dich.

Gott, du tröstest und, wie eine Mutter tröstet.

Lass uns in unserem Beten deine Nähe erfahren.

Hilf uns auch dein Schweigen zu ertragen.

Wir bitten für Eltern und Großeltern, dass sie ihren Kindern das Beten weitergeben.

Wir bitten für die Menschen die überlastet sind, die sich große Sorgen machen. Sorge du für sie.

Vor dich bringen wir in der Stille, unsere Bitten:

 

Gemeinsam rufen wir: Gott, erbarme dich

Gott, du Liebender,

Erneuere deine Schöpfung und auch uns.

Dass Menschen aufatmen können,

dass Frieden werde und Gerechtigkeit wachse,

dass wir einander vergeben können.

Wir gedenken der Menschen, die wir zu Grabe tragen mussten.

Thea Stoll, geb. Hoffmann 87 Jahre

Erika Schäfer, geb. Duttenhöfer, 81 Jahre

Emil Bub, 94 Jahre

Karl Heinz Stahler, 76 Jahre

Helga Wilhelm, geb.  Herrmann, 85 Jahre

Vollende den Weg dieser Geschwister in deinem himmlischen Reich.

Stehe den Angehörigen bei durch Trost und Hoffnung. Amen.

Vaterunser…

 

 

Segen

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Gott erheb sein Angesicht über dich und schenke dir Frieden. Amen.

 

Gedanken anhand des Predigttextes zum Thema „Gebet“:

(Matthäus 6, 5-15 – eigene Übersetzung)

Und wenn ihr betet,
seid nicht wie die Heuchler:
Die stehen nämlich gerne in Synagogen und an den Straßenecken um zu beten,
um sich so den Menschen zu zeigen.
Wahrhhaftig, wahrhaftig, ich sage euch:
Die haben ihren Lohn bereits bekommen.

Du aber, wenn du betest,
geh in deine Privatkammer,
verschließ deine Tür,
um zu deinem Vater zu beten,
der im Verborgenen ist,
und dein Vater,
der im Verborgenen schaut,
wird es dir lohnen.

Wenn ihr betet,
werft nicht mit Worten um euch
wie die Heiden,
die glauben,
wegen ihrer Geschwätzigkeit Gehör zu finden.
Tut es ihnen nicht gleich:

Denn euer Vater weiß,
was ihr braucht, bevor ihr ihn darum bittet.

So nun sollt ihr beten:
Unser Vater in den Himmeln,
geheiligt werde dein Name,
es komme deine Herrschaft,
es geschehe dein Wille,
wie im Himmel, so auf Erden,
unser Brot, das wir zum Leben brauchen, das gib uns heute,
und vergib uns unsere Schulden,
wie auch wir hiermit sie unseren Schuldnern vergeben,
und führe uns nicht in Versuchung,sondern errette uns von dem Bösen...

Denn
wenn ihr den Menschen ihre Übertretungen vergebt,
wird auch euch euer Vater in den Himmeln vergeben.
Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt,
wird auch euer Vater euch eure Übertretungen nicht vergeben.

 

Liebe Gemeinde!

Knapp sollte es sein, das Gebet -
 nicht viele Worte machen...
ein vertrauensvolles sich Wenden an den,
 der einen besser kennt als man sich selbst...
...unsere Bedürfnisse kennt, besser als wir sie selbst...
Gebet - eine Zwiesprache mit Gott...
bestimmt  für die stille Kammer...
...in der man Gott das anvertraut, was man sonst niemandem anvertraut -
oder nur einem sehr guten Freund...,
- aber nicht nur für die stille Kammer:

Denn das Gebet, das hier in diesem Zusammenhang genannt wird,
in all seiner Knappheit war sicher auch für die Öffentlichkeit bestimmt,
sollte auch in Gemeinschaft gebetet werden,
so, wie wir es bis auf den heutigen Tag tun,
in nahezu jedem Gottesdienst!
...will mehr sein als die private Zwiesprache des einzelnen Glaubenden...
... will Zwiesprache mit Gemeinschaftssinn verbinden...
...kann helfen, beim stillen Gebet nicht abzudriften...
...denn es ruft mir auch in der Kammer ins Bewusstsein:
...Ich bin Teil einer Gemeinschaft...
...als solcher stehe ich vor Gott...
...als solcher bete ich zu Gott...

Bitte um das Kommen seiner Herrschaft,
dass das, was im Himmel,
in der Vorstellung Gottes bereits existiert,
auch hier mehr und mehr Wirklichkeit werde!

Bitte darum, dass wir immer das haben,
was wir für unser Leben brauchen,
damit nicht die Sorge um den Alltag uns in Beschlag nimmt,
sondern wir uns ganz unserem Auftrag widmen können:
für Gottes Neue Welt einzutreten...

Die Bitte um Vergebung - gekoppelt an die Bereitschaft,
anderen zu vergeben......“wie auch wir hiermit vergeben“,
heißt es wörtlich,
oder“ vergeben haben“...

Etwas, so wichtig, dass es Jesus danach nochmals thematisiert:
Wir brauchen eine Atmosphäre, in der Menschen einander nicht verurteilen,
die nicht von Rechthaberei, sondern die von gegenseitigem Vergeben bestimmt ist..,
nur dort gedeiht die Liebe Gottes...

Und schließlich:
Die Bitte, nicht in Versuchung geführt zu werden...
...Jesus weiß, wovon er redet...
...denken Sie an die Versuchungsgeschichte!

Die größten Versuchungen unserer Zeit sind vielleicht anderer Art:
Vielleicht ist in einer schwierigen Situation wie der heutigen
die Anfälligkeit für Verschwörungstheorien und einfache Antworten
eine der größten Versuchungen...
„ ...und führe uns nicht in Versuchung...
...sondern errette uns vor dem Bösen...“

Das Gebet Jesu - ein wichtiger Kristallisationspunkt...
...etwas, das es nicht verdient, zu einer Konvention zu verkommen...
...sondern bewusst gesprochen werden sollte -
...im Gottesdienst - und auch in der Kammer...

Und wir sollten uns Zeit nehmen für Gott!
Denn Glaube, das ist nicht einfach, eine Überzeugung hegen,
auch nicht die Überzeugung, dass Jesus Christus mich erlöst hat.
Glaube ist nicht, eine Wahrheit vor sich hertragen!

Nein, Glaube ist ein Beziehungsgeschehen, ein Beziehungsgeschehen
 - das bei uns Christen seine besondere Qualität dadurch erhält,
dass wir auf die grenzenlose Liebe Gottes,
die in Jesus Christus Gestalt bekommen hat,
vertrauen dürfen...

Ich bin davon überzeugt, dass ein großer Teil der Krise,
 in der sich das Christentum befindet,
 damit zusammenhängt, dass selbst bei vielen Leuten,
 die sich als Christen verstehen, das Gebet nur am Rande eine Rolle spielt...
...obwohl es eigentlich das Zentrum sein sollte...

...und andere wiederum in Formen des Betens hineinwachsen...
...die sie übernehmen, ohne weiter darüber nachzudenken...

Grund genug, sich ein paar Gedanken zu machen über eigene Gebetspraxis -
ganz unabhängig davon,
ob ich nun eher jemand bin, der generell Schwierigkeiten mit dem Beten hat..,
oder einer, der es vor allem in fest gefügter Form im Gottesdienst,
beim Tisch- und Abendgebet kennt,
oder einer bin, der häufig betet, Erfahrung mit freien Gebetsgemeinschaften hat
und ähnlichem.

„Wie finde ich zu einer eigenen - authentischen - Gebetspraxis?“.

Eine Frage, die wir uns stellen sollten in einer Zeit,
in der viele Menschen auf der Suche sind...

...und mittlerweile häufig eher fernöstliche Religionen
mit tiefgreifenden Erfahrungen verbinden...

Yoga ist beliebt - ebenfalls Zen...
...beliebt durchaus auch bei Christen, die ihrem Glauben treu bleiben...

...weil sie sich in ganz anderer Weise erleben...
...und es zweifelsohne viele Menschen zum Guten verändert...
...obwohl wir eigentlich - sofern wir uns auf das Gebet wirklich intensiv einlassen,
dort etwas erfahren können,
 wofür es in östlichen Religionen keine Entsprechung gibt...

...denn die Vorstellung eines persönlichen Gottes,
die ist diesen Religionen eher fremd...

...und die Begegnung mit IHM wird nicht gesucht,
 sondern nur die Versenkung...ein Einswerden mit allem...
das wahre Selbst......die absolute Leere...

- nicht die Zwiesprache mit einem Gott,
 der uns den Horizont weitet, einen neuen Blick auf uns ermöglicht,
auf unsere Mitmenschen, die Welt,

- nicht die Begegnung mit der Liebe Christi,
 die alles durchdringt, uns umgestalten will.

Seltsamerweise verbinden viele den Begriff „Meditation“
mit den genannten asiatischen Praktiken,
obwohl dieser Begriff aus dem Lateinischen kommt
und in ganz engem Zusammenhang mit dem Gebet steht:

Meditation, das ist die Betrachtung eines Bibelverses oder einer Glaubenswahrheit
in der Gegenwart Gottes -
Betrachtung - das heißt ich lasse das, was ich betrachte, auf mich wirken
 - kein Nachdenken...
...neue Einsichten, sie stellen sich gerade dadurch ein,
dass ich nicht rational darüber nachdenke...

...und wenn dann der Gegenstand ganz verschwindet
 - spricht man von „Kontemplation“...
...Kein Gedanke stellt sich mehr zwischen den Beter und Gott...
...eine enge Verbindung stellt sich ein,
die manchmal auch als Einheit erlebt wird...
...etwas, was sicher der Erfahrung im Zen ähnelt
 - und doch letztlich etwas anderes ist und bleibt:
nämlich ein Gebet!

Etwas, was über reine Versenkung hinausgeht und andere Horizonte eröffnet!
Eine wichtige Erfahrung, die mich auch das Gebet neu erleben lassen kann...

In die Stille eintreten, die innere Geschwätzigkeit hinter sich lassen,
die Projektionen, vielleicht auch manch verzerrtes Bild, das ich von Gott habe,
die Wunschprojektionen, die Angstbilder, die Zerrbilder von mir und anderen.

...nicht alles Mögliche für Eingebungen Gottes halten...

...werde im Laufe der Zeit lernen, Dinge deutlicher zu unterscheiden:

Werde z.B. begreifen, dass die innere Stimme, die zuweilen in mir zu hören ist
und mich gnadenlos kritisiert,
nicht die Stimme Gottes ist......sondern eher ein Produkt meiner Erziehung
(der innere Kritiker und der Umgang damit – übrigens auch ein Thema in der Psychotherapie).

Ich werde mit der Zeit begreifen,
dass es sich ganz anders anfühlt,
 wenn Gott mir meine Fehler und Schwächen vor Augen führt...
liebevoll - konstruktiv......es tun sich Perspektiven auf...
...Zwiesprache mitten im Schweigen......manchmal - nicht immer...

Wo Gott Raum gewinnt - die Projektionen verschwinden,
da weitet sich der Horizont...
und ich erhalte Antwort auf die drängendsten Fragen...

Die Einübung in die Kontemplation kann ein wichtiger Schritt sein
zu einer erneuerten Gebetspraxis...

Ich werde künftig dazu neigen, bei jedem Gebet erst einmal innezuhalten...
...bei frei formulierten Gebeten in der Gruppe nicht drauf losreden,
 sondern schauen, was sich aus der Tiefe entwickelt - in den Resonanzraum eintritt,
 der zwischen mir, den anderen und Gott entsteht,

nur das sagen, was nötig ist...

Sagt nicht auch Jesus, wir sollten nicht zuviel Worte machen?
Achtsam umgehen mit der besonderen Beziehung zu Gott,
in die wir treten...zu Gott - zu Jesus
...mit einem Gespür für das, was angemessen ist - und was nicht...
sensibel werden für die Gegenwart des Geistes...

Wir brauchen für diese Erfahrung, liebe Gemeinde, das ist meine Überzeugung,
 nicht religiös hochbegabt zu sein...
...und wir brauchen dazu auch nicht an paranormale Phänomene zu glauben,
 denn damit hat das nichts zu tun!

Wir brauchen nur zu begreifen,
 dass die Beziehung zu Gott, der sich uns in Jesus gezeigt hat,
 wie jede andere Beziehung gepflegt werden will...
...obwohl die Zweisprache mit Gott natürlich
etwas ganz anderes ist
als ein Gespräch mit jemand anderem,
wir manchmal auch erst Sein Schweigen aushalten müssen...
...warum auch immer...
...und dann womöglich staunen,
dass uns die Antwort auf unsere Frage genau dann,
in dem Augenblick, zufiel,
als wir nicht mehr darauf warteten.

Wie viel Zeit nehmen wir uns doch für Freunde,  Hobbies, Fernsehen, Computer?
Sollte da nicht umso mehr Zeit sein für Gott, eine Zeit des Innehaltens,
 des Stillwerdens, des Betens?
Sind da zwanzig Minuten - eine halbe Stunde am Tag wirklich zu viel?
Schließlich geht es da doch um mich, um mein Leben, um meine Bestimmung!

Und was kann es Wichtigeres geben, als darin echt, authentisch zu werden...
...kein anderer sein zu wollen, als der, der ich bin...

Was dies heißt, das kann man vielleicht verstehen,
wenn man das Gebet von Dietrich Bonhoeffer auf sich wirken lässt,
mit dem ich meine Gedanken zum Gebet heute beschließen möchte,
geschrieben wurde es von ihm während seiner Haft:

 

            Gott, zu dir rufe ich am frühen Morgen

            hilf mir beten und meine Gedanken sammeln;

            ich kann es nicht allein

            In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht

            ich bin einsam, aber du verläßt mich nicht

            ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe

            ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden

            in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld

            ich verstehe deine Wege nicht,

            aber du weißt den rechten Weg für mich.

            Vater im Himmel,

            Lob und Dank sei dir für die Ruhe der Nacht

            Lob und Dank sei dir für den neuen Tag

            Lob und Dank sei dir für alle deine Güte und Treue

            in meinem vergangenen Leben.

            Du hast mir viel Gutes erwiesen,

            laß mich nun auch das Schwere aus deiner Hand hinnehmen.

            Du wirst mir nicht mehr auferlegen, als ich tragen kann.

            Du läßt deinen Kindern alle Dinge zum besten dienen.

 

....AMEN

Hoffnungswort zum Sonntag "Kantate" von Pfrin Groß

mp3-Podcast: Siehe oben
Textfassung: Siehe unten

Textfassung Hoffnungswort Pfrin Groß

Hoffnungswort für den Sonntag
Kantate am 10. Mai 2020
von Pfarrerin Hildrun Groß

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
 

Liebe Schwestern und Brüder,

Kantate – singt. Der heutige Sonntag.

Kantate- singt. Singen werden wir in unseren Gottesdienst, die nun wieder stattfinden können, leider noch nicht. Nicht laut. Nicht so wie sonst.
Laut singen. Mit Maske im Gesicht, geht irgendwie nicht richtig. Man fühlt sich eingeengt oder hat zumindest ein merkwürdiges Gefühl. Fühlt sich nicht mehr so frei, wie vor einigen Wochen.

Kantate- singt. Österliche Freudenzeit. Noch immer. Wir sind zwischen Ostern und Pfingsten. In einer Zwischenzeit. In einer Zwischenzeit, in der wir vor Freude laut jubeln, musizieren und singen sollten. Singen und jubeln darüber, dass der Tod besiegt ist.  Das etwas Neues begonnen hat.
Doch bevor dieses Neue aufbrechen konnte, bevor es Ostern werden konnte, begann der Aufbruch, in die große, heilige und laute Stadt Jerusalem.
Unser heutiger Predigttext stammt aus dem Lukasevangelium und betrachtet die Ereignisse, die vor Jesu Tod geschehen sind.

Ich lese aus dem Lukasevangelium im 19. Kapitel:

Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

 

Die Jünger sind mit Jesus unterwegs. Auf staubigen Straßen wandern sie in der Hitze. Ihre Sandalen knirschen auf den steinigen Böden. Die Steine und kleinen Kiesel könnten wohl eine Menge über die Jünger und über Jesus erzählen. Von schmerzenden Füßen, durchgelaufenen Sohlen und wie diese Füße plötzlich nahe am Abhang des Ölbergs anhalten. Und dort, dort hinten sehen sie es: Jerusalem. Das Ziel ihrer Reise. Einfache Leute sind sie. Fischer, Handwerker, Bauern. Einfach mitgegangen sind sie mit Jesus. Haben ihm vertraut. Und nun, liegt die Stadt tatsächlich vor ihnen. Viel haben sie erlebt. Wie Jesus z.B. Kranke heilte. Haben ihm zugehört, wenn er Gleichnisse erzählte und von der großen Hoffnung sprach. Und jetzt, sind sie einfach nur überglücklich dort zu sein. Und so voller Freude, können sie gar nicht anders, als es laut herauszuschreien. „Gelobt sei, der da kommt, der König, im Namen des Herrn. Friede im Himmel und Ehre in der Höhe.“ Es sind alte, den Jüngern sehr vertraute Worte. Und auch mir klingen diese Worte vertraut ans Ohr.
Die Jünger jubeln, sie loben Gott gemeinsam, mit lauten Stimmen. Sie singen sich damit auch Mut an, für das was da in Jerusalem kommen, was dort passieren wird. Denn auch davon hat Jesus ihnen erzählt.
Sich Mut ansingen. Ich glaube, viele von uns kennen das auch. Ich ganz bestimmt. Viele summen oder singen, wenn sie beispielsweise abends in Keller gehen. Denn dort ist es manchmal doch etwas unheimlich. Als Kind habe ich immer gesummt oder gepfiffen, wenn ich in den Keller musste, um mein Rad zu holen. Auch heute noch, summe ich bestimmte Lieder, wenn ich vor Situationen stehe, in denen ich das Gefühl habe, sie nicht richtig im Griff zu haben. Oder auch wenn ich das Gefühl habe, eine Situation nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Vor meinem 1. und meinem 2. Examen habe ich im Kopf gesungen. Oder wenn ich das Gefühl habe meine Emotionen übermannen mich an Orten, an denen es gerade nicht so passend ist, singe ich in mir drin ein Lied. Dann habe ich das Gefühl, dass etwas passiert. Ich werde ruhiger. Ich kann wieder befreiter atmen und mich besser konzentrieren. Und ich bekomme auch Mut, dass ich die Situation, vor der ich stehe, schaffen kann.
Vielleicht ging es den Jüngern ja genauso wie mir. Sie haben gesungen, um die Kontrolle nicht zu verlieren. Sondern um wieder Mut und Kraft zu schöpfen.
Und dann sind da die Pharisäer. Sie sagen Jesus, dass er seine Jünger, die Gott lautstark loben zu Recht weisen soll. Ihnen passt es so gar nicht, was die Jünger da tun. Sagen das Jesus der ist, der im Namen des Herrn kommt. Ein König. Stellen sich auf die Straße und posaunen das auch noch heraus. Stacheln andere an, es ihnen gleich zu tun. Aufwiegler und Aufrührer sind das. Mehr nicht.

Und Jesus? Jesus antwortet ihnen und sagt: „Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“


Steine die schreien? Steine sind doch leblose, stumme Dinge. Und doch. Sie schreien, sagt Jesus. Sie schreien, wenn die Jünger schweigen werden. Die Steine schreien, wenn den Jüngern der Mund verboten wird. Die Steine schreien, wenn die Wahrheit nicht mehr herausdarf und zurückgehalten werden muss.
Die Steine, sie schreien, wenn andere Meinungen nicht mehr zugelassen werden. Die Steine, sie schreien, wenn anderen Menschen ein Maulkorb verpasst wird. Die Steine schreien, wenn die Jünger schweigen werden. Dann werden die Steine so laut schreien, dass es jeder hören kann

Und hier bei uns? Was würden die Steine unserer Kirche oder auf dem Marktplatz erzählen können?
Ich glaube die Steine in unserer Kirche könnten viel erzählen. Von Musik, die sie gehört haben. Von Konzerten mit Menschen, die so schön gesungen haben. Von Orgel, Gitarren, Klavier, Trompeten, Posaunenklängen. Sie würden erzählen von Gebeten, zu verschiedenen Anlässen, wie Taufen, Trauungen, Konfirmationen, Trauerfeiern. Von stillen Gebeten der Freude, weil ein Gebet erhört wurde. Von Gebeten, die in der Stille vor Gott gebracht worden sind. In denen Gott auch angeschrien und angeklagt wurde, weil man mit dem Leid, welches man zu tragen hat nicht fertig wird. Gebete, in denen Gott gebeten wurde, dass etwas wieder gut wird. Gebetet mit eigenen Worten. Gebetet mit bekannten oder unbekannten alten Worten. Laut oder leise.
Die Steine könnten auch davon erzählen, wie wir als Gemeinde hier in dieser Kirche gesungen haben. Nicht so wie tolle Chöre oder super gute Sänger. Aber wie wir gesungen haben aus unserem Herzen heraus. Kantate – singt. Hier und heute ist das leider nicht möglich. Aus vollem Hals, mit Freude zu singen. Aber Kantate meint ja so viel mehr als nur für jede Gelegenheit das passende Liedchen auf den Lippen zu haben. Sondern, das singen und beten und darin Gott zu loben, uns zu einem großen Chor vereint. Rund um die Welt. Ich bin dann mit all den traurigen, mit den fröhlichen, den einsamen, den hungrigen, den fertigen, den unfertigen und den sprachlosen in einem großen Chor vereint. Gemeinsam singen wir.
Und singen zum Lobe Gottes heißt auch gegen diejenigen ansingen, die schweigen. Singen für diejenigen, die zum Schweigen gebracht worden sind. Ansingen gegen die, die andere zum Schweigen bringen. Denen eine Stimme geben, die keine Stimme haben. Und nicht nur singen, sondern vielleicht auch zu schreien. Schreien gegen das Unrecht, schreien gegen das Leid in der Welt. Für die zu schreien, die es nicht können oder die man nicht hört. Für diejenigen, denen die Stimme fehlt. Für all die großen und kleinen Menschenkinder, die Leid ertragen müssen. Ob es nun in Flüchtlingslagern, im Mittelmeer, in der Trauer oder in einer gewaltvollen Beziehung oder Familie ist. All den ungehörten Stimmen, die niemand wahrnimmt oder wahrnehmen möchte helfen sich für ihre Rechte stark zu machen.
Dieses Lied Gottes ist durch Jesus in die Welt gekommen. Und von Gott singen heißt auch anderen davon zu erzählen. Und andere dazu befähigen auch davon zu erzählen. Singen und sagen von dem, der da kommt, im Namen des Herrn. Der Friede im Himmel und auf Erden verheißt.
Die Steine an den Häusern würden von dem erzählen, was dahinter geschieht. Von dem, was hinter verschlossenen Türen gesagt, manchmal auch nicht gesagt und gesungen wird. Sie würden erzählen vom leisen Gesang und stillem Flüstern. Von Liebe. Aber auch von ängstlichem Schreien und lauten Rufen.

Das Lied Gottes ist in der Welt. Durch Jesus. Und er stellt sich vor die, denen der Mund verboten werden soll. Er stellt sich gegen die, die anderen den Mund und die Meinung verbieten wollen. Die zensieren und Mundtot machen. Er stellt sich gegen die, die nur noch Einklang haben wollen und kein lautes, fröhliches und manchmal disharmonisches Lied dulden wollen.

Das Lied Gottes ist in der Welt. Dieses Lied hört jeder von uns anders. Für jeden von uns gibt es eine eigene Melodie. Gott hat mir, hat dir, meinen und deinen persönlichen Rhythmus gegeben. Bestimmte Töne, die dein, die mein Leben ausmache. Diese Töne, der Klang, der Rhythmus erzählen unser Leben. Die Höhen und die Tiefen, die darin vorkommen. Die Töne unseres eigenen ganz persönlichen Liedes erzählen von Wundern und Wunden. Von Gewinnen und Versagen.
Und mitten in diesem Lied ist Gott, als Quelle, als Hüter, als Wunder, als Freundin und als Zukunft meines Lebens.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbitten:

Lasst uns miteinander und füreinander beten:

Neue und alte Lieder wollen wir dir singen, o Gott,
denn unser Glaube lebt in diesen Liedern,
die wir dir singen, als deine Gemeinde.

Doch noch müssen wir leben in liedloser Zeit,
verschlossen die Münder, stumm die Instrumente,
hier bei uns und an vielen Orten dieser Erde.

Aber unser Gebet können wir dir sagen,
gemeinsam vor dich treten, das vor dich bringen,
was uns bewegt, was dein Geist uns eingibt.

So bitten wir für all die Menschen, die krank sind
oder im Sterben liegen. Und für die Menschen,
die anderen dienen in Therapie und Pflege.

So bitten wir für all die Menschen, die sich sorgen
um die Seelen der Einsamen, die Verbindungen suchen
und Nähe schaffen, wo Trennung herrscht.

So bitten wir für all die Menschen, die in Sorge sind
um ihren Lebensunterhalt. Und für die Menschen,
die Verantwortung übernehmen für das wirtschaftliche Leben.

Wir sehnen uns zurück nach einem Leben mit frohen Liedern,
offenen Gesichtern und herzlichen Begegnungen,
so bitten wir dich: Komm uns entgegen, du unser Gott!

Amen.

In unser Gebet schließen wir diejenigen mit ein, von denen wir Abschied nehmen mussten und die uns in die Ewigkeit vorausgegangen sind. Ganz besonders denken wir heute an:

Frau Isolde Schmidt

Frau Elke Schwarz, geb. Mohr


 

Ewiger Gott, in deine Hände haben wir die Verstorbenen gelegt. Wir bitten dich, gib ihnen Wohnung und Heimat bei dir. Und allen, die um sie trauern, gib die Kraft einander zu trösten mit den guten Erinnerungen an sie und dem Vertrauen, dass wir einmal alle vereint sind bei dir. Durch Christus unseren Herrn.  Amen

Und gemeinsam beten wir, wie dein Sohn uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe
Wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
Und die Herrlichkeit in Ewigkeit. AMEN

Bis wir uns wiedersehen behüte euch Gott der Allmächtige und Barmherzige. Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Hoffnungswort zum Sonntag "Kantate" von Pfr. Schatull

mp3-Podcast: Siehe oben
Textfassung und Lieder:  Siehe unten

Textfassung Hoffnungswort Pfr. Schatull

Votum: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Psalm: 98

Singet dem Herrn ein neues Lied,

     denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten

     und mit seinem heiligen Arm.

Der Herr lässt sein Heil kundwerden;

     vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

     aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Jauchzet dem Herrn, alle Welt,

     singet, rühmet und lobet!

Lobet den Herrn mit Harfen,

     mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen

     jauchzet vor dem Herrn, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist,

     der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen frohlocken,

     und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;

denn er kommt, das Erdreich zu richten.

     Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit

     und die Völker, wie es recht ist.

 

Gebet: Ja, Gott, dir können wir singen, weil du Recht schaffst auf Erden. Du überlässt uns nicht der Macht des Bösen. Deine Hand führt uns zur Freiheit. Dir vertrauen wir uns an. Lass uns nicht allen. Dein Lob werden wir singen heute und in Ewigkeit. Amen.

Lied: EG 303 (Du meine Seele singe), 1-4 (Noten der Lieder: Siehe weiter unten)

Lesung: 2. Chr. 5,2-14

Da versammelte Salomo alle Ältesten Isra­els, alle Häupter der Stämme und die Fürs­ten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinauf­brächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist. Und es kamen alle Ältesten Isra­els, und die Leviten hoben die Lade auf und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten. Aber der König Salomo und die ganze Gemeinde Israel, die bei ihm vor der Lade versammelt war, opferten Schafe und Rinder, so viel, dass es niemand zählen noch berechnen konnte. So brachten die Priester die Lade des Bundes des HERRN an ihre Stätte, in den innersten Raum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim, dass die Cherubim ihre Flügel ausbreiteten über die Stätte der Lade. Und die Cherubim bedeckten die Lade und ihre Stangen von oben her. Die Stangen aber waren so lang, dass man ihre Enden vor dem Allerheiligsten sah, aber von außen sah man sie nicht. Und sie war dort bis auf diesen Tag. Und es war nichts in der Lade außer den zwei Tafeln, die Mose am Horeb hinein­gelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit Israel geschlossen hatte, als sie aus Ägypten zogen. Und die Priester gingen heraus aus dem Heiligtum - denn alle Pries­ter, die sich eingefunden hatten, hatten sich geheiligt, ohne dass man auf die Abteilungen geachtet hätte -, und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trom­pe­­ten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: "Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig", da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

Predigt: Liebe Gemeinde,

endlich. Endlich wieder in die Kirche gehen können um miteinander Gottesdienst zu feiern. Nach mehr als sieben Wochen. Ja!

Die „Hoffnungsworte“ im Internet in den letzten Wochen. Auch als Podcast zum Anhören. Oder die Fernsehgottesdienste aus der Stifts­kirche in Neustadt, die der offene Kanal ausgestrahlt hat. Auch ein Gottes­dienst auf Youtube. Das war ja alles ganz nett. Hat auch seine Vorteile gehabt. Und in die Chris­tuskirche konnte man ja auch kommen um für sich zu beten. Aber so ein Gottes­dienst in der Kirche ist halt doch noch mal etwas anderes.

Gut. So richtig loslegen können wir noch nicht. Schon das Aufschreiben des Namens und der Adresse am Eingang. Die Hände desinfizieren. Die verstreuten Sitzplätze. Und dann noch mit dem Mund-Nasen-Schutz. So singen zu müssen, finde ich un­möglich. Darum lasse ich es lieber.

Aber immerhin wieder die Orgel und die Predigt live hören und sehen. Das Gefühl, wenn sie den Kirchenraum ausfüllen. Das gehört einfach zu einem Gottesdienst. Und dann natürlich die Kirche selbst. Das ist der richtige Ort für den Got­tes­dienst. Hier kom­men wir Gott so richtig nahe.

Gott so richtig nahekommen, das wollten die Israeliten auch gerne. Von Anfang an. Doch näher als bis an den Fuß der Berges Sinais haben sie sich nicht getraut. Dann schickten sie Moses vor. Und als der lange nicht zu­rück­kam, haben sie sich ein goldenes Kalb ge­gos­sen, in dem sie Gott anbeten und ihm nah sein wollten.

Aber das ist ihnen nicht gut bekommen. Nur die Tafeln mit den 10 Gebo­ten, die sie in der Bundeslade transportierten und die Stifts­hütte – ein Zelt, in der die Bun­deslade abgestellt wurde, wenn sie nicht unterwegs waren – standen viele Jahre für die Gegen­wart Gottes; für seinen Bund mit ihnen.

Erst unter König Salomo durften sie endlich in Jeru­salem ein Tempel für Gott errichten; einen Ort, wo sie zu ihm beten und ihm Opfer darbringen konnten; mit einem Aller­heiligsten, in dem die Bundeslade aufgestellt wurde. Sonst war auch hier nichts drin. Doch von außen sah es prachtvoll aus. Endlich, nach so vielen Jahren, ein fester und auch ein ansehnlicher Ort, der würdig genug war ihrem Gott als Wohnung zu dienen. Jetzt konnten sie endlich richtig Gottesdienst fei­ern. Konnten sich die Priester so richtig „aus­toben“. So, wie man es auch von ande­ren Völkern und Religionen kannte. Wie es eben allgemein anerkannt war.

Doch nach dem Bericht, den wir eben aus dem zweiten Buch der Chroniken gehört haben und der von der Einweihung des Tem­pels handelt, - nach diesem Bericht waren es jetzt nicht die Priester, die den Menschen Gott an diesem Ort nähergebracht haben.

Vielmehr waren es die Leviten, die mit ihrem Gesang und ihrer Musik Gott in den Tempel – ja man könnte sagen „herbeimusiziert“ haben.

Und als Gott von seinem Tempel gewisser­maßen „Besitz“ ergriffen hat, da hat der die Priester mit seiner Gegenwart erst einmal aus dem Tempel vertrieben. Sie an der Ausübung ihres Dienstes gehindert.

Mehr noch: Die Art und Weise, wie Gott hier erschienen ist, erinnerte doch stark an sein Erscheinen in der Wüsten­zeit. Er tritt hier auf wie damals am Sinai. Und wie er dann auch die Stiftshütte erfüllt hatte: in einer Wolke!

Das finde ich spannend – und zwar in mehrfacher Hinsicht. Gerade als der Tempel fertig wurde, ein Tempel den Gott lange Zeit nicht wollte und dessen Bau er sich erst nach langen Bitten und Betteln hat abschwätzen lassen, - diesen Tempel stellt Gott durch sein Erscheinen in einer Wolke gleich wieder in Frage. Ihm ist klar: Mit diesem Tempel, da verändert sich etwas im Glauben der Menschen.

Mit der von Priestern getragenen Lade und der Stifts­hütte, die sie schnell auf- und abbauen konnten, da war ihr Glaube beweg­lich, lebendig. Er hatte nichts starres oder festes, hinter dem sie sich verstecken konn­ten. Er war eher zerbrechlich und sie muss­ten ihn jeden Tag aufs Neue leben. Ja, mit der Lade und der Stiftshütte war ihr Glaube mehr von Vertrauen und von Hoffnung geprägt.

Jetzt, mit dem Tempel da wandelte sich ihr Glaube, mündete ein in einen immer glei­chen und bequemen Religionsbetrieb, wie man ihn auch von anderen Völkern kannte. Ihr Glaube wurde zu einer festen und starren Institution, die das Volk dann auch zu einer Selbstsicherheit verführte, die ihnen später die Zerstörung des Tempels bescherte.

Desweiteren: Bei der Einweihung des Tem­pels zeigte sich schon: Hier bilden sich Unter­schiede aus. Die einen, die Priester, sind wichtiger für den Vollzug des Kultus, als die anderen, nämlich die Leviten. Die einen bestimmen den Ablauf, die anderen sind nur Beiwerk.

Aber auch hier macht er seinem Volk gleich einen Strich durch die Rechnung. Denn es sind ja nicht die Priester, die durch ihren „Dienst“, durch ein Opfer oder eine andere kultische Handlung, Gottes Präsenz „herauf­beschwören“.

Gott erscheint, weil die Leviten mit Unter­stüt­zung der Priester musizieren. Ihr ge­mein­sames Singen und Spielen lässt Gott auf den Plan treten. Ja, es ist die Gemeinschaft derer, die Gott loben und so ihr Vertrauen zum Ausdruck bringen, die ihn hier erschei­nen lassen. Und zwar so, wie er ihnen schon ursprünglich erschienen ist. Und nicht, wie sie ihn gerne hätten.

Tempel und Stiftshütte. Priester und Leviten. An ihnen macht Gott deutlich, worum es ihm geht: Einfach - miteinander - Gottesdienst fei­ern. Dazu braucht es im Grunde keinen großen Festsaal und auch keine Rangord­nung von Diensten. Einfach - miteinander -Gottes­dienst feiern. Da reicht oft schon ein Lied, das man miteinander anstimmt, mit dem man Gott preist und durch das man offen wird für die Gegenwart Gottes. Für seine Gemeinschaft. 

Klar, feste Orte und klare Zuständigkeiten machen es für uns Men­schen leichter. Dafür nehmen wir aber auch in Kauf, dass Gemein­schaft verloren gehen kann; dass Glaube und Gemeinschaft mit Gott zu selbstver­ständ­lich wird.

Doch Gemeinschaft mit Gott ist eben nicht selbstverständlich. Es gilt sie jeden Tag aufs Neue zu leben. Sie lässt sich nicht an einem Raum festmachen, sondern ist dort zu Hause, wo wir gerade leben. Wo wir mit anderen Menschen zusammen sind. Wo alle von Bedeutung sind und nicht ein Einzelner sich vom Rest abhebt.

So gesehen sollten wir unsere Erfahrungen von und mit Gottesdienst, die wir in den vergangenen Wochen gemacht haben, und die Bereitschaft Neues zu probieren nicht einfach hinter uns liegen lassen. Diese Auf­brüche, die wir alle hier gemacht haben, wir sollten sie jetzt nicht einfach abbrechen und zum Gewohnten zurückkehren. Lassen wir uns von ihnen weiter mitreißen und schauen: Wie und wo können wir noch Gottesdienst feiern? Im Autokino oder im Internet? Vielleicht mit einem Poetry-Slam statt einer Predigt?

Einfach - miteinander - Gottesdienst feiern. Das ist letztendlich wie eine Melodie, die alle durch­strömt und mitnimmt. Ob einstimmig oder vielstimmig. Ständig wiederholend oder in Variationen. Einfach miteinander Gottes­dienst feiern. Dann ist Gott mit dabei und schlägt uns den Takt.

Amen.

Lied: Ich sing die mein Lied (Noten: Siehe unten)

Fürbittengebet: Wir danken dir, Gott, für alle Musik, die dich lobt und uns froh macht. Wir tun dies ganz besonders heute, wo wir nach so vielen Wochen endlich wieder zum Gottesdienst zusammenkommen, miteinan­der feiern können. Auch wenn wir es laut nur mit Worten können, noch nicht wieder gemein­sam singen sollen wegen Covid 19, aber unser Herz singt doch mit. Denn: Deine Treue ist alle Morgen neu. Deine Liebe ist ohne Grenzen. Du bist bei uns auch in den Tagen der Not und der Anfechtung, der Hoffnungs­losigkeit und des Schmerzes. Wie könnten wir das besser zum Aus­druck bringen als durch unseren Gesang.

Es gibt aber auch Momente, da verschlägt es uns die Stimme; da bringen wir keinen Ton heraus. Und deshalb denken wir in Stille auch an die Menschen, denen Leid und Sorge den Mund verschlossen haben; die nicht singen sondern seufzen; die nicht loben, sondern klagen; die an den Missklängen des Lebens leiden. Wir denken an die, die wir in der vergangenen Woche zu Grabe getragen haben: an Christine Schoberth, Isolde Schmidt. Wir denken an die Menschen, die um sie trauern; in deren Leben sie jetzt fehlen.

Auch wenn wir im Augenblick noch nicht wieder zusammenkommen und miteinander singen können, so lass uns dennoch dich loben. Lass unsere Herzen laut mit einstim­men in das Lied des Glaubens und der Hoff­nung. Ja, wir danken dir, Gott, für die Musik, die dich lobt und uns froh macht. Und darum beten wir voll Vertrauen zu dir mit den Wor­ten, die dein Sohn Jesus Christus uns beten gelehrt hat:

Vater unser:

Segen: Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns seinen Frieden.

Lieder zu Hoffnungswort Schatull

Zwei Hoffnungsworte zum Sonntag Jubilate

An diesem Sonntag haben wir wieder zwei Hoffnungsworte:

  • Eine Predigt mit Fürbittengebet von Pfr. Dr. Schmidt-Roscher
  • Eine Kurzpredigt von Pfr. Stetzer

Hoffnungswort zum Sonntag Jubilate von Pfr. Dr. Schmidt-Roscher

Der Gottesdienst wird zu folgenden Zeiten im Offenen Kanal ausgestrahlt:
So 03.05.2020, 8.02 Uhr und 11.00 Uhr
Sa 09.05.2020,  3.00 Uhr und   9.00 Uhr

und ist  über folgenden Link abrufbar:

https://www.youtube.com/watch?v=9z-1RHolyYg

Die Textfassung finden Sie unten.

 

Textfassung Hoffnungswort Jubilate von Pfr. Dr. Schmidt-Roscher

Hoffnungswort am Sonntag Jubilate 3. Mai 2020
Pfarrer Dr. Friedrich Schmidt-Roscher
Predigttext Johannes 15, 1-8

Lieder, Psalm und Lesung für den Gottesdienst:
EG 501, 1-2 „Wie lieblich ist der Maien“
Psalm 118 II (769) - Ehr sei dem Vater….
EG 99 „Christ ist erstanden“
Altarlesung 1. Mose 1, 1-5. 20.-2,4a
Blaues Buch 113, 1-3 „Danke für die Sonne“
Predigt
EG 648, 1-2 „Ins Wasser fällt ein Stein“
Fürbitten – Vaterunser
EG 171, 1+3 „Bewahre uns Gott“
Predigttext Johannes 15,1-8
Der wahre Weinstock 1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.
Liebe Schwestern und Brüder,
ich fahre gerne Rad. Die Bewegung tut gut und ich bekomme einen freien Kopf. In den letzten Wochen hat sich die Natur verändert. Der Frühling ist endlich da. Auch die Weinstöcke treiben wieder aus. Ich freue mich an dem hellen Grün der Blätter.
Das sind für mich Zeichen des neuen Lebens; genauso die blühenden Apfelbäume, der Morgengesang der Vögel oder der erste Salat aus dem Garten.
Die Natur erwacht mit unverschämter Freude. Und ich muss mich einfach mitfreuen!
Das ist schon eigenartig, dieser Gegensatz in diesen Wochen: Die Natur, die aus allen Nähten platzt und voller Fülle und Schönheit „losblüht“. Und auf der anderen Seite unser Alltag – eingeschränkt, ausgebremst! Mit einer Maske im Gesicht. Mit Gedanken und Sorgen um die Zukunft. Angst um die eigenen Eltern, Gedanken an Menschen in der Gemeinde, Senioren in den Altenheimen. Oder Familien, für die das Kurzarbeitergeld zum Leben reichen muss. Oder Ehepaare, die nicht wissen, wie sie Kinder und Beruf unter einen Hut bekommen.
Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben!“ Darüber denke ich auch mal auf dem Fahrradsattel nach“.
Der Weinstock ist ein Bild, das in der Bibel oft vorkommt. Der Weinstock steht für das Leben. Für ein gelingendes Leben. Wer im Schatten eines Weinstocks wohnt, der hat es wirklich gut.
Wein und gutes Leben. Das gehört zusammen. Das wissen wir als Pfälzer.
Auch Jesus benutzt dieses Bild. „Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner“. Beim Bild von Weinstock und Reben ist die Verbindung wichtig. Ein gutes Leben, ein Leben voller Saft und Kraft ist ein Leben in Verbindung. In Verbindung zu Jesus und in Verbindung mit Andern. Was wäre das für ein Leben? Ohne Kontakt! Ein wenig bekommen wir das ja gerade zu spüren. Kontaktbeschränkung. Soziale Distanz. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Manchmal ist es schwer auszuhalten.
Das meint Jesus damit. Leben lebt von Beziehung. Eine Rebe kann nur wachsen, wenn sie am Weinstock bleibt. Allein bringt sie keine Frucht. Allein wird sie verdorren. Eine Rebe ist auf die Verbindung zum Stock angewiesen. Denn die Wurzel ernährt sie. Versorgt mit Wasser und Mineralien.
Jesus hat das Gleichnis seinen Jüngern erzählt. Er wusste, dass er nicht mehr lange bei ihnen sein wird. Damit die Hoffnung nach Ostern weitergeht, brauchen die Jüngerinnen und Jünger die Gemeinschaft mit Jesus und die Gemeinschaft untereinander.
Der Weinstock mit seinen Reben ist auch ein Bild für Gemeinde. Die christliche Gemeinde kann nur in Beziehung zu Jesus bestehen. Christinnen und Christen leben aus der Verbindung mit Christus.
Die Theologin Uta Poplutz hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es bei dem Bild auch umgekehrte Sicht gibt. Auch der Weinstock braucht die Reben. Man könnte also sagen: auch Jesus braucht uns, damit er in der Welt wirken kann. Jesus braucht auch uns als Gemeinde.
Passt das Bild von Christus als dem Weinstock und wir als seine Reben noch für uns? Moderne Menschen betonen gerne ihre Unabhängigkeit und Eigenständigkeit. Individualität gehört zum Lebensstil.
Für mich ist Freiheit und Bindung kein Gegensatz. Gerade um ein eigenes Leben zu führen, braucht doch jeder Mensch einen Halt. Freiheit braucht Wurzeln. Eine Verankerung. Ich halte das Bild der absoluten Freiheit für eine Illusion. Sonst ist Freiheit nur ein anderes Wort für Unstetigkeit, für fehlenden festen Standpunkt, für Beliebigkeit.
In diesen Wochen ohne gemeinsame Gottesdienste haben viele gespürt, dass ihnen etwas fehlt. Die vielen Online-Andachten – manche richtig professionell, andere verwackelt-authentisch – sind wirklich klasse Ideen, um in Verbindung zu bleiben – mit Christus und untereinander.
Der Neutestamentler Rudolf Bultmann deutet die Verbindung von Weinstock und Reben als Gehaltenwerden. Ich bleibe bei dem, der meinem Leben Halt gibt, der mich trägt. Ich bleibe bei dem, der meinem Leben Energie und meiner Seele Kraft gibt.
Und diese Gehaltenwerden gilt ja nicht nur im Leben. Auch im Sterben – so macht das Bild von dem Weinstock deutlich - werden wir gehalten. Darauf dürfen wir hoffen, wenn wir in diesen Tagen Abschied nehmen müssen von einem lieben Menschen. Jesus hält an uns fest. Er bleibt auch im Sterben mit uns verbunden. Beim Tod enden Beziehungen, uns bleibt nur die schön-schmerzhafte Erinnerungen an den geliebten Verstorbenen. Aber Jesus hält an uns fest. Deshalb dürfen wir hoffen, dass wir in Gottes neuer Welt wieder beieinander sind, in der himmlischen Gemeinschaft.
Ein Winzer in meiner früheren Gemeinde in Essingen hat mir mal erklärt, dass ein Weinstock tiefe Wurzeln hat. Sie reichen mehrere Meter in den Erdboden hinein. Deshalb kann so ein Weinstock auch dürre Zeiten besser überstehen als Flachwurzler. Jesus, der Weinstock kann uns auch helfen, trockne Zeiten zu überstehen.
In diesen Tagen erleben wir es. Durch die Einschränkung verändern sich unsere Lebensgewohnheiten. Was so sicher schien, ist plötzlich ungewiss.
Vielleicht führt diese Unterbrechung dazu, dass wir neu nachdenken, was uns im Leben Halt gibt. Wo wir unsere Kraft ziehen? Ich würde mir wünschen, dass wir die Unterbrechung dazu nutzen, nach dem zu fragen, der uns im Leben trägt. Und zu überlegen, wie wir selbst mithelfen, dass andere sich getragen fühlen.
So verstehe ich das Bild vom Frucht tragen. Wer mit Jesus in Verbindung bleibt, der bringt sozusagen auch automatisch Frucht. Denn er oder sie ist dann auch mit anderen Menschen in Verbindung. Ihm ist es nicht egal, wie es anderen geht.
Denn wer im Glauben sehen kann, dass er selbst gehalten wird durch Jesus und durch andere Menschen, der wird ganz selbstverständlich auch andere Menschen halten. Wer erkennt, wie er Kraft für sein Leben bekommt, der versucht auch andere zu stärken und ihnen beizustehen. Das ist dann keine Pflicht, sondern kommt aus Dankbarkeit. Ich bin froh und dankbar für das, was mir gegen wird und kann deshalb auch anderen helfen. Oder: Ich freue mich an der Schönheit der Schöpfung und helfe deshalb mit, dass sie auch bewahrt und erhalten werden kann.
Ich bin wirklich beeindruckt, wie in ganz kurzer Zeit an ganz vielen Orten Menschen angefangen haben füreinander da zu sein. Natürlich gab es auch die – wie wir in der Pfalz sagen - Dollbohrer und Dummbabbler, die aus der Maskenpflicht gleich einen Überwachungsstaat machen.
Aber es gab und gibt ganz viel Nachbarschaftshilfe. Und kleine und große Initiativen um Menschen in der Not beizustehen. In Haßloch wurde durch zwei Frauen spontan die Tütenaktion „Haßloch teilt“ auf die Beine gestellt um die Schließung der Tafel zu überbrücken. Es gibt Menschen, die sich kümmern, die Alleinstehende anrufen oder für sie einkaufen.
Mit einem Teil des Bildes vom Weinstock und den Reben, das Jesus verwendet, tue ich mir schwer. Jesus spricht vom Reinigen der Reben. Er spricht vom Wegwerfen der Triebe, die keine Frucht bringen. Ein hartes Bild. Doch der Weinstock ist eine Kulturpflanze, die beschnitten werden muss um mehr Frucht zu bringen. Und wer einen Garten hat der weiß, dass er nicht alles wuchern lassen kann.
Auf unsere Situation gewendet, heißt dieses Bild für mich, dass wir im eigene Leben schauen können, welche Triebe keine Frucht bringen und auf die wir selbst verzichten können. Schneiden bedeutet eine Entscheidung zu treffen. Möglicherweise kann die momentane Unterbrechung helfen, darüber nachzudenken auf was ich in Zukunft auch verzichten kann, um mehr aus der Dankbarkeit zu leben.
Wenn ich in den nächsten Wochen wieder mit dem Rad unterwegs bin, dann werde ich sehen können, wie die Weinreben blühen. Dann kann ich mich erinnern, wie gut es ist, wenn wir mit Jesus in Verbindung bleiben und miteinander. Amen.
Fürbitten
Gott,
durch Jesus Christus hast du dich mit uns verbunden.
Hilf, dass wir mit dir in Verbindung bleiben und daraus Kraft schöpfen für unser Leben.
Sei bei den Menschen, die in diesen Tagen darunter leiden, dass sie sich nicht mehr mit Angehörigen oder Freunden treffen können.
Beflügle die Frauen und Männer, die in Europa Verantwortung tragen, dass sie nach gemeinsamen Lösungen suchen und auch Schwache stärken.
Gott,
durch Jesus Christus hast du dich mit uns verbündet.
Wir bitten für die Menschen in unserem Land und in der Welt, die krank sind oder um ihr Leben ringen. Stärke Ärztinnen und Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern in ihrem Dienst.
Wir bitten für die Menschen, die arbeitslos sind oder deren Betrieb in wirtschaftlicher Not ist. Hilf, dass wir uns gegenseitig helfen.
Wir bitten für Ehepaare, die es gerade schwer miteinander haben, für Kinder, denen ihre Freundinnen und Freunde fehlen.
Gott,
durch Jesus Christus machst du uns lebendig.
Lass uns deine Freude in die Welt tragen.
Stärke das Miteinander in unseren Gemeinden und mit den Christen auf der ganzen Welt.
Erfülle uns mit deiner Lebenskraft, dass wir anderen Kraft und Halt geben können.
Wir gedenken der Menschen aus unserer Gemeinde, die wir begraben mussten:
Frau Regina Maria Margarete Bein, geb. Wagner, 79 Jahre
Frau Kristine Erika Schoberth, geb. Hannemann, 78 Jahre
Herr Andreas Lider, 82 Jahre
Leite diese Schwestern und diesen Bruder und einmal auch uns durch den Tod zu neuem Leben.
Tröste ihre Angehörigen in dieser schweren Zeit durch die österliche Hoffnung auf die Auferstehung und das neue Leben in deinem Licht. Amen.
Vater unser im Himmel…..
Gott segne dich und behüte dich.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Amen.

Hoffnungswort zum Sonntag Jubilate von Pfr. Stetzer

Kurzandacht zu Johannes 15, 1-8

mp3 zum Anhören - bitte oben klicken
Textfassung: Siehe unten

Textfassung: Hoffnungswort Pfr. Stetzer

Johannes 15, 1-8 (eigene Übersetzung)

Ich bin der wahrhafte Weinstock
und mein Vater, er ist der Winzer.

Jede Rebe an mir,
die keine Frucht trägt,
entfernt er,
und  jede Rebe,
die trägt,
reinigt er,
damit sie mehr Frucht trägt.

Ihr seid schon rein
durch das Wort,
das ich zu euch geredet habe.

Bleibt in mir
und ich in euch:
Wie auch die Rebe
keine Frucht tragen kann aus sich selbst,
wenn sie nicht am Weinstock bleibt,
so könnt auch ihr es nicht,
wenn ihr nicht in mir bleibt.

Ich bin der Weinstock,
ihr seid die Reben!

Wer in mir bleibt
und ich in ihm,
der trägt viel Frucht:
Getrennt von mir
könnt ihr überhaupt nichts tun.

Wenn aber jemand nicht in mir bleibt
wird er aussortiert wie die Rebe,
und die vertrocknet ja,
und die sammeln sie
und sie werfen sie ins Feuer
und sie verbrennt.

Wenn ihr hingegen in mir bleibt
und meine Rede in euch bleibt:
Was auch immer ihr wollt,
fragt danach, und es wird euch geschehen!

Darin wird mein Vater verherrlicht,
dass ihr viel Frucht tragt
und mir zu Jüngern werdet.

 

Liebe Mitchristen,
mit einem der letzten Sätze
hätte ich vermutlich
meine Predigt heute begonnen:

„Was auch immer ihr wollt,
fragt danach, und es wird euch geschehen!“
Einem praktischen Satz,
einem Satz, der dadurch hervorsticht,
dass es um das konkrete Leben geht,
das Leben hier und jetzt,
um gelingendes Leben.

Denn um gelingendes Leben,
darum wäre es heute gegangen,
für vierzehn Jungs und Mädchen:
Sie wären heute nämlich konfirmiert worden!

Das ganze Leben vor sich,
mit der Frage, wer werde ich sein,
wie komme ich mit den Herausforderungen zurecht,
die das Leben mir stellt…,
wie finde ich zu mir selbst?

Fragen, bei denen nach unserer Auffassung als Christen
Gott ins Spiel kommt,
der Gott, dessen Liebe sich uns in Jesus Christus
in seinem ganzen Umfang gezeigt hat,
und dessen Gegenwart wir uns
im Heiligen Geist vergewissern dürfen.

Zum Glauben an diesen Gott
hätten sie sich dieses Wochenende bekannt,
und wir hätten dafür gebetet,
dass dieser Glaube sich
in ihrem künftigen Leben bewährt.

„Was auch immer ihr wollt,
fragt danach, und es wird euch geschehen!“

Ein Satz, den man allerdings nur verstehen kann,
wenn man begreift, was hier sonst noch gesagt wird,
denn er steht ja nicht allein!

Denn er meint ja nicht:
Du kannst wollen was du willst,
frage danach, und es wird geschehen!
…wie das ähnlich mancher Erfolgstrainer
vielleicht sagen würde.

„Was auch immer ihr wollt,
fragt danach, und es wird euch geschehen!“

Dieser Satz, er ist nur unter einer Voraussetzung gültig:
Ich bin mit Jesus Christus verbunden,
so wie die Rebe mit dem Weinstock,
fühle mich IHM verbunden,
in seiner Hingabe, in seiner Liebe,
in seiner Leidensbereitschaft für diese Welt.

Und dies verändert meinen Blick auf die Welt,
die Menschen, die darauf leben,
bestimmt auch mein Wollen:
Es lehrt mich, was gut zu wollen ist,
und was nicht!

„Mach SEINEN Willen zu deinem Willen,
dann macht er deinen Willen zu SEINEM Willen!“

Eine rabbinische Weisheit,
die auch hier zum Tragen kommt…

Die Verbundenheit mit Jesus Christus,
sie lehrt uns Christen,
diese Welt mit ihren Widersprüchen zu lieben,
den Begrenzungen, die es noch gibt.
Denn Gott hat eine solche Welt gewollt!

„Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern,
die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

…so heißt es in einem Gebet
das viele dem amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr zuschreiben…
…und nur um Dinge, die wir ändern können,
um die werden wir bitten…,
wenn wir mit IHM verbunden sind,
wie Reben mit dem Weinstock…

Mehr braucht es nicht,
und mehr sollte auch nicht!

So können wir uns
mit dieser Welt auseinandersetzen,
der realen Welt, so, wie sie ist.

Steigern uns nicht in Wunschphantasien,
brauchen nicht irgendwelchen Erfolgsversprechen glauben,
oder Menschen manipulieren.
Werden vielmehr konsequent
dem Weg der Liebe folgen,
der Kraft der sanften Veränderung vertrauen…

Kraft, die uns zufließt aus dem wahren Weinstock, mit dem wir verbunden sind.

„Wer werde ich sein,
wie komme ich mit den Herausforderungen zurecht,
die das Leben mir stellt…,
wie finde ich zu mir selbst?“

Fragen, mit denen möglicherweise
auch wir dereinst
ins Leben gestartet waren
in jungen Jahren…

Vielleicht haben wir ja
im Laufe der Zeit
in der Tat die Feststellung gemacht:
Je stärker wir uns in Gott aufgehoben wissen,
uns bewusst sind,
dass da etwas Größeres ist,
das uns durch das Leben trägt,
desto leichter kommen wir mit den Herausforderungen zurecht,
die das Leben uns stellt,
ja, sind auch fähig, Schweres anzunehmen…

Mögen wir es alle spüren:
Je mehr Gott zu uns findet,
wir offen sind für ihn,
desto mehr finden wir auch zu uns selbst,
erlangen die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen,
die wir nicht ändern können,
erlangen Mut,
Dinge zu ändern,
die wir ändern können,
erwerben die Weisheit,
das eine vom anderen zu unterscheiden.

Möge unsere Rebe reife Frucht tragen!

AMEN

 

Hoffnungswort zum Sonntag "Misericordias Domini" - 26. April 2020

...zum Hören des mp3-Podcast bitte Tonleiste oben anklicken!
...zum Lesen des Hoffnungswortes bitte Textfeld unten öffnen

Text Hoffnungswort "Misericordias Domini" Pfrin Groß:

Hoffnungswort zum Sonntag
Misericordias Domini

Lesung zum Sonntat Johannes 10,11-30

Lieder "Ich habe nun den Grund gefunden" (EG 354); "Lasset uns mit Jesus ziehen" (EG 384)

Psalmempfehlung: Psalm 23

Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des HERRN immerdar.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

nun ist es schon zwei Wochen her, dass wir Ostern und damit den Sieg des Lebens über den Tod feiern durften.
Der Sonntag, der auf das Osterfest folgt, der Sonntag Quasimodogeniti, „wie die neugeborenen“ hat auch einen sehr feierlichen Charakter. Er wird auch als „weißer Sonntag“ bezeichnet. Menschen, die in der Osternacht getauft wurden trugen bis zu diesem „weißen Sonntag“ ihr weißes Taufkleid, als Zeichen, dass sie nun zu der christlichen Gemeinschaft gehörten.
Der heutige Sonntag „Misericordias Domini“ will uns nun in den Alltag zurückführen. Von nun an geht es darum, sich im Alltag ohne auffallendes, weißes Gewand im Leben als Christ zu beweisen. Und dieser Sonntag wird auch als Hirtensonntag bezeichnet.
Alle Texte, das Evangelium, der Psalm 23, die Lieder und Gebete spielen mit dem Bild des Hirten und der Schafe.

So auch unser Predigttext, welcher im 1. Petrusbrief steht (1. Petr 2, 21-25):

Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen;
er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand;
der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet;
der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.
Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Liebe Schwestern und Brüder,

ich glaube nicht wirklich, höchstens noch ein klein bisschen, dass ich mit meinem Mann im Sommer in ein Ferienhaus an die Nordsee fahren kann. Dort würde ich sie sehen. Die Schafe. Wie sie auf dem Deich stehen, in der Sonne, auf der grünen Wiese. Schafe, so finde ich, haben immer etwas Beruhigendes. Ihre Gesichter sind entspannt, bei dem was sie tun. Rumstehen, fressen, laufen. Schafe sind sorglos, so meine ich. Sie brauchen nicht viel. Einen Hirten brauchen sie, der darauf achtet, dass seine Schafe gesund bleiben, der sie zu frischem Wasser führt und sie auf grünen Auen weiden lässt. Einen Zaun gibt es oft, auch bei Wanderhirten. Der Zaun gibt Sicherheit, damit die Schafe sich nicht verlaufen. In der Nacht soll der Zaun vor anderen Tieren schützen. Auch einen Hund, der den Hirten und seine Schafe begleitet, sieht man oft. Auch er sorgt dafür, dass die Schafe zusammenbleiben.
Und natürlich brauchen die Schafe auch ihre Artgenossen, um ein gutes Leben führen zu können.

Ohne Hirten, ohne Zaun und ohne andere Schafe sieht das Leben schon ganz anders aus. Vieles kann so einem Schaf zustoßen. Es kann sich verlaufen, sich verletzen.
Sie kennen das Gleichnis vom verlorenen Schaf wahrscheinlich.
Jesus hat von diesem Schaf erzählt und von dem Hirten, der sein Schaf sucht, bis er es endlich gefunden hat.

Der 1. Petrusbrief vergleicht die Leserinnen und Leser und damit auch uns mit Schafen. Mit den Schafen, die keinen Hirten, keinen Zaun und damit keinen Schutz hatten. Schafe, die sich verirrt und sich verlaufen hatten. Schafe, die nicht mehr weiterwussten.
Nun, eigentlich möchte ich nicht gerne mit einem Schaf verglichen werden. Halte ich mich doch für intelligenter als ein Schaf. Und sie, liebe Schwestern und Brüder möchten diesen Vergleich wahrscheinlich auch nicht so einfach hinnehmen.

Und dennoch, ja, manchmal sind auch wir Menschen wie Schafe. Ziellos, ratlos, hilflos.
Gerade in diesen Wochen werden viele Menschen, auch bei uns von Ängsten geplagt. Angst, wie es denn weitergehen wird. Ob der Arbeitgeber einem kündigen muss oder ob der Arbeitsplatz doch erhalten bleibt. Ratlos und hilflos stehen viele Menschen vor dem Abgrund. Weil ihr Arbeitsplatz weg ist, weil sie ihr Geschäft nicht erhalten können. Viele Menschen haben Angst, wie es mit dem Virus weitergehen wird. Werde ich daran erkranken? Meine Eltern, Geschwister, Freunde, Lebenspartner? Und wenn ja, komme ich, kommen meine liebsten dort wieder heil raus?
Und dann sind da ja noch die anderen schlimmen Nachrichten. Die überfüllten Flüchtlingslager, die vielen verfolgten Menschen überall auf der Welt, der Brand in der Nähe von Tschernobyl, der momentan ausbleibende Regen, der so wichtig wäre, damit die Ernte nicht kaputt geht.

Was können wir nur tun? Wo gibt es Sicherheit und Orientierung?

Der 1. Petrusbrief gibt darauf eine Antwort: „Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.“
Er meint damit, na klar, Jesus. Der 1. Petrusbrief sagt, dass JESUS, auf alles die Antwort ist. Damals und heute.
In Jesus, so die Aussage, ist alles was wir brauchen.
Jesus ist: ein gutes Vorbild, dem wir nachfolgen sollen; Jesus hat keine Sünde getan; Jesus hat nicht gelogen; Jesus hat niemanden bedroht, als er selbst bedroht wurde und gelitten hat; Jesus hatte keine Rachegefühle für die, die ihn getötet haben.
Jesus ist also unser Vorbild. Doch, kann ich, können wir so leben wie Jesus?
So wie Jesus, der niemanden verurteilt hat. Er hat ja mit den ausgestoßenen gemeinsam gegessen. Er hat die geheilt, an die sich keiner gewagt hat. Er hatte keine Vorurteile, die Menschen darauf reduzieren, wo sie herkommen. Jesus erzählt von Menschen, die nicht beliebt waren, weil sie nicht seinem Volk angehörten. Vom barmherzigen Samariter, von der kanaanäischen Frau.
Er lässt Kinder zu sich kommen, obwohl seine Jünger das verhindern wollten.
Jesus ist ein Mensch, der auf andere zugeht, ohne zu fragen was er oder sie großes getan haben, um seine Aufmerksamkeit, um seine Gnade verdient zu haben.
Und Jesus sucht immer wieder Kontakt zu Gott. Er zieht sich in die Wüste zurück. Und er betet. Dort, in der Stille, im Gebet findet Jesus Halt. Aus dem Gebet zieht er seine Kraft. Im Gebet zeigt er sich auch verletzlich und legt seine Sorgen vor Gott. Und das Gebet öffnet sein Herz und seine Augen. Öffnet ihn für die Menschen, die ihn brauchen.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

wir können nie ganz wie Jesus werden, dass weiß ich. Wenn das mein Anspruch wäre, wäre mein Scheitern und wahrscheinlich auch meine Verzweiflung vorprogrammiert. Ich bin nicht Jesus. Du bist nicht Jesus. Das ist auch gar nicht mein Anspruch. Und darf es nicht sein. Wir als Menschen haben nun einmal manchmal Vorurteile. Sie helfen uns die Welt in der wir leben, einzuteilen. Vorurteile müssen ja auch gar nicht immer schlecht sein.
Was mein Anspruch an mich selbst sein könnte ist, positive Vorurteile zu haben. In den Menschen, denen ich begegne erst einmal grundsätzlich das Positive, das Gute zu sehen. Mein Herz zu öffnen, für die, die mir jetzt vielleicht noch fremd sind, um zu merken und zu begreifen, dass wir uns viel ähnlicher sind, als wir denken. Mein Herz und meine Augen für die zu öffnen, die ein offenes Ohr gebrauchen können. Die jetzt reale Hilfe benötigen.
Dies alles sehe ich bei uns in Haßloch aufkeimen, z.B. im EDEN-Netzwerk oder in der Aktion „Haßloch teilt“. Wir öffnen gemeinsam unser Herz, unsere Augen und Ohren mit Aktionen, wo es nicht darauf ankommt, dass der- oder diejenige Hilfsbedürftige zu unserer Gemeinde gehört. Sondern wo es darauf ankommt, wo jemand gerade jetzt, in dieser schwierigen Zeit Hilfe benötigt.
Durch so etwas folgen wir Jesus nach, eifern seinem Vorbild nach. Dies ist ein guter Weg, den wir beschreiten.
Und wenn mein Mann und ich hier am Abend um 19:30 Uhr die Kirchglocke in Lambrecht läuten lassen, unsere Andachtskerze anzünden und gemeinsam beten, empfinde ich es als Wohltat. Sich zurückziehen, in die Stille kommen. Ich weiß mich dann verbunden mit Gott und mit Ihnen in Haßloch. Und all das, was mich am Tag bewegt hat und immer noch bewegt, kann ich dann im Gebet vor Gott bringen. All die Sorgen, die mich belasten, die Ängste die ich habe, die Trauer, die ich mit mir rumtrage wie eine Handtasche. Dies alles kann ich Gott sagen und wenigsten für ein paar Minuten Ruhe finden. Manche Sorgen kann ich dann getrost im Gebet lassen, muss sie nicht wieder mit hinausnehmen, sondern weiß sie gut bei Gott aufgehoben. Wir können uns gegenseitig im Gebet mitaufnehmen, aneinander denken. Gerade in dieser Zeit, in der wir uns nicht am Samstagabend oder am Sonntagmorgen zum gemeinsamen Gebet treffen können, empfinde ich diese Zeit als unglaublich wertvoll und wichtig. Auch hier finde ich gibt es einen wunderbaren positiven Effekt. Durch das getrennte und doch gemeinsame Gebet ist es auch möglich, für sich selbst das Beten „neu“ zu lernen.
Und ich kann Kraft schöpfen, die ich brauche, um in einen neuen Tag zu gehen und all die Dinge zu erledigen die nötig sind.
Wenn wir so unser Leben gestalten, im Gebet verbunden und unsere Herzen, Ohren und Augen dadurch öffnen, folgen wir Jesus nach. Dann wird er uns zum Vorbild. Zu einem guten Hirten, in dessen Fußspuren wir gehen können. Und dadurch wird es auch möglich, dass jeder und jede selbst für andere zu einem guten Hirten werden kann. Denn dazu sind wir alle berufen.
Amen.
 

Fürbittengebet:

Gott der Barmherzigkeit und Güte,
wie ein guter Hirte behütest du uns.
Du leitest unsere Schritte richtig
und gehst mit uns in Zeiten der Traurigkeit
und an Tagen der Freude.
Wir bitten dich für alle,
die in Unsicherheit und Angst leben müssen.
Wir denken an die vielen Menschen,
die auf der Flucht sind,
die zurücklassen müssen,

was ihnen Heimat und Geborgenheit war.
Wir sehen ihr Leid.
Lass uns nicht abstumpfen und gleichgültig werden.
Wir bitten dich für alle,
denen das Notwendige zum Leben fehlt.
Wir denken an die,
die Tag für Tag Mangel erleiden.
Wir sehen ihre Not.
Lass sie bei uns nicht vergessen sein.
Lass uns dankbar mit ihnen teilen,
was du uns reichlich schenkst.
Wir bitten für die Menschen, die Schweres durchleiden.
Wir denken an die,
die wandern im finsteren Tal,
die keinen Ausweg mehr finden.
Wir sehen ihre Angst.
Ermutige uns, sie nicht allein zu lassen.
Lass uns geduldig bei ihnen bleiben.
Wir leben von deiner Güte.
Du schenkst uns, was wir zum Leben brauchen.
Dafür danken wir dir.

 

In unser Gebet schließen wir diejenigen mit ein, von denen wir Abschied nehmen mussten und die uns in die Ewigkeit vorausgegangen sind. Ganz besonders denken wir heute an:
Herrn Arno Moses
Frau Ingeburg Lax

 

Ewiger Gott, in deine Hände haben wir die Verstorbenen gelegt. Wir bitten dich, gib ihnen Wohnung und Heimat bei dir. Und allen, die um sie trauern, gib die Kraft einander zu trösten mit den guten Erinnerungen an sie und dem Vertrauen, dass wir einmal alle vereint sind bei dir. Durch Christus unseren Herrn.  Amen

Vater unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe
Wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
Und die Herrlichkeit in Ewigkeit. AMEN

Amen
 

Bis wir uns wiedersehen behüte euch Gott der Allmächtige und Barmherzige. Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Hoffnungswort zum Sonntag "Quasimodogeniti"

von Manfred Kruppa, Herrnhuter Brüdergemeine

Traditionsgemäß feiern wir am ersten Sonntag nach Ostern, dem Sonntag "Quasimodogeniti" gemeinsam einen Gottesdienst mit unseren Brüdern und Schwestern von der Herrnhuter Brüdergemeine. Neben Gästen, in manchen Jahren von anderen Ländern und Kontinenten, durften wir auch jedes Jahr Bruder Manfred Kruppa begrüßen, der jahrelang Beauftragter für unsere Region war und sich nun im Ruhestand befindet.
Statt die Predigt - wie vorgesehen - in einem Gottesdienst in der Christuskirche zu halten, können wir Sie Ihnen leider nur auf diesem Wege zugänglich machen, als mp3-Podcast und Text.
Normalerweise hätten wir im Gottesdienst eine Kollekte zu Gunsten der Herrnhuter Missionshilfe erhoben.
Da dies nicht möglich ist, finden Sie die direkte Bankverbindung und Infos dazu weiter unten,
ebenfalls auch weitere Infos zur Herrnhuter Brüdergemeine allgemein.

Begrüßung und Eingangsgebet (Pfr. Christoph Stetzer)

Textfassung Begrüßung und Eingangsgebet:

Pfr. Stetzer
Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und
ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.

(2.Tim 1, 10)
…mit diesen Worten aus dem 2. Timotheusbrief möchten Bruder Manfred Kruppa und ich Sie an diesem Sonntag nach Ostern,
dem Sonntag „Quasimodogeniti“ begrüßen.
Dieser Sonntag, er ist seit Jahren der Tag, an dem wir und die Herrnhuter Brüdergemeine gemeinsam einen Gottesdienst in Haßloch feiern, oft auch mit weiteren Gästen und einem Vortrag.
Leider ist in diesem Jahr ja alles anders.
„Quasimodogeniti“, das heißt:
Wie die Neugeborenen.
In ganz neuer, anderer Weise haben wir dieses Jahr die Passion erlebt.
In ganz neuer, anderer Weise haben wir dieses Jahr Ostern erlebt.
Mögen wir auch dieser Zeit auch
als in ganz anderer Weise erneuerte Menschen hervorgehen!

Wir feiern auch an diesem Sonntag
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

AMEN

Gebet:

Gott, du hast Jesus Christus der Macht des Todes entrissen
und ihm neues, unvergängliches Leben geschenkt.
Darum loben wir dich.
Dir danken wir:
Hoffnung gibst du,
wo wir uns noch fürchten;
Freude verheißt du,
wo wir noch traurig sind;
Vertrauen pflanzt du in uns,
wo uns noch Sorge beherrscht;
Vergebung schenkst du,
wo uns noch Schuld belastet;
Leben weckst du,
Leben in Fülle.

Amen.

Lied vor der Predigt: Christ, der Herr ist auferstanden Gesangbuch der evangelischen Brüdergemeine 316

Zu hören unter folgendem Link:

https://www.youtube.com/watch?v=beaTDMlyr8A

Predigt zu Jesaja 40, 26-31 (Bruder Manfred Kruppa)

Textfassung Predigt:

Bruder Manfred Kruppa, Herrnhuter Missionshilfe:
Predigt über Jesaja 40,26-31

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

leider kann der traditionelle gemeinsame Gottesdienst am 1. Sonntag nach Ostern der Evangelischen Kirche in Haßloch und der Herrnhuter Missionshilfe aufgrund der gegenwärtigen Situation dieses Jahr nicht stattfinden. Es schmerzt mich sehr, die über Jahre vertraut gewordenen Gesichter und Menschen nicht zu sehen und gemeinsam Gottesdienst zu feiern, zu singen und Gottes Wort auf uns wirken zu lassen. Aber ich weiß mich mit ihnen allen verbunden im Gebet und in der Liebe Gottes. Ich grüße sie heute ganz herzlich aus meinem Arbeitszimmer in Kraichtal.     

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. (2. Kor. 13,13)Amen.

Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Buch Jesaja, dem 40. Kapitel, die Verse 26 bis zum Vers 31:

26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft sind so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. 27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«? 28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. 29 Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. 30 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; 31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Wäre es nicht schön, Kraft und Vitalität eines Adlers zu haben? In vielen Ländern ist das Symbol des Adlers Staatswappen, auch bei uns. Auffahren können wie ein Adler und alles unter uns oder besser hinter uns zu lassen. Die jetzige Situation, die uns zeigt, wie zerbrechlich wir sind. Zerbrechlich ist nicht nur unser global ausgerichtetes Wirtschaftssystem. Zerbrechlich ist nicht nur unsere Gesellschaft. Zerbrechlich sind wir auch selber als Menschen. Ein Virus, den wir mit unseren Augen allein nicht sehen können, führt uns das wieder vor. Was bleibt von der Kraft der deutschen Wirtschaft? Was bleibt von unserem Staat und unserer persönlichen Freiheit? Ist alles am Ende? Was bleibt von meiner eigenen Kraft?       

Scheinbar mühelos schwebt der Adler immer höher und höher. Nahezu unendliche Kraft scheint dieser großartige Vogel zu haben. Mich einfach in die Luft schwingen zu können, mich einfach über die Täler des Lebens zu erheben und über alle Schwierigkeiten wegschweben zu können, wie sehr wünsche ich mir das heute. 

Ob die ursprünglichen Adressaten unseres Bibeltextes auch so dachten? Seit mehr als zwei Generationen waren sie Gefangene in Babylon. In der Stadt und Umgebung, in die sie die damalige Weltmacht zwischen Euphrat und Tigris verschleppt hatte. Traurig sitzen sie am Abend nach der Arbeit am Ufer des Euphrat in der Dunkelheit und versuchen ein wenig Kühle nach der großen Hitze des Tages zu finden.

Von ihrem gegenwärtigen Leben frustriert und enttäuscht, schauen sie müde und verbittert auf den sandigen Boden. Und dann hören sie den Satz: Hebt eure Augen in die Höhe und schaut! Wer hat denn dies geschaffen, das ganze Himmelszelt und all die Sterne?

Was soll diese Aufforderung, den Blick auf die Sterne zu richten, auf die Götter der einheimischen Herren? In der Umgebung der aus Jerusalem Verschleppten herrscht der Sternenkult. Die Babylonier hatten die Sterne zu Göttern erklärt, beteten sie an und lasen aus dem Lauf der Gestirne die Zukunft. Die Horoskope in den bunten Blättern von heute sind ein Überbleibsel aus der Zeit damals in Babylon.

Was soll diese Aufforderung, den Blick auf die Sterne zu richten? Seit zwei Generationen sind die Verschleppten nun schon hier. Die Zweifel nagen an ihrem Glauben, dem Glauben von Abraham, Jakob, Isaak und Mose. Aber der da war, der da ist, der da sein wird, der HERR, der Allmächtige hat sie nicht vergessen.

ER, lässt einen Propheten sprechen: Nicht die Sterne sind Götter, die das Leben lenken und bestimmen. Nein, der Himmel und die Sterne sind von IHM geschaffen. ER, der Allmächtige, führt sie wie ein großer Heerführer und gewaltiger Kriegsherr über die Himmelsbahn und ruft sie mit Namen, … dass nicht eines von ihnen fehle an der ganzen großen Zahl. Der Allmächtige, der Schöpfer des gesamten Universums, lässt die Seinen nicht allein.

Sein Volk in Babylon ist in einem ganz erbärmlichen Zustand. Nach Verschleppung, zwei Generationen Gefangenschaft im Exil und dem Leben als Sklaven sind die fern ihrer Heimat Lebenden des Volkes Israel am Ende. Die Menschen klagen: „Mein Weg ist dem Herrn verborgen und mein Recht geht an meinem Volk vorüber.“ Ihr täglicher Kampf ums Überleben in einem fremden Land hat sie müde und verbittert gemacht. Männer ohne Kraft, vom Leben enttäuschte Frauen, junge Leute deprimiert und frustriert!

Können wir uns heute überhaupt vorstellen, was für eine Müdigkeit und Verzweiflung die Verschleppten erfasst hatte? Jerusalem, das war einmal! Die offensichtliche Macht der Gottheiten Babylons ist zum Greifen nah. Und einer klagt dem anderen: „Mein Weg ist vor Gott verborgen…er sieht nicht, wie es mir geht.“ Er schaut einfach weg!

Glaubensmüdigkeit führt zu Lebensmüdigkeit. Denn wer glaubt, der hofft und schaut vorwärts. Aber was, wenn der Glauben sich vor lauter Frust und Müdigkeit wie in Luft aufgelöst oder wie ein gasförmiger Stoff verflüchtigt hat? Was dann? Was die verschleppten Menschen des Volkes Israel erlebten, wiederholt sich immer wieder.

Wo sehen wir gegenwärtig kraftvolles Leben? Sind Müdigkeit, Verbitterung und Frust das vorherrschende Lebensgefühl? Wenn ich die Menschen zurzeit sehe, empfinde ich immer wieder, dass sich da offensichtlich ein Gefühl von Frust und Müdigkeit breitgemacht hat. Und das Ergebnis von Müdigkeit ist Resignation und Rückzug in das eigene Ich.

Alles geht seinen Weg. Soweit es die gegenwärtige Situation möglich macht, geht man weiter die Wege, die man immer gegangen ist. Aus dem Strom mit der herrlichen Flut ist ein Bächlein geworden. Einzelne stemmen sich dem allgemeinen Trend entgegen, entdecken Talente und entwickeln Kräfte, die sie zuvor nicht kannten. Sie opfern sich für die Allgemeinheit, ihren Nachbarn, ihren Nächsten. Aber allzu oft müssen sie feststellen, dass sie Einzelkämpfer bleiben. Die meisten sind müde und matt und haben Angst vor noch weiteren Belastungen und Einschränkungen.

Wir sind müde und frustriert. Wann gibt es endlich eine Änderung der gegenwärtigen Situation? Gibt es überhaupt noch ein Zurück zu dem, wie es vorher war? Und wenn persönliche Probleme hinzukommen, bei der Arbeit, in der Familie, oder der Gesundheit! Wie soll dann der Frust, die sich ausbreitende Müdigkeit und die daraus folgende Resignation aufgehalten werden? Lässt sich dieses Dilemma, in dem wir uns befinden, überhaupt lösen?

Wir brauchen eine Kraft, eine Kraft die uns ansteckt, eine Kraft, die uns neu erfasst, eine Kraft, die uns neu motiviert. „Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Welt geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.“

Sehen unsere Augen überhaupt noch die großartige Schöpfung Gottes? Himmel und Sterne, Blumen und Wiesen, Berge und Täler, Meere und Flüsse, Tiere und Menschen? Was für eine gewaltige Schöpfermacht war da am Werk, eine Kraft ohne Ende! Und die Kraft der Schöpfung ist immer noch nicht am Ende. Erde und Weltall entwickeln sich weiter. Das bestätigen die Naturwissenschaftler. „Ich glaube an Gott, den Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde…“. Das bekennen wir immer wieder in unserem Glaubensbekenntnis.

Gott, der HERR, erinnert sein Volk: ICH bin es doch, der alle Kraft und Macht hat. Die Weltmacht Babylon ist nur ein Staubkorn, wie jede Weltmacht vor ihr und nach ihr.

Ostern war vor einer Woche. Ostern ist das Fest der unendlichen Kraft Gottes. Das sehen wir nicht nur jedes Jahr im erneuten Aufbruch des herrlichen Frühlings, sondern vor allem im Aufbrechen des Grabes Jesu, den die Kraft Gottes auferweckt hat. Und das hat seine Auswirkungen. „Kann uns doch kein Tod nicht töten, sondern reißt unsern Geist aus viel tausend Nöten.“

Der lebendige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, hat Kraftreserven ohne Ende. Er wird niemals müde und versinkt nicht in Mattigkeit.

Daher, aus diesem Grunde, ist der Glaube, das Hängen an ihm, unserem Gott, oder harren, wie Luther übersetzt, so lebensnotwendig für uns. Wie sollte der, der Jesus aus dem Grab geholt hat, nicht auch uns aus unseren Löchern der Müdigkeit herausholen. Ja, ER, kann das tun und ER will es tun.

Die Kraft Gottes ist mächtiger als alles andere, ja sie ist mächtiger als jede Ermüdungserscheinung. Die Schöpfung, gerade im Frühling, zeigt es uns erneut. Die österliche Botschaft lehrt uns: wir haben einen Gott, dessen Kraftreserven unendlich sind. Deshalb wollen wir uns eng an ihn halten. „An ihm wir kleben im Tod und Leben…“

„Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“

Wie können wir die Müdigkeit des Glaubens und unseres Lebens überwinden? Wie können wir für unser Leben neue Stärke und Mut gewinnen? Indem wir auf den HERRN harren! Indem wir alles auf IHN setzen! Alle unsere Erwartungen und alle unsere Hoffnungen auf IHN setzen und nicht auf uns selbst und nicht auf irgendjemand anderen oder auf irgendetwas anderes! Ganz gleichgültig auf welchen Feldern und wo wir Kraft und Stärke brauchen.

Wenn uns die Sorgen und Schwierigkeiten unseres eigenen Lebens gefangen nehmen wollen! Wenn es immer nur und kein Ende von Enttäuschungen mit anderen Menschen gibt! Die auf den HERRN bauen und IHM trauen, bekommen neue Kraft auszuhalten und durchzuhalten. Unser Gott hat alle Macht und Kraft! Unser Gott ist immer noch größer als ich denken kann!

Der Glaube an die Ökonomie mit ihren unbewiesenen Annahmen bezüglich des Verhaltens der sogenannten Wirtschaftssubjekte ist zur Ersatzreligion geworden. Der Tanz um das Goldene Kalb hat seine Fortsetzung gefunden. Das müssen wir uns vor Augen führen und ehrlich eingestehen.

Unsere Sorgen um Arbeit und Lohn, unsere Sorgen um unsere Ersparnisse und Alterssicherung und unsere Sorgen um die Weltwirtschaft treffen auf einen Gott, der die nicht enttäuschen wird, die auch in diesen Fragen seiner Kraft alles zutrauen.

„Der HERR ist nun und nimmer nicht von seinem Volk geschieden!“ Die Auferstehungskraft unseres Herrn Jesus Christus kann auch uns herausholen aus unserer Müdigkeit und Resignation. Und dann können wir laufen ohne zu straucheln und matt zu werden.

Wie viele Menschen leiden in der gegenwärtigen Situation an Einsamkeit und fühlen sich mit ihren vielen Nöten verlassen. Sie denken, man beachte sie nicht. Lasst uns überlegen, was wir tun können und vergessen wir sie nicht. Es ist mehr möglich, als wir uns vorstellen können. Lassen wir unserer Phantasie freien Lauf.

Uns ist eine neue Kraft verheißen! Wir merken, dass wir es mit unserer jetzigen Kraft nicht schaffen werden, auch nicht auf den alten Wegen oder mit den bisherigen Gewohnheiten. Wir sollen auffahren wie Adler! Wir sollen die Thermik oder die Aufwinde nutzen, die uns tragen. Der Adler muss seine Flügel nur richtig den Luftströmungen anvertrauen und dann trägt es ihn nach oben. Die Luftströme hat er nicht gemacht. Die sind Werk des Schöpfers.

Wir wollen uns der Thermik, den Aufwinden des Geistes Gottes, des Wortes Gottes und der Kraft Gottes anvertrauen. Dann haben wir einen Auftrieb, der kein Ende haben wird, und eine Kraft, die kein Ende haben wird.

Unser Leben als Christ wird kraftvoll. Wir haben die Kraft der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus.

Unsere Kirche wird kraftvoll. Wir haben einen lebendigen Gott, dem die Reserven nicht ausgehen.

Unsere Gesellschaft wird kraftvoll. Wir haben eine Hoffnung, die auf unserem HERRN, dem ewigen Gott beruht.

Warum sollen wir müde bleiben? Flieg‘ auf den Flügeln der Freude, weil Gott, der HERR, dich nicht fallen lässt.

„Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus“ (Phil. 4,7) 

Amen.

Lied nach der Predigt: Nun gehören unsere Herzen ganz dem Mann von Golgatha, EG 93, 1-4

Zu hören unter folgendem Link:
https://www.youtube.com/watch?v=eJQY24DK71o

Fürbitten, Vater unser und Segen (Pfr. Christoph Stetzer)

Textfassung Fürbitten, Vater unser und Segen

Fürbitten:

Du Auferstandener,
Christus,
unsichtbar in unserer Mitte.
Zu dir beten wir.

Du bist das Leben.
Du hast dem Tod die Macht genommen.
Doch wir erleben,
wie der Tod immer noch nach uns greift.
Wir bitten um
dein Leben für die, die gegen den Tod ankämpfen,
dein Leben für die, die dem Tod ausgeliefert werden,
dein Leben für die, deren Kräfte versiegen.
Nimm uns die Angst.
Schenk uns Glauben.

Christus, du Auferstandener.
Du bist das Leben.
Du schenkst den Frieden, der die Welt überwindet.
Doch wir erleben,
wie weiter Unfriede herrscht.
Wir bitten um
deinen Frieden für die Menschen in Syrien,
deinen Frieden für alle, die eingesperrt und bedrängt werden,
deinen Frieden in unseren Häusern und Familien,
in unserer Nachbarschaft,
in unserem Land.
Nimm uns die Angst.
Schenk uns Frieden.

Christus, du Auferstandener.
Du gibst das Leben.
Du schenkst ewiges Leben.
Doch auch diese Woche
mussten wir Menschen
auf ihrem letzten Weg in dieser Welt geleiten.
Wir denken an:
Volker Jörg Mehrmann,
verstorben im Alter von 43 Jahren  
und Christa Stahler geb. Vogt,
verstorben im Alter von 85 Jahren.
Stärke uns und die Angehörigen in der Zuversicht,
dass unser Weg nicht an Gräbern endet.
Geleite uns durch Trauer.
Führe uns weiter auf Pfaden des Lebens 

Christus, du Auferstandener.
Du bist das Leben.
Du gibst den Müden Kraft.
Du lässt uns aufatmen.
Wir danken dir
für den Atem,
für die Menschen an unserer Seite,
für den Glauben und dein Wort.
Dir vertrauen wir diese Welt an.
Dir vertrauen wir uns an.
Du bist das Leben. Halleluja.

Amen.

(Quelle – außer Text in Schrägdruck:www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php)
Vater unser
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen
Es segne und behüte uns Gott der Allmächtige und Barmherzige,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Kontonummer und Infos Herrnhuter Missionshilfe

Infos zur Herrnhuter Missionshilfe allgemein:

https://www.herrnhuter-missionshilfe.de/

Besonders empfohlen: Nothilfefonds der Herrnhuter Missionshilfe

Bankverbindung:
Herrnhuter Missionshilfe
IBAN: DE 25 5206 0410 0000 4151 03
BIC: GENODEF1EK1 (Evangelische Bank eG)

Zweck (bitte angeben): Nothilfefonds der HMH

Der Nothilfonds der Herrnhuter Missionshilfe dient der Soforthilfe und ist durch Katastrophen und Ereignisse der vergangenen Monate stark geschmolzen (z.B. Albanien 26. Nov. 2019 zwei schwere Erdbeben innhalb von neun Wochen, in Lettland ist die komplette Heizung der Christian-David-Schule aufgrund des hohen Alters komplett ausgefallen ( »Ohne Heizung ist es unmöglich, unsere Kinder und Jugendlichen zu unterrichten, sie beim Aufwachsen zu unterstützen und ihnen Unterkunft zu bieten.«) und muss ersetzt werden, usw.

Infos zur Herrnhuter Brüdergemeine allgemein:

Einen ausführlichen Artikel finden Sie in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Herrnhuter_Br%C3%BCdergemeine

Die Homepage der Evangelischen Brüderunität (Brüdergemeine) finden Sie unter:
https://www.ebu.de/brueder-unitaet/

Die Homepage der Brüdergemeine Herrnhut:
http://www.herrnhut.ebu.de/start/

Zwei Hoffnungsworte zu Ostern

Pfrin Groß und Pfr. Schatull

Hoffnungswort zu Ostern Pfrin Groß

...zum Hören des mp3-Podcast bitte Tonleiste oben anklicken!
...zum Lesen des Hoffnungswortes bitte Textfeld unten öffnen!

Liedempfehlungen:
Lied vor der Predigt: EG 99 (Christ ist erstanden) https://www.youtube.com/watch?v=wQDtNaqirXI
Lied nach der Predigt: EG 116 (Er ist erstanden) https://www.youtube.com/watch?v=r2IIjRe42vo

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Schwestern und Brüder,

der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! So grüßen wir Christen uns an Ostern. Dieses Jahr nicht leider persönlich, aber dennoch nicht weniger freudig.
Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.

Karfreitag, das Sterben Christi liegt hinter uns. Die Sonne scheint am Ostermorgen. Heute, hier für uns. 2000 Jahre nach dem alles verändernden Ereignis. Für diejenigen, in unserem Predigttext ist es etwas ganz Neues. Etwas, das vorher noch nie dagewesen war.

Im Matthäusevangelium im 28. Kapitel wird uns von zwei Frauen, einem Engel und Jesus berichtet:

Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. Die Wachen aber erbebten aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen. Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.

Zwei Frauen auf dem Weg zum Grab. Voller Trauer. Den Tod Jesu können sie noch gar nicht begreifen. Die furchtbare und gewaltsame Kreuzigung.
Das gemeinsame Leben in Galiläa. Der Weg gemeinsam mit Jesus nach Jerusalem. Das alles war plötzlich zu Ende. Abgebrochen. Am Kreuz zunichtegemacht. Das Leben durchkreuzt.
Ich stelle mir vor, wie die beiden auf dem Weg sind. Es ist noch sehr früh am Morgen. Der Tag beginnt gerade erst und alles liegt noch im Zwielicht. Schweigend gehen die beiden Frauen den Weg gemeinsam. Jesus, der so enthusiastisch vom Reich Gottes gesprochen hat, der aus Gott heraus gelebt hat, der Gottes Wort verkündigt hat, weil er Gottes Sohn ist: Tot; Ausgelöscht. Was soll nun aus ihnen werden? Sie haben ihm vertraut. Sie haben darauf gebaut, dass eine neue Zeit anbrechen wird. Ein Abgrund der Sinn- und Hoffnungslosigkeit liegt vor ihnen. Die beiden gehen ihren Weg zum Grab um zu weinen, ohne Hoffnung.

Und dann geschieht etwas Gewaltiges. Es kommt ein großes Erdbeben und ein Bote Gottes kommt vom Himmel herab und wälzt den Stein den Weg. Ein wirklich gewaltiger und schwerer Stein muss das gewesen sein. Die Wachen kippen um, wie tot. Zu den Frauen sagt der Bot, dass Jesus nicht da ist. Jesus ist auferstanden. Den Jüngern sollen sie es sagen. Nach Galiläa sollen sie gehen, dort werden sie ihn sehen. 

Maria Magdalena und die andere Maria schauen sich an. Mit dem Tod ist doch nicht alles aus? Der Tod wird nicht das letzte Wort behalten? Ja kann das denn wirklich sein?
Ich stelle mir vor, dass auch die beiden Frauen gezweifelt haben an dem, was sie soeben erlebt haben. Aber sie machen sich auf den Weg. Eilen fort vom leeren Grab. Mit Furcht und großer Freude. Wollen es den Jüngern so schnell wie nur irgend möglich erzählen, was ihnen da wiederfahren ist. Auf dem Weg zu den Jüngern, da begegnen sie ihm wirklich. Jesus. Er steht vor ihnen und grüßt sie. Und sie hören es wieder: Geht und verkündigt es meinen Brüdern; geht hin nach Galiläa.
Warum zeigt sich Jesus den Frauen? Vielleicht, weil Jesus um die Furcht der Frauen weiß. Vielleicht, damit sie es sich auf dem Weg nicht anders überlegen und weitergehen zu den Jüngern, zu seinen Brüdern, und nach Galiläa.
Geht zu meinen Brüdern, hatte Jesus gesagt. Jesus nennt sie immer noch seine Brüder, obwohl sie fortgerannt sind, ihn verraten haben, ihn im Stich gelassen haben. Und dennoch, sie sind immer noch seine Brüder, sind immer noch geschwisterlich miteinander verbunden. Wie tröstlich dies zu hören, nach all dem Versagen. Jesus würde also so, wie er seinen Peinigern schon am Kreuz vergab, auch einen Weg finden, für sie. Einen Weg der erneuerten Gemeinschaft.

Die Frauen müssen sich gewundert haben. Jesus, der tot war, ist ihnen erschienen, ist ihnen begegnet. Was würden die Jünger nur zu all dem sagen?
Maria Magdalena und die andere Maria wissen es nicht.
Aber sie vertrauen darauf, dass sie es verstehen werden. In Galiläa. Dort, wo alles begonnen hatte: Jesu Wirken und Predigen. Dort in Galiläa hatte sein Ruf sie erreicht. Hatte ihr Leben verwandelt. Sie waren mit ihm gezogen, hatten alles hinter sich gelassen. Sie hatten erlebt, wie Jesus heilte und tröstete, Unrecht beim Namen nannte und Hoffnung stiftete. Dort hatte er der Sehnsucht ihres Lebens eine Richtung gegeben, hin auf das Reich Gottes. Und dort also würden sie auch erfahren, wie es weitergeht.

Die Frauen haben sich aufgemacht nach Galiläa, um zu erzählen, was geschehen war.
Weil diese Frauen mutig waren, können wir auch heute noch diese frohe Botschaft hören.
Der Stein ist weggewälzt. Das Grab ist leer. Der Stein ist ins Rollen geraten. Und rollt bis heute weiter. Auch wenn immer wieder der Stein der Vernunft vor dieses leere Grab gewälzt wird. Denn wissenschaftlich lässt es sich nicht beweisen, dass Jesus auferstanden ist. Wer tot ist, ist tot und bleibt tot. Niemand war dabei, als Gott, aus dem Nichts des Todes sein schöpferisches Wort sprach und ins Leben gerufen hat und durch die Mauer des Todes wieder zur Welt hindurch bricht. Da müssen wir als Menschen schweigen.
Wir können nur darauf vertrauen, daran glauben, dass Jesus auferstanden ist. Wir können darauf vertrauen, dass an Karfreitag, der Tag der leidvollen Unterbrechung das Ereignis ins Rollen kam, dass wir an Ostern feiern. Nämlich, dass Gott in Jesus das letzte Gefängnis, den Tod und das Grab von innen heraus aufgebrochen hat. Jesus wurde befreit aus diesem Gefängnis und mit Jesus auch wir.
All das, was uns klein macht und am Leben hindert, was uns beschwert und zermürbt, und wo wir andere beschweren. Fürchtet euch nicht – nicht mehr; nicht mehr so sehr. Denn ich bin auferstanden und stehe jetzt vor euch. Ich stelle mich schützend um euch, und keine Macht der Welt kommt mehr dazwischen, keine Weltmacht und niemand sonst, der euch so tief und tödlich verletzen kann, und keine Krankheit oder Not, nicht mal der Tod, der Gräber wie Gefängnisse bewacht.  
NIEMAND reißt euch aus meiner Hand! Und darum fürchtet euch nicht!

Und das gilt bis heute. Gilt auch uns. Deshalb rollt der weggewälzte Stein immer noch um die Welt. Dieses Geheimnis der Auferstehung ist das Geheimnis unseres Glaubens.
Wie gesagt, erklären können wir es nicht. Aber darauf hoffen, daran glauben.
Und wir können gemeinsam an einer Welt bauen, in der Gottes Reich schon heute anbricht. Das leere Grab ist keine Vertröstung auf ein „später“. Das später alles gut wird. Das leere Grab ist ein Trost. Für jetzt. Für mich. Für dich.
Geraten also auch wir gemeinsam mit dem Stein ins Rollen. Hinein in die Bewegung Gottes. Wo Menschen zu Nächsten werden, Trost und Hoffnung brauchen, wo für Gerechtigkeit und Versöhnung zu sorgen ist – dort erschließt sich, was Auferstehung bedeutet: Neues Leben, das Geschenk ist  und Auftrag zugleich. Neues, ewiges Leben.
Der Schlüssel ist die Liebe. Die Liebe zu meinem Nächsten. Die Liebe zu Gott. Gottes Liebe zu mir. Die Liebe ist der Schlüssel zum ewigen, bleibenden Leben.
Diese Liebe will uns ermutigen. Ostern ist Ermutigung.
Ostern ist Ermächtigung. Die Liebe ermächtigt uns die frohe Botschaft in unser „Galiläa“ zu tragen.

Fürchten wir uns deshalb also nicht. Sondern machen wir uns auf. Marschieren wir hinaus in die Welt im Vertrauen auf die Botschaft des Engels: „Er ist nicht hier; er ist auferstanden.“

Es ist wahr: Wer dieser frohen Botschaft traut, läuft wie die beiden Marien, dem Auferstandenen mitten vor die Füße. Und wird seine Stimme hören und das, was sie sagt, was gilt, nicht nur im Leben und Sterben, sondern in Ewigkeit: „Fürchtet euch nicht!“ Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbittgebet

Jesus Christus,
Menschen sagen:
Tot ist tot.
Du warst tot.
Jetzt lebst du.

Du bist auferstanden.
Der Tod hat verloren.
Das Leben hat gewonnen.
Wir feiern deinen Sieg.

Wir bitten dich für uns alle.
Wir wollen glauben können.
Auch wenn wir sagen: Unfassbar!
Jesus, du bist auferstanden.
Erbarme dich.

Menschen sehnen sich nach dir.
Wenn sie sich wie eingesperrt fühlen.
In zu viel Arbeit.
In schlimmen Erinnerungen.
In Dingen, die süchtig machen.
Wir bitten dich für sie.
Dass sie frei sein können.
Jesus, du bist auferstanden.
Erbarme dich.

Menschen sind stumm und niedergeschlagen.
Wie begraben.
Sie sehen nur: Alles ist aus.
Wir bitten dich für sie.
Dass sie hoffen können.
Jesus, du bist auferstanden.
Erbarme dich.

Es gibt so viel Hass und Gewalt.
Menschen verirren sich darin.
Wir bitten dich für sie.
Dass sie sehen: Es geht auch anders.
Jesus, du bist auferstanden.
Erbarme dich.

Jesus Christus,
wir halten Vieles für unmöglich.
Du kannst es wahr machen.
Du lebst.
Der Tod ist besiegt.
Dir vertrauen wir uns an.
Jetzt und für immer.

In unser Gebet schließen wir diejenigen mit ein,
von denen wir Abschied nehmen mussten
und die uns in die Ewigkeit vorausgegangen sind:

Frau Helga Leiskau, geb. Ritter
Herr Johann Oks

Ewiger Gott, in deine Hände haben wir die Verstorbenen gelegt.
Wir bitten dich, gib ihnen Wohnung und Heimat bei dir.
Und allen, die um sie trauern, gib die Kraft
einander zu trösten mit den guten Erinnerungen an sie
und dem Vertrauen, dass wir einmal alle vereint sind bei dir.
Durch Christus unseren Herrn. 
Amen

Wir beten mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe
Wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
Und die Herrlichkeit in Ewigkeit. AMEN

Segen:

Gottes Segen leuchte uns,
wie das Licht am Ostermorgen.
Gottes Friede begleite uns.
Gottes Liebe beflügle uns.
Gottes Freude rühre uns an.
Christus ist auferstanden.
In diesem Glauben segne uns Gott:

Gott, segne und und behüte uns.
Gott, lasse dein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig.
Gott, erhebe dein Angesicht auf uns
und schenke uns Frieden.
Amen.

 

 

Hoffnungswort zu Ostern Pfr. Schatull

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Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages. Die Mitte der Not ist der Anfang des Lichts. Das ist die Nacht, in der Chris­tus von den Toten er­stand. In dieser Nacht wandte er unser Ge­schick. Christ ist erstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.

Ich grüße sie alle herzlich heute am Oster­morgen aus unserer Christuskirche in Haß­loch. Heute Morgen können wir uns hier nicht zum Gottesdienst versammeln. Und doch wollen wir hier miteinander Gottes frohe Botschaft hören und in dem Bewusst­sein zusammen sein: Gott ist bei uns. Chris­tus geht mit uns und Gottes Geist führt uns durch Licht und Schatten, durch Hohes und Tiefes in ein neues Leben. Amen.

Gebet: So lasst uns die Hände falten und miteinander beten:

Du Gott des Lichts, du hast die Dunkelheit unserer Welt durchbrochen an jenem Oster­morgen. Du hast einen neuen Anfang ge­macht, als alle nur auf das Ende blickten. Versteinertes hast du ins Rollen gebracht, Erstarrtes in Bewegung. Schatten der Angst hast du weggewischt und die Schöpfung wieder wie am ersten Tag geschmückt. Lass dein Licht an diesem Ostermorgen auch unser Herz ergreifen und unsere Welt er­leuchten. Schenke uns Mut, das Unfassbare zu glauben, damit auch wir dereinst aufer­stehen. Amen.

Lied: EG 99,1-3 (Christ ist erstanden)

Schriftlesung am Altar (aus der Altarbibel): Mk. 16,1-8

Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein wegge­wälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist aufer­stan­den, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergrif­fen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

Predigt:

Liebe Gemeinde,

eben haben wir gesungen: „des solln wir alle froh sein“ und „Halleluja“; denn an Ostern, da soll doch die Freude über das Leben auf­kei­men. Die schwere Wintererde durch­bro­chen werden von zartem Grün.

Doch wenn wir ehrlich sind, dann steckt uns heute Morgen doch eher der Schrecken in den Knochen. Ostern – und wir können es nicht miteinander feiern. Nicht in unseren Kirchen zusammenkommen. Nicht unsere Familien und Freunde wie gewohnt besu­chen. Ja, das Kyrie eleison, das Herr erbar­me dich, das ist uns heute Morgen näher als ein freudiges Halleluja.

So erging es damals wohl auch den Frauen, die nach dem Ende des Sabbats an das Grab Jesu kamen. Sie konnten eigentlich immer noch nicht begreifen, was da vor zwei Tagen passiert ist: Jesu Gefangennahme; der Gerichts­prozess und seine Verurteilung; und dann die Hinrichtung am Kreuz.

Und jetzt - jetzt sind sie auf dem Weg zu seinem Grab. Wollen seinen Leichnam mit wohl­riechenden Ölen einreiben.

Auf dem Weg zum Grab. Da fiel ihnen dann noch der schwere Stein ein: Wie sollten sie den beiseiteschieben? Den hatten doch mehrere starke Männer mit Mühe vor den Eingang gewälzt!

Noch eine Sorge mehr zu ihrem Leid und zu ihrer Trauer. Nichts, aber auch gar nichts verlief in diesen Tagen in normalen Bahnen. Ihnen war wirk­lich nach Kyrie eleison zumute.

Doch wie sehr alles in anderen, ja in ganz neuen Bahnen verlief, das erfuhren sie erst als sie zum Grab kamen: Der Stein, der ihnen doch Sorge bereitet hat, - er war bereits weggerollt. Und das Grab - da lag kein Jesus mehr.

Da saß nur ein Fremder, ganz in weiß ge­kleidet, der ihnen sagte, sie sollen keine Angst haben. Jesus ist aufer­standen. Und das sollten sie seinen Jüngern sagen: dass er nach Galiläa gegangen ist und sie ihn dort sehen werden.

Das war nun wirklich zu viel für die Frauen. Das warf sie aus der Bahn. Sie flüchteten Hals über Kopf. Hatten so viel Angst, weil sie nicht mehr wussten, was sie von all dem halten sollten. Das war Kyrie eleison und Halleluja auf einmal. Und doch wieder auch keines von beiden. Sie waren so verwirrt und ver­ängstigt, dass sie auch nicht zu den Jüngern gingen, um ihnen davon zu erzäh­len, was ihnen da am Grab passiert ist.

Es mag ihnen, liebe Gemeinde, vielleicht seltsam vorkommen, aber mit diesem Entsetzen, mit der Flucht und dem Schwei­gen der beiden Marias und Salomes, damit kommt mir Ostern deutlich näher als mit vielen Jubelrufen. Denn: Diesen drei Frauen ging es mit dem Oster­ereignis im Grunde nicht besser als uns heute.

Gut, sie waren damals zum Grab gekommen und haben den Jüngling gesehen. Aber von dem, was da wirklich geschehen ist, haben auch sie nur durch Hö­rensagen erfahren. Sie haben nicht mit eige­nen Augen gesehen, wie Jesus aus dem Grab herausgekommen ist. Nicht die Stimme des Auferstandenen gehört. Sind nicht von ihm ange­rührt worden. Nichts von alle­dem. Auch sie waren wie wir heute auf das Hörensagen des Jünglings angewiesen.

Hören wir auf das, was uns der Jüngling sagt. Versuchen wir das Ent­­setzen im Zaum zu halten über diese Durchbrechung unserer Normalität. Also erst einmal das tun, wozu er die Frauen auch auf­gefordert hat: „Fürchtet euch nicht!“ Lasst euch nicht von eurer Angst über­wäl­tigen. Angst vor dem, was euren Erfah­rungshorizont überschreitet und euch sprachlos macht.

Jesus liegt nicht mehr im Grab. Das konnten die Frauen sehen. Das ist Fakt. Damit ist sein Grab nicht der Ort, wo sich Menschen seiner Gegenwart sicher sein können. Weder damals noch heute.

Aber: Wenn nicht hier, wo dann? Wo können ihn die Frauen und die Jünger finden? Wie kön­nen sie ihm be­geg­nen? Ihm nahe sein?

Der Bote – er stellt die frohe Botschaft in den Raum des Grabes; in den Raum des Todes: Jesus ist auferstanden und geht voraus. Und sie - sie sollen ihm nachfolgen. Sie werden ihm begegnen.

Und wo? Dort wo alles angefangen hat. Dort, wo sie erlebt haben, was es heißt, Jesus nachzufolgen.

In Galiläa. Wo Jesus sie von den Booten weggerufen und als Menschen­fischer bestellt hat. Wo sie Haus und Hof verließen und erste Schritte gemeinsam mit Jesus gingen, seine Worte hörten. Wo sie Mut fassten, aber auch zweifelten.

In Galiläa. Wo Jesus seine Schritte zu Zöll­nern und Frauen mit zweifelhaftem Ruf lenkte. Und wo er auch zu ihnen sprach von der Liebe Got­tes. Wo er ihnen sagte, dass er leiden und sterben muss.

In Galiläa, dem Ort des Aufbruchs und der Nachfolge. Dort, wo ihr Glauben und Zweifeln zu Hause sind.

Und wo ist dieser Ort für uns heute? Wo hat für uns alles angefangen?

Hier in der Kirche, wo sie vielleicht getauft worden sind? Hier in der Gemeinde, wo wir als Christen nicht nur für uns, sondern mit anderen Menschen zusam­menleben? Wo wir anderen Menschen helfen? Wo unser Glaube aber auch immer wieder in Frage gestellt wird? Wo wir nicht selten Angst haben über das Kreuz und das Grab zu reden, weil es doch so unaussprechlich ist, was da gesche­hen ist? Und wo wir in uns die Frage stellen: Kann ich das wirklich? Ihm nachfolgen?

Nachfolge – das ist wahrlich nicht einfach. Schon gar nicht an diesem Ostermorgen, wo wir nicht miteinander feiern können, sondern zu Hause bleiben sollen.

Doch genau heute, genau in unserer jetzigen Lebenssituation – genau hier stehen wir am Anfang dieses We­ges der Nachfolge. Am An­fang des Weges, den er uns voraus ge­gang­en ist. Und an diesem Anfang gilt es sich zu orientieren. Sich an ihm auszu­rich­ten. Worte und Taten zu finden, die über sein Grab hinaus­weisen und uns so aufs Neue in seine Nähe führen.

Diese Nähe, sie lag den Jüngern voraus. Voraus als ein Versprechen, dass es dort wei­ter­geht, wo alles angefangen hat. Wo Wor­te gesprochen wurden, die Menschen heil ge­macht haben. Wo die Jünger von ihren Net­zen weggerufen wurden zu einem viel grö­ße­res Netz, in dem sich die zusam­men­gefunden haben, die ihm folgen.

Amen.

Lied: EG  116,1.2.5

Fürbittengebet:

Jesus Christus, du Sohn Gottes, du hast uns in deiner Auferstehung gezeigt, dass das Leben über den Tod siegt und das Licht über die Finsternis. Dafür danken wir dir.

Wir bitten dich für uns, dass wir dir vertrauen auf unseren Wegen, gerade auch in unserer Angst und Not und in der Finsternis des Todes. Führe uns aus der Dunkelheit ins Licht.

Wir bitten dich für die Kranken und Sterbenden; für die, die sich um sie kümmern und dafür mehr arbeiten als normal. Führe sie aus der Dunkelheit ins Licht.

Wir bitten dich für die, die um einen Menschen trauern, den sie geliebt haben; der sie geprägt hat; und mit dem sie sich auch nach seinem Tod noch verbunden fühlen. Führe sie aus der Dunkelheit ins Licht.

Wir bitten dich für uns und bringen dir unseren Glauben und unsere Fragen. Gib uns Gewissheit, dass du lebst und dass die Finsternis des Todes besiegt ist. Stärke uns mit deinen Gaben. Und gib, dass wir für dich leben und für den, der dich in der Kraft des Heiligen Geistes aus der Dunkelheit ins Licht geführt hat. Amen.

Vater unser:

Segen:

So lasst uns in diesen Ostertag gehen wie die ersten Zeuginnen.
Seht das leere Grab und wendet euch zum Licht.
Schöpft Mut und Hoffnung, trotzt entschieden allem Widerstreit.
Vertraut auf den Segen, der in Gottes Liebe begründet ist.
In dieser Kraft wollen wir nach Versöhnung und Gerechtigkeit suchen.
Segne uns Gott und sei uns Licht auf dem Weg.

Amen.

 

Giacomo an Ostern

Eine kleine Geschichte zu Ostern von Stephan Schatull

....zum Hören des mp3-Podcast bitte oben Tonleiste anklicken!

Zwei Hoffnungsworte zu Karfreitag

Pfr. Dr. Schmidt-Roscher und Pfr. Stetzer

Hoffnungswort Karfreitag Pfr. Dr. Schmidt-Roscher

  • Diesese Hoffnungwort ist in Wort und Bild unter YouTube eingestellt (ab 9. April, 17 Uhr):
    https://youtu.be/wYNeyTjl_Sw
  • Zum Lesen des Textes bitte das Feld unten öffnen! Sie finden da auch Links zu Musikvorschlägen.

Hoffnungswort zu Karfreitag 2020 (2. Korinther 5,14-21)

Lied EG 91, 1-4
https://www.youtube.com/watch?v=xFEDpdHWOA0

Als Psalm Christushymnus aus dem Philipperbrief 2,6-11

Jesus Christus, derin göttlicher Gestalt war,
hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,
sondern entäußerte sich selbst
und nahm
Knechtsgestalt an,
ward den Menschen gleich

und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.
Er
erniedrigte sich selbst und wardgehorsam bis zum Tode,
ja zum Tode am Kreuz.
Darum hat ihn auch Gott
erhöht
und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,
dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie,
die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,
und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist,

zur Ehre Gottes, des Vaters.

Eingangsgebet

Jesus Christus, dein Kreuz:
Zeichen der Not, des Unrechts, des Todes,
und doch nicht das Ende deines Weges.

Lass es uns werden zum Zeichen der Hoffnung,
weil du lebst und wirkst in Ewigkeit. Amen

(Aus: Kirchenagende der Ev. Kirche der Pfalz, S. 396)

Lesung Johannesevangelium 19, 16-30

Lied EG 85, 1-4
Gemeindegesang (andere Strophenauswahl)
https://www.youtube.com/watch?v=fJihMSWwUE4
Chorgesang (Bachfassung):
https://www.youtube.com/watch?v=RTLRp2zU3x0

Ansprache

Dunkel ist der Karfreitag schon immer gewesen, liebe Schwestern und Brüder.
Denn es fällt schwer zu verstehen, was das für ein „Feiertag“ sein soll, an dem wir an einen erinnern, der am Kreuz stirbt.
Deshalb sind an diesem Tag auf dem Abendmahlstisch unserer Kirchen nur das Kreuz und die Bibel. Keine Kerzen, keine Blumen…

Doch der Karfreitag ist in diesem Jahr noch aus einem anderen Grund merkwürdig und dunkel. Denn wir können keinen gemeinsamen Gottesdienst in unseren Kirchen in diesem Jahr feiern. Das ist für mich und für viele Menschen schmerzlich. Denn gerade im Gedenken und in der Trauer will man doch mit andern Menschen zusammenkommen. Denn gerade das Miteinander und das Beistehen trösten.

Damit der Karfreitag und das Sterben Jesu nicht dunkel bleiben, sondern unser Leben erhellt, deutet der Apostel Paulus im 2. Korinther 5, 14-21 dieses Ereignis neu. Er weiß natürlich, das Jesus von Nazareth von Römern gekreuzigt wurde. Pontius Pilatus sah in ihm vermutlich einen Aufrührer. Auch der jüdischen Oberschicht war er unbequem. Deshalb wurde Jesus auf Golgatha grausam am Kreuz hingerichtet

Aber Jesus wurde nicht nur durch die politischen und religiösen Machthaber gekreuzigt. Sein Tod hat auch eine Bedeutung für uns. Danach fragte der der Apostel Paulus. In verschiedenen Anläufen versucht er das zu verstehen und für die Menschen in Korinth verständlich zu machen.

14 Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben, dass einer für alle gestorben ist und so alle gestorben sind. 15 Und er ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und auferweckt wurde. 16 Darum kennen wir von nun an niemanden mehr nach dem Fleisch; und auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt so nicht mehr. 17 Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 18 Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. 19 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 20 So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! 21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.
 

Von Ostern her, von der Auferstehung Jesu wird das Kreuz gedeutet, liebe Schwestern und Brüder.

Das Licht des Ostermorgens macht auch das dunkle Kreuz hell. So steht das Kreuz nicht mehr als Ende eines Weges, als einsames Scheitern. Der Kreuzestod Jesu erhält von Ostern her - von seiner Liebe her, sagt Paulus - noch einen anderen Sinn.

Jesus stirbt einsam und allein, aber nicht für sich. Jesus Christus stirbt für alle. Sein Tod gehört nicht zu den vielen sinnlosen Opfern von Gewalt und Hass, die es bis heute in der Welt gibt. Sein Tod gehört nicht nur zu den vielen, die zu früh sterben, mitten aus dem Leben gerissen. Sein Tod - und das ist das Merkwürdige - schafft Verbindung zu anderen. Denn er stirbt für alle. Und so schafft dieser Tod Jesu Christi Leben.

Das ist das erste, was Paulus hervorheben will in seiner Deutung des Kreuzestodes Jesu. Dass Gott dieses einsame Sterben wandelt, weil dort einer für andere sich hingibt und so durch seine Liebe neues Leben schafft.

Der Kreuzestod Jesu war schon für die ersten Christen ein sperriges Zeichen. Auch heute fragen sich viele Menschen: Was ist das für Gott, der seinen Sohn so brutal am Kreuz sterben lässt? Was ist das für ein Gott, der solch ein blutiges Opfer braucht?

Die Kirchen haben selbst dazu beigetragen, dieses Missverständnis unter die Leute zu bringen. Es wurde dann gesagt, dass Jesus Christus am Kreuz den Zorn Gottes über die Sünden der Menschen sühnen muss. Jesus musste den Kreuzestod leiden, um unsere Schuld zu sühnen und damit Gott zu versöhnen.

Doch Paulus sieht dies anders. Nicht Gott braucht die Versöhnung, er ist ja die Liebe. Aber ich brauche die Versöhnung. Wir brauchen die Versöhnung, die ganze Welt braucht sie.

Ich soll also versöhnt werden, mit meiner inneren Zerrissenheit, in meiner Angst, mit meinen Fehlern. Gott versöhnt mich, indem er mit Jesus am Kreuz zusagt, bei mir zu sein, trotz allem.

Wir sollen versöhnt werden, mit unseren Unfrieden, mit unserer Sorge zu kurz zu kommen oder keine Beachtung zu finden. Gott versöhnt uns, indem er mit Jesus am Kreuz sagt, dass er unsere Ferne überwindet. 

Die Welt soll versöhnt werden, in ihrem Krieg und Streit, in ihrem Hass gegen Minderheiten, in ihrer Gleichgültigkeit gegen Schwache, in ihrer Zerstörung gegen die Schöpfung. Gott versöhnt die Welt, indem er mit Jesus am Kreuz sagt, dass seine Liebe das Böse überwindet.

Das Kreuz ist ein sperriges Zeichen. Denn es macht den Abgrund des Bösen, die Einsamkeit des Sterbens, die Macht der Gewalt deutlich. Auf der anderen Seite ist es aber ein Zeichen, wie Gott in Jesus Christus mit seiner liebenden Hingabe das Dunkle überwindet.

So deutet Paulus das Kreuz neu. Aus einem Todeszeichen wird ein Trostzeichen,
aus einem Vergeltungszeichen ein Versöhnungszeichen.

Dass wir das Kreuz neu sehen lernen und diese Versöhnung Gottes uns gefallen lassen, das setzt voraus, dass wir uns selbst in diese Geschichte Gottes mit hineinnehmen lassen. In der Christuskirche in Haßloch gibt es neben der Kanzel ein Fenster mit der Karfreitagsszene. Unter dem Kreuz befinden sich drei Menschen: Maria und Johannes und Maria Magdalena.

Auch wir können uns so wie diese beiden Frauen und der Mann unter das Kreuz stellen. Denn Paulus bittet an Christi statt: Lass euch versöhnen mit Gott!

Gott hat das Kreuz verwandelt. Die Hinrichtung Jesu als Hingabe seiner Liebe gedeutet. Doch diese Versöhnung geschieht nicht gegen, sondern mit uns. Wir dürfen und sollen also Teil dieser Geschichte werden, die da unter dem Kreuz geschieht.

Indem ich selbst mich an Karfreitag unter das Kreuz stelle und mir die Versöhnung Gottes gefallen lassen. Indem ich darauf vertraue, dass auch da, wo ich gescheitert bin, da wo ich andere verletzt habe, da wo ich mich von Gott abgewendet habe, da wo ich versagt habe, dies wirklich vergeben ist. Dass ich also darauf vertraue, dass mich Gott gut macht, obwohl nicht alles gut ist, was ich tue und erlebe.

Aber dazu gehört auch, dass wir selbst mitwirken dürfen und sollen an dieser Versöhnung Gottes. Was ist in der Lutherbibel mit „Amt der Versöhnung“ übersetzt ist, heißt genauer „Dienst der Versöhnung“. Wir können selbst als Botschafterinnen und Botschafter der Versöhnung in unseren Familien und in unserem Dorf und in der Welt wirken. Paulus macht uns dazu Mut, dass wir selbst diese Botschaft der Versöhnung weitertragen.

Viele von uns sind durch diese Krise, die das Virus ausgelöst hat erschüttert, weil unser Leben sich grundlegend gewandelt hat. Es gibt viel Sorge und Unsicherheit.

Gleichzeitig erlebe ich, wie viele Menschen sich Gedanken machen, wie wir gerade jetzt für andere Menschen da sein können. Wie in Krankenhäusern oder Altenheimen, in Sozialstationen oder auch in Supermärkten kreative Lösungen entstehen,  wie Schwachen zu schützen sind. Auch das ein Dienst der Versöhnung.

Oder ich denke an die zahlreichen Initiativen der Nachbarschaftshilfe, die sich um Menschen kümmern, mit ihnen reden oder einkaufen. Oder auch an unser Hilfsnetz EDEN oder auch an das „Tütenprojekt Haßloch hilft“, das an Gründonnerstag angelaufen ist und Lebensmittel an Menschen verteilt, die nach Ausfall der „Tafeln“ zu wenig haben.

Der Dienst der Versöhnung geschieht ganz vielfältig durch Worte und Taten. 

Nach dem 2. Weltkrieg gründete in Italien der protestantische Pfarrer Tullio Vinay das „Zentrum Agape“, um in den Alpen bei Turin Jugendliche aus der verfeindeten Ländern Europas zusammen zu bringen. Es war ein Versuch den Dienst der Versöhnung, der uns aufgetragen ist, auch über die Grenzen des eigenen Landes zu leben. Vinay hat in Norditalien begonnen, obwohl dort viele am Ende des Krieges unter der deutschen Besatzung gelitten hatten.

Daran muss ich denken, weil gerade der Norden Italiens besonders unter der Krise leidet. Daran muss ich denken, wenn in diesen Tagen die europäischen Regierungschefinnen und Finanzminister diskutieren, wie die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Virus behoben werden können, wenn sich das Leben irgendwann wieder normalisiert. Der Dienst der Versöhnung darf nicht an den Grenzen eines Landes enden. Er gilt nicht nur uns, sondern der ganzen Welt. Deshalb sollten wir als Botschafterinnen und Botschafter der Versöhnung dafür eintreten, dass wir in Europa alles tun, um gemeinsam die Folgen zu tragen. Und dann muss es selbstverständlich sein, dass die Stärkeren mehr tragen als die Schwächeren. Das gilt in unserem Land und sollte auch in Europa so sein. Gerade wir Deutschen, die so gerne in Europa verreisen und viele Erfahrungen nach 1945 mit Menschen in Frankreich oder Italien, in Polen oder Tschechien gesammelt haben, sollten dafür eintreten, dass wir auch in dieser Krise einander beistehen und gegenseitig helfen. Mit dieser Solidarität kann der uns aufgetragene Dienst der Versöhnung gelebt werden.

Das Kreuz erinnert uns an die Verletzlichkeit des Lebens, aber es steht auch für Hoffnung und Versöhnung. Amen. 

Lied aus Wo wir dich loben, 170, 1-3 (Kreuz, auf dass ich schaue)
https://www.youtube.com/watch?v=kGoin1NMhD0

Gebet

Gott, wir sehen das Kreuz und den leidenden Christus,
wir sehen das Leiden von Kranken, die um ihr Überleben kämpfen,
die Trauer von Menschen, deren Angehörige sterben,
Menschen, die Angst und Sorge vor der Zukunft haben,
die Not der Menschen, die in Flüchtlingslagern auf engstem Raum leben.
Hilf uns eigenes und fremdes Leid mitzutragen.  
Gott, wir sehen das Kreuz und den liebenden Christus.
Öffne unsere Augen, dass wir in diesem Kreuz deine Liebe erkennen.
Hilf uns darauf zu vertrauen, dass du uns Vergebung schenkst und gut machst,
obwohl nicht alles gut ist, was wir tun.
Lass uns durch das Kreuz Halt und Trost finden.
Gott, wir sehen das Kreuz, das Zeichen der Versöhnung.
Schenke uns deinen Geist, damit wir aus deiner Versöhnung leben.
Mache uns zu Botschafterinnen und Botschaftern deiner Versöhnung
in unseren Familien und in unserem Dorf.
Schenke den Politikerinnen und Politikern in Europa Weisheit,
damit sie diese Krise gemeinsam und solidarisch meistern.

Gott, wir sehen das Kreuz, das Zeichen der Hoffnung.
Schenke uns trotz aller Sorge die Hoffnung, dass du uns auch in schweren Zeiten Kraft gibst.Wir erinnern uns der Menschen, die aus unserer Gemeinde bestattet wurden:

Frau Helga Leiskau, geb. Ritter, 86 Jahre
Herr Johann Oks, 87 Jahre

Vollende den Weg dieser Geschwister und einmal unseren Weg in deinem Reich des Friedens. Lass die Angehörigen in dieser Hoffnung Trost finden. Amen

Vaterunser

Lied EG 85, 9+10
Chorgesang (Bachfassung-Johannespassion):
https://www.youtube.com/watch?v=Io7G2WYbbcg

Gott segne dich und behüte dich.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen.

 

(Friedrich Schmidt-Roscher)

Hoffnungswort Karfreitag Pfr. Stetzer

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Meine Musikempfehlung:

„Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“

mit diesen Worten, liebe Leser,
möchte ich Sie zum Karfreitag begrüßen…
…einem Karfreitag, an dem wir uns nicht
 von Angesicht zu Angesicht sehen können.

Aber das ist in Ordnung so,
denn Gott will auch,
dass wir auf unsere Gesundheit achten,

und das scheint uns zur Zeit
keine andere Wahl zu lassen.

Was ich so ein bisschen feststelle,
ist, dass uns in den letzten Wochen
damit auch Gelegenheit gegeben wurde,
innezuhalten.
Innehalten, etwas, was früher sowieso
in der Passionszeit üblich war…

Ich möchte unsere Andacht,

die wir im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes feiern,
mit einem Gebet beginnen

und Ihnen dann ein bisschen davon erzählen, was mir Karfreitag bedeutet, warum er mir so wichtig ist.

Lasst uns beten:
Herr, unser Gott,
wir kommen zu dir
in diesen Tagen
in denen wir zunächst dich
gemeinsam mit den Frauen
zum Kreuz geleiten…

Gemeinsam mit den Frauen
machen wir uns dann auch zum Grab
…um dort dir, dem Auferstandenen
zu begegnen.

Wir tun das in einer Zeit
in der wir uns alle sorgen
um diese Welt -
um die Menschen in den Ländern,
die es besonders hart getroffen hat…
aber auch um unser Land,
unsere Gesundheit.
All unsere Sorgen, Gott,
lass sie uns
unter das Kreuz deines Sohnes legen.

Lass uns die Kraft spüren,
die von ihm ausgeht. AMEN

…wie versprochen, nun ein paar Worte zum Karfreitag:

Karfreitag – ein trister Tag…

Ich erinnere mich daran,
dass der bei uns zu Hause mit großem Ernst begangen wurde.

Der einzige Tag, an dem klar war:
Heute wird auch bei uns Protestanten gefastet,
selbst Fisch kam nicht auf den Tisch,
nur eine Pilzsauce wurde zu Nudeln gereicht,
…oder auch Dörrobst mit Croutons.

Und auch mir als Kind war klar:
Dieser Tag, der ist anders als alle anderen!

Warum?
Weil der Herr Jesus für uns am Kreuz gestorben ist…

Habe ich das verstanden?
…sicher nicht mit dem Verstand erfasst…

Aber Bilder haben sich eingeprägt,
die mit Karfreitag verbunden waren…
der Weg Jesu ans Kreuz,
die Soldaten, die um seinen Rock würfeln,
die beiden, die mit ihm gekreuzigt wurden,
wie von Lukas erzählt,
das Gespräch Jesu zwischen Maria, Johannes und Jesus
am Fuß des Kreuzes…
„Das ist dein Sohn!“ – zu Maria…
„Das ist deine Mutter!“- zu Johannes…
…wie es das Johannesevangelium erzählt…
Das „Es ist vollbracht!“
Und das „Dieser war wahrhaftig Gottes Sohn!“ – des Soldaten…

Eigene Bilder von diesem Tag,
ich habe sie mit mir herumgetragen,

seit meiner Kindheit…
und auf meine Weise
habe ich schon etwas verstanden…

Wusste, dass es in der Welt zuweilen schlimm zugeht,
und dass ich Jesus vertrauen darf…
der hier so elend gelitten hat…
gelitten hat und gestorben ist…

…und irgendwie doch noch da ist…

Weil er drei Tage später auferstanden ist…
…und ich fühlte mich Jesus verbunden…

Das gab mir Kraft für mein Leben…

Was ich früher als Kind nur in Ansätzen verstand:
Heute ist es mir viel klarer:

Auf Jesus schauen, seine Liebe, seine Hingabe,
seine Bereitschaft zu leiden,
sie verändert mein Leben..,

öffnet mich für die Liebe, in dem Augenblick,
wo mir klar wird:

Ja, eine solche hingebenden Liebe,
das ist das Einzige, das diese Welt wirklich verändern kann,
Hass und Gewalt ein Ende setzt!

Ich merke, wie ich neu werde,
neues Leben in mir wachsen will,
wenn ich mit Jesus durch seinen Schmerz gehe…

Werde ein neuer Mensch,
der mehr und mehr bereit ist,
sich dem zu stellen,
was mir im eigenen Leben
Kummer bereitet…

Werde auch ein Mensch,
der mehr und mehr bereit ist,
auf das Leid anderer zu schauen,
ohne sich abzuwenden,
mit Empathie…

Weil ich darauf vertraue:
Wenn ich durch das Leiden hindurchgehe,
da ist da auf der anderen Seite
eine Kraft, die mich hält…

Eine Liebe, die mich umgibt…
selbst noch im Tod…

Eine Erfahrung, die ich nur machen kann,
weil es Menschen gibt,
die uns ihre Erfahrung mit Jesus weitergegeben haben…

…wie der Apostel Paulus,
der im 2. Korintherbrief im 5.  Kapitel
folgendes schreibt:

Ist einer in Christus,
dann ist er ein neues Geschöpf.

Das Alte ist vergangen,
siehe:
Neues ist geworden.

Dies alles aber kommt von Gott,
der uns versöhnt hat
mit sich selbst durch Christus
und uns den Dienst der Versöhnung
anvertraut hat,
so wie Gott in Christus
die Welt mit sich versöhnt hat,
ihnen ihre Übertretungen
nicht angerechnet,
und aufgerichtet hat
das Wort der Versöhnung.

An Christi statt
sind wir nun Botschafter,
Gott ermahnt sozusagen durch uns,
wir bitten an Christi statt:
Lasst euch versöhnen mit Gott.

Den, der um keine Sünde wusste,
um unsretwillen machte er ihn zur Sünde,
damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden.

Paulus beschreibt hier mit seinen Worten genau das,
wovon auch ich erzählt habe:
dass wir neu werden..,

weil wir zu Gott in einem neuen Verhältnis stehen,
„versöhnt sind“ – wie er sich ausdrückt…

Und dann geht er noch einen Schritt weiter:
Wir werden damit zu Botschaftern Gottes,
zu Botschaftern Jesu,

sollen andere Menschen
die diese Erfahrung noch nicht gemacht haben,
auf IHN hinweisen,
auf Jesus, seine Liebe, seine Hingabe…

…sie ermutigen, das an sich heranzulassen,
bis auch sie es spüren, welche Kraft davon ausgeht..,

zu ihnen sagen:
Lasst euch versöhnen mit Gott!

Diese Kraft – sie kann uns auch
in der jetzigen Situation helfen..,

…die ja doch etwas außergewöhnlich ist.

Denn wir wissen:
Wir sind mit Gott verbunden
in dieser komplizierten Welt,
trotz Krankheit, Leid und Tod!

Er ist auch jetzt an unserer Seite…
was auch immer geschieht.

AMEN

Wir wollen beten!
Jesus, wir schauen auf dein Kreuz.
Und wir schauen in diese Welt.

Wir beten zu dir.
Dich haben sie verspottet.
Mit einer Dornenkrone.
Menschen werden gedemütigt.
Menschen werden ausgegrenzt.
Du hast es selbst erlebt.
Du leidest mit.
Jesus – schütze sie.

Sie haben dir die Kleider vom Leib gerissen,
unter sich verteilt,
Menschen wird alles weggenommen.
Menschen werden innerlich zerstört.
Du hast es selbst erlebt.
Du leidest mit.
Jesus – verteidige sie.

Dich haben sie geschlagen.
Dich haben sie gequält bis zum Tod.

Menschen werden gefoltert.
Menschen werden missbraucht.
Du hast es selbst erlebt.
Du leidest mit.
Jesus – rette sie.

Du hast zu Gott geschrien.
Du hast gefragt:
Mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Menschen fühlen sich von Gott verlassen.
Menschen verzweifeln an Gott.
Du selbst hast es erlebt.
Du leidest mit.
Jesus – mach ihren Glauben stark.

Du hast es am eigenen Leib erlebt:
Menschen tun Böses.
Sie werden schuldig.
Auch mit ihnen leidest du mit.
Du hast deinen Feinden vergeben.
Jesus – versöhne Menschen miteinander.

Jesus Christus,
du bist am Kreuz gestorben.
Du hast gesagt:
Jetzt ist es gut.
Wir schauen auf dein Kreuz.
Du bist unsere Hoffnung.

So gedenken wir in dieser Stunde auch:
Helga Leiskau, geb. Ritter,
verstorben im Alter von 86 Jahren
und
Herr Johann Oks,
verstorben im Alter von 87 Jahren.
Sei du bei den Angehörigen
in dieser schweren Zeit
und stärke sie in der Gewissheit,
dass der Tod auch bei uns
nicht das letzte Wort hat.

So sei du unsere Hoffnung
auch in diesen Zeiten…
Sie unsere Hoffnung
auf bessere Zeiten,
sei auch die Hoffnung
derer,
die Verantwortung übernehmen
in Politik, Krankenhäusern,
der Pflege…
oder auch dafür sorgen,
dass wir weiterhin versorgt sind,
die Menschen, die in den Supermärkten arbeiten,
mit den LKW`s uns die Waren herbeibringen,
bei denen auch, die den Müll abfahren…
Wir brauchen einander,
sei du unsere Hoffnung.

Deshalb wenden wir uns zu dir mit den Worten Jesu:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott zu diesen Zeiten, es ja doch kein andrer nicht der für uns könnte streiten, denn du unser Gott alleine.

Es segne und behüte uns Gott,
der Allmächtige und Barmherzige,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN

Herr, unser Herrscher

Herr, unser Herrscher, dessen Ruhm
in allen Landen herrlich ist.
Zeig uns durch deine Passion,
dass du, der wahre Gottessohn,
zu aller Zeit,
auch in der größten Niedrigkeit,
verherrlicht worden bist

Ruht wohl ihr heiligen Gebeine

Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine,
die ich nun weiter nicht beweine,
ruht wohl und bringt auch mich zur Ruh.
Das Grab, so euch bestimmet ist,
und ferner keine Not umschließt,
macht mir den Himmel auf und schließt die Hölle zu.

Kollekte am Karfreitag

für die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher an der FH für Sozialwese der Diakonissen Speyer-Mannheim

Wir können leider nicht bei den Gottesdiensten sammeln - Sie können aber das Projekt durch Überweisung unterstützen

 Bankverbindung Kirchengemeinde 
Auf jeden Fall alsVerwendungszweckangeben
Karfreitag Hassloch
Verwaltungsamt Neustadt
IBAN DE08 5465 1240 1000 4249 01 Sparkasse Rhein-Haardt

Offizieller Kollektenaufruf der Landeskirche:
Seit 1881 unterstützen die Gemeinden der Ev. Kirche der Pfalz die Arbeit der Diakonissen Speyer durch die Kollekte am Karfreitag. Wir bedanken uns herzlich für die Kollekte im vergangenen Jahr mit einem Betrag von 45.434,85 €.
In der Fachschule für Sozialwesen der Diakonissen Speyer, hervorgegangen aus dem Seminar für Kinderschulschwestern, bilden wir Sozialassistenten/-innen und Erzieher/-innen aus. Jährlich beginnen ca. 125 Menschen unterschiedlichen Alters eine dieser Ausbildungen bei uns. Die Erzieher/-innen finden in der Regel Anstellung in Kindertagesstätten und Einrichtungen der Jugendhilfe sowie in sonderpädagogischen Einrichtungen in der Pfalz und darüber hinaus. Neben aller fachlichen Qualifikation legt die Schule besonderes Gewicht auf die religionspädagogische Ausbildung. Sie will befähigen, mit Kindern und Jugendlichen zu entdecken, wie der Glaube an Gott zum Leben hilft.
Wir bitten Sie um Unterstützung dieser Ausbildungsarbeit der Diakonissen Speyer durch Ihre Kollekte. Wir möchten fortsetzen, was Diakonissen vor mehr als 160 Jahren in der Erziehung von Kindern begonnen haben und dazu beitragen, dass die prägende Kraft der christlichen Tradition in unserer Gesellschaft spürbar bleibt. Junge Menschen begegnen in ihrer Ausbildungszeit gelebtem christlichem Glauben in der Nachbarschaft zum Mutterhaus der Diakonissen und setzen sich mit Fragen der religiösen Orientierung und Praxis auseinander.
Für Ihre Gaben sagen wir im Voraus herzlichen Dank.
Dr. Günter Geisthardt
Theologischer Vorstand, Pfarrer